Ist „Der Fall Holdt“ der Anfang vom Ende?

Maria Furtwänglers 25. „Tatort“-Einsatz: Tragisch und Bögerl-inspiriert

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Ein Geständnis erzwingen will Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) von Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann). Sie ist überzeugt davon, dass Holdt hinter der Entführung seiner Ehefrau steckt. Der bestreitet das unter Tränen.

Selbstbewusst bis arrogant – so kennt man Maria Furtwänglers „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm. In ihrem 25. Einsatz ist alles anders. Es ist ihr tragischster Fall - und er ist inspiriert vom realen Fall Maria Bögerl.

Selbstbewusst bis arrogant – so kennt man Maria Furtwänglers „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm. Ausgerechnet im 25. Fall für die (vermeintlich) kühle Blonde aus dem Norden, zu sehen an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten (Regie: Anne Zohra Berrached), ist alles anders. Auf dem Parkplatz einer Discothek wird Lindholm, die an diesem Abend privat unterwegs ist, von drei Männern zusammengeschlagen. Doch sie meldet sich nicht krank und erstattet auch keine Anzeige. Erheblich verletzt und traumatisiert wird sie am anderen Tag mit dem „Fall Holdt“ konfrontiert.

Die Ehefrau von Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann), Filialleiter einer Bank, wurde entführt, die Eltern des Opfers schalten gegen seinen Willen die Polizei ein. Lindholm ermittelt zusammen mit der jungen, forschen Frauke Schäfer (Susanne Bormann), von der sie zunächst („Ich hab’ das alles schon veranlasst!“) in die Defensive gedrängt wird. Als die Leiche von Julia Holdt gefunden wird, verbeißt sich die altgediente Kommissarin immer mehr in den Verdacht, Holdt selbst habe die Entführung inszeniert, aus Rache, weil seine Frau ihn verlassen wollte. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Autor Jan Braren („Homevideo“) nahm bei seinem Drehbuch deutliche Anleihen am realen Fall Maria Bögerl (siehe unten). Hier wie dort scheiterte die Übergabe des Lösegelds an schlechtem Zeitmanagement, hier wie dort gerieten Familienangehörige in den Verdacht der Tatbeteiligung.

Seit 2002 ermittelt Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in Niedersachsen, mit zumeist überdurchschnittlichen Quoten. Der bisher meistgesehene Fall war zugleich der 1000. „Tatort“. Für den Krimi „Taxi nach Leipzig“, in dem sie mit Axel Milberg alias Klaus Borowski zusammenarbeitete, interessierten sich vor rund einem Jahr 11,46 Millionen Fans. Ist Lindholms schlechte Performance in „Der Fall Holdt“ der Anfang vom Ende? Sie sehne sich nach „mehr Licht in ihren nächsten Folgen“, sagt dazu Furtwängler. Das klingt nicht nach Abschied.

Unübersehbare Parallelen: Wie im Fall Bögerl suchen auch in „Der Fall Holdt“ Polizisten tagelang nach der Entführten.

Der echte Fall: Der Mord an Maria Bögerl

Maria Bögerl, die Frau des Chefs der Kreissparkasse Heidenheim (Baden-Württemberg), wurde am Morgen des 12. Mai 2010 aus dem Wohnhaus der Familie entführt. Der Täter forderte von Ehemann Thomas Bögerl 300.000 Euro Lösegeld. Die Übergabe – durch Thomas Bögerl selbst – scheiterte, weil das Geld nicht rechtzeitig zum vereinbarten Übergabeort gebracht werden konnte. Nach dem Auffinden des Autos von Maria Bögerl zwei Tage später startete die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung. Am 3. Juni 2010 entdeckte ein Spaziergänger die Leiche der Frau.

Am 11. Juni 2011 wurde Thomas Bögerl erhängt im Haus der Familie gefunden. Über ihn hatte es in den Monaten nach der Tat viele Gerüchte gegeben. Die Ehe sei schon lange zerrüttet gewesen, wurde gemunkelt. Auch gegen seinen Sohn und gegen den Lebensgefährten seiner Tochter wurde zeitweise ermittelt. Die Polizei ging davon aus, dass sie wenige Tage vor der Tat mit dem Entführer telefoniert hätten. Später stellte sich heraus, dass der Verdacht auf fehlerhaft gespeicherten Daten in der Telefonanlage der Bögerls beruhte. Die Staatsanwaltschaft stellte klar, dass sich keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung von Familienangehörigen ergeben hätten.

Der oder die Täter im Fall Bögerl sind auch mehr als sieben Jahre nach der Tat noch auf freiem Fuß.

Von Christina Sticht und Rudolf Ogiermann

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