Nach 157 Folgen ist Schluss

Letzte ARD-Talkshow: Jauch geht – was bleibt?

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Günther Jauch verabschiedet sich von der ARD.

München - Seit September 2011 begrüßte Günther Jauch die Gäste im Berliner Gasometer. Jetzt ist Schluss. Am Sonntag wird die letzte Ausgabe der ARD-Talkrunde ausgestrahlt.

Zum Abschluss gönnt er sich noch mal einen Hochkaräter: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird am Sonntag einziger Gast in der 157. und letzten Ausgabe von Günther Jauch in der ARD sein. Danach ist Schluss für den 59-jährigen Moderator. Er gibt die Talksendung ab, im kommenden Jahr übernimmt Anne Will.

Seit September 2011 begrüßte Jauch die Gäste im Berliner Gasometer. Die ARD hätte, so wurde es kommuniziert, gerne weitergemacht. Aus beruflichen und privaten Gründen entschied sich Jauch aber, das Angebot zur Vertragsverlängerung auszuschlagen. Was ihn genau zum Aufhören bewogen hat, darüber hat der Wahl-Potsdamer nie öffentlich gesprochen. Klar dürfte aber sein, dass die zum Teil heftige Kritik an seiner Moderationsleistung nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist. Bei RTL, wo er weiterhin mit Shows wie Wer wird Millionär? und Die 2 – Gottschalk und Jauch gegen alle präsent sein wird, agiert er ohne größere Widerstände. Das war bei der ARD von Anfang an anders.

Sie übernimmt: Anne Will.

Wie fällt nun die Bilanz nach viereinhalb Jahren Günther Jauch im Ersten aus? Es gab – natürlich – auch gute Sendungen. Das waren meistens die, die irgendwie nach Stern TV ausschauten. Das RTL-Magazin hatte Jauch vor seinem Engagement bei der ARD moderiert. Wenn es also „menschelte“, war Jauch stark. Wenn er mit Auschwitz-Überlebenden sprach, wenn er Gäste interviewte, die die Anschläge vom 11. September überlebt hatten, oder wenn es um schwere Themen wie Suizid ging (erinnert sei an die Ausgabe über den Freitod seines Freundes, den ehemaligen MDR-Intendanten Udo Reiter), dann saß man vor dem Fernseher und hörte der Runde durchaus berührt zu.

Aber – und dieses Aber ist groß – der Sonntagabend ist nun mal der Sendeplatz für den wichtigsten politischen (!) Talk der Woche. Und Günther Jauch ist kein politischer Talker, kein hartnäckiger Frager. Keiner, der einen noch so rumschwadronierenden Politiker so unterbricht, wie es geboten wäre. Ihm fehlt, so scheint es jedenfalls, die Empörung, die eine Anja Reschke hat, wenn es – zum Beispiel – um die Flüchtlingsfrage geht. Als die Panorama-Moderatorin kürzlich zu jenem Thema als Gast bei Jauch auftrat, nahm sie dankenswerterweise das Zepter in die Hand und stellte die Fragen, die Jauch hätte stellen müssen. Der wirkte völlig überfordert. So war es oft, wenn es um brisante Themen ging.

Was bleibt also von Günther Jauch als Talkmaster im Ersten? Beim Sender betont man den Erfolg, die guten Quoten. Über die Qualität der Sendung sagen diese freilich nichts aus. Was bleibt, ist das Gefühl eines großen Missverständnisses.

Das waren die größten Aufreger

6.5.2012 / 12.3.2014:Zwischenfälle mitten im Studio! Im Mai 2012 begann ein Studiogast plötzlich lauthals mitzudiskutieren und zu schreien. Er wurde von den Sicherheitskräften hinausgetragen. Das passte Jauch nicht. „Hier wird niemand einfach so rausgeschmissen“, so der Moderator. Kurz darauf ließ er den Mann zurückholen. Ein wenig anders lief das Ganze am 12. März 2014. Thema war die Steueraffäre rund um Uli Hoeneß. Ein Zuschauer versuchte plötzlich auf die Bühne zu stürmen und schrie: „Freiheit!“ Jauch blieb absolut ruhig, erklärte am Ende der Sendung die Beweggründe des Störenfrieds.

Screenshot aus dem Video von Gianis Varoufakis.

15. März 2015: Der Mittelfinger-Skandal! Jauch hatte den damaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis zu Gast, konfrontierte ihn mit einem Video, in dem dieser den Deutschen den Mittelfinger zeigte. Der Minister bestritt die Echtheit der Aufnahmen. ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann brüskierte Jauch später. Er erklärte, das Video gefälscht zu haben.

19. April 2015: Jauch stellte angesichts der jüngsten Entwicklungen im April die Frage: „Das Flüchtlingsdrama! Was ist unsere Pflicht?“ Geladen war auch Harald Höppner, Initiator der privaten ­Seerettungsmission „Sea Watch“. Er wollte nicht nur Fragen beantworten. Plötzlich stand Höppner auf, forderte eine Schweigeminute für die umgekommenen Flüchtlinge. Als der sichtlich überrumpelte Jauch ihn bremsen wollte, wurde er zurechtgewiesen: „Herr Jauch, Deutschland sollte eine Minute Zeit haben, um dieser Menschen zu gedenken.“ Genau das wurde getan.

Stefanie Thyssen

„Günther Jauch“, Sonntag, 21.45 Uhr, ARD

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