Gefeierte Starkbierrede am Nockherberg

Mama Bavarias letzte Schlacht - und es war ihre beste!

+
Luise Kinseher als Mama Bavaria prostet ihrem Publikum zu.

Es war ihre letzte Fastenpredigt auf dem Nockherberg, und es war ihre beste, lautet das einhellige Urteil. Luise Kinseher hat sich böse Seitenhiebe anscheinend bis zum Schluss aufgehoben. 

Nockherberg – es ist 19.38 Uhr. Draußen hat es minus 10 Grad. Und drinnen? Da feuert Mama Bavaria gerade einen Spruch ab, der ihr Polit-Publikum im Saal ganz kurz erstarren lässt: „Gut – jetzt sagen viele: Glaubt doch dem Söder nichts“, frotzelt Mama auf der Bühne. „Der hat damals auch für ein paar Milliarden die GBW-Wohnungen verscherbelt und vielleicht ist er sogar in kriminelle Schwarzgeldgeschäfte mit den Russen verwickelt. Vielleicht! Markus, ich bin deine Mama. Ich trau es dir zu.“ Kurze Stille im Saal – dann folgt tosendes Gelächter. Ja, Rumms, das saß!

Lesen Sie auch: Die Rede der Mama Bavaria im Wortlaut

Es scheint, als ob sich Mama Bavaria die ganz bösen Seitenhiebe bis zu ihrem letzten Auftritt aufgehoben hat. Egal ob Söder, Dobrindt oder Seehofer – alle bekommen gestern ihr Fett weg. Aber oftmals zwischen den Zeilen, nicht mit dem Schwert, sondern dem Florett. Ja, Mamas letzte Show erinnerte teils sogar an die großen Auftritte eines Bruno Jonas. Wenn Bayerns Mutter beispielsweise Ludwig Spaenle ermutigt: „Keine Angst. Du bleibst Minister und zwar sachgrundlos“, dann zwickt das perfekt. Auch wenn es so mancher im Publikum nicht sofort merkt. 

Einen Andreas Scheuer serviert sie gleich direkt ab, mit den Worten: „Jetzt wird der Bundesminister, der gschnapperte Krippe.“ Mama kennt die Sprache ihrer Zuhörer. Endlich. 

Was die vielen Kameras im Raum kaum einfangen können: Luise Kinseher hat es diesmal geschafft, dass ihr jeder an den Lippen hängt. Kein Geschirr-Geklapper. Nix. Wenn sie Horst Seehofer damit konfrontiert, dass die Stromtrasse sein einziges Polit-Vermächtnis sei, dann ist es mucksmäuschenstill im Saal. „Die sieht man dann sogar vom Mond aus!“ Die Watschn ist hart – natürlich lacht der Ministerpräsident herzlich dazu. 

Es ist schlichtweg herrlich, wie sie auch die Frauenfeindlichkeit in der CSU aufs Korn nimmt, anhand dem Beispiel Ilse Aigner: „Man wird in der CSU als Frau nicht belästigt, zumindest nicht mit den höchsten Ämtern. In der CSU gibt es kein ,metoo‘, da heißt es von vorn herein ,younot‘.“ Hätte sich Mama Bavaria etwa eine Ministerpräsidentin gewünscht? Es klingt ganz danach. 

Auch interessant: Nockherberg-Kritik: Brillantes Singspiel endet mit Riesen-Überraschung

Natürlich hat die Predigt auch mal Längen. Wenn Dobrindt als „großkarierter Mautkasperl“ bezeichnet wird, ist das zwar böse, aber eben auch etwas schlicht. Dennoch sind solche Schwächen die Ausnahme. Man spürt in der Rede einfach auch, dass hier mit Co-Autor Thomas Lienenlüke eine weitere spitze Feder mitwerkelte. Der verriet der tz übrigens noch kurz vor Beginn des Nockherbergs: „Die letzte Pointe haben wir vor 45 Minuten eingebaut.“ Ja, man spürte diese Aktualität auch. 

Keine Frage: Es war Luise Kinsehers beste Nockherberg-Rede – in acht Jahren. Die Münchner wollen jetzt die 3. Startbahn, stellt sie zum Ende traurig und nachdenklich fest. „Damit sie wegfliegen können.“ München sei eben längst zu voll. „Nichts ist mehr so wie es einmal war“, wiederholt unsere Mama immer wieder. Es ist ihr roter Faden durch das Programm. Sie weiß natürlich: Am Ende wird sie verkünden, dass sie geht. Um 20.38 Uhr ist es dann soweit. „Es ist Zeit, Abschied zu nehmen“, sagt Luise Kinseher leise. Gemurmel im Saal. „Die hört auf“, flüstert Zuschauer Otti Fischer seiner Freundin zu. Mama Bavaria winkt nochmal kurz ins Publikum. „Danke“, sagt sie. 

Dann passiert es: Das Publikum steht auf, tosender Applaus. Ja, in der letzten Schlacht stand unsere Mama Bavaria ihren Mann… äh, ihre Frau. Und dafür unseren vollen Respekt! Danke. 

„Es war immer unerbittlich“: Luise Kinseher erklärt ihren Abgang vom Nockherberg

Armin Geier

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Durfte sie nicht ins RTL-Dschungelcamp? Jetzt sehen wir Laura Müller in diesem Mega-Format
Durfte sie nicht ins RTL-Dschungelcamp? Jetzt sehen wir Laura Müller in diesem Mega-Format
Der Bachelor stänkert fies gegen Kandidatinnen -  zwei verlassen freiwillig die RTL-Show
Der Bachelor stänkert fies gegen Kandidatinnen -  zwei verlassen freiwillig die RTL-Show
Dschungelcamp 2020: Ex-Kandidaten ziehen über Danni Büchner her: „Macht alles falsch“
Dschungelcamp 2020: Ex-Kandidaten ziehen über Danni Büchner her: „Macht alles falsch“
„Der Bachelor“ 2020: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
„Der Bachelor“ 2020: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?

Kommentare