tz-Interview

Matthias Habich: "Die Liebe bleibt auch nach dem Tod"

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Eine Szene aus dem schönen Film „Das Gewinnerlos“: Matthias Habich (vorne rechts) mit Angela Winkler und (hinten): Peter Franke (li.) und Dietrich Mattausch.

München -Er ist schon ein sehr besonderer Typ: Matthias Habich – der großartige Schauspieler (Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck, Klemperer). Der Star, der rote Teppiche und das Rampenlicht meidet wie kaum ein Zweiter.

Der zurückgezogen in Paris und Locarno lebt und Fragen, die ihm zu privat erscheinen, mit einem lauten Lachen quittiert, aus dem eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Empörung spricht. Aber – er tut das auf so charmante Art, dass man sich als Autorin fast schon wieder schämt, eine auch nur ansatzweise private Frage überhaupt gestellt zu haben. Wie dem auch sei – Habich (75) redet über seine Filme. Sein neuestes Werk, Das Gewinnerlos, läuft Freitagabend im Ersten. Erzählt wird die Geschichte von Georg (Habich), der nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau ein eher trauriges Dasein fristet. Das ändert sich, als er erst im Lotto gewinnt und dann die wunderbare, geheimnisvolle Sylva (Angela Winkler) kennen lernt.

Herr Habich, warum hatten Sie Lust auf diesen Film?

Matthias Habich: Ich erkläre das gerne mit einem Bild: In mir wohnt der Schauspieler-Hund. Wenn der ein Drehbuch bekommt, blättert er ein paar Seiten um und merkt dann schnell, ob das Papier ist oder ein Knochen (lacht).

Und „Das Gewinnerlos“ ist ein Knochen?

Matthias Habich: Ja! Da hat der Hund schnell zugeschnappt. Der Film hat eine Heiterkeit, gleichzeitig eine Melancholie und auch eine Komik. Mir gefällt schon die erste Szene, in der Georg, meine Figur, in dem Kleid seiner verstorbenen Frau tanzt.

Georgs Frau ist seit fünf Jahren tot. Er spricht aber immer noch mit ihr, schläft in ihrem Morgenmantel, kann nicht loslassen. Können Sie nachvollziehen, dass jemand so sehr in der Vergangenheit lebt?

Matthias Habich: Ja, natürlich! Das ist doch nicht schwer, oder?

Na ja, es gibt solche und solche Menschen. Manche können besser loslassen als andere …

Matthias Habich: Sie sagen es. Ich persönlich glaube, dass man auch nach dem Tod nicht von der Liebe lässt. Die Liebe bleibt bestehen. In seinem Kopf lebt Georg mit seiner Frau immer noch in dem gemeinsamen Haus, dort lebt sie für ihn weiter. Das ist der Raum seiner Liebe. Ich kann das sehr gut nachempfinden. Ich spreche auch noch mit meiner Mutter, obwohl sie schon gestorben ist. Im Kopf natürlich.

Worüber? 

Matthias Habich: Na, das ist ja wohl sehr privat (lacht laut).

Dann lassen wir das einfach so stehen? 

Matthias Habich: Danke.

Georgs Stimmung verändert sich im Lauf des Films. Er gewinnt neuen Lebensmut und verliebt sich. Ist das die Botschaft – man kann auch mit über 70 noch mal neu anfangen?

Matthias Habich: Ich tue mich schwer damit, wenn Filme eine Botschaft haben sollen. Das war früher vielleicht mal so, als der Lehrer fragte: Und was will uns der Dichter damit sagen? Nein, ich finde, Filme sollen Spaß machen. Dafür sind sie da. Filme sollen und wollen unterhalten – durch Spannung oder durch Komik oder auch durch anrührende Szenen und schöne Bilder.

Die meisten Filme, gerade am Freitagabend, gehen gut aus. Lassen sich die Zuschauer lieber unterhalten, wenn sie ahnen, dass es am Ende eine positive Wendung gibt?

Matthias Habich: Ja, das glaube ich schon. Besonders jetzt, wo man dauernd Schreckensnachrichten hört. Da kann man gut mal einen Abend vor dem Fernseher sitzen und danach ohne eine schwere Last ins Bett gehen. Ich würde am liebsten nur noch Komödien spielen. Aber davon gibt es leider – besonders in Deutschland – nur sehr wenige. Ich habe Lust auf heitere Filme.

Sie klingen auch sehr heiter, von Müdigkeit keine Spur. Das Alter ist nichts, worüber Sie sich Sorgen machen, oder?

Matthias Habich: Ich fühle mich überhaupt nicht alt, damit fängt es schon mal an. Ich fühle mich ungefähr so wie mit 30 oder 35. Ich sehe nicht mehr so aus, aber das sehen ja nur die anderen (lacht). Im Ernst: Ich bin immer überrascht, wenn mir Rollen angeboten werden, wo die Figuren schon in der dritten Szene einen Schlauch in der Nase haben und altersschwach sind.

Die Rollen sagen Sie dann ab.

Matthias Habich: Na ja, immerhin habe ich neulich ­einen Demenzkranken gespielt.

In dem ZDF-Film „Sein gutes Recht“, Ihre Partnerin war Thekla Carola Wied. 

Matthias Habich: Ja, genau. Ich sehe natürlich schon auch, dass das Alter für viele kein Honiglecken ist. Aber in meinem Umfeld kenne ich eigentlich nur Leute in meinem Alter, die Radtouren durch ganz Europa machen und sehr aktiv sind. Und ich habe eben auch das Glück, dass ich noch nicht viel merke. Ich bin fit.

Sie haben in den 70er-Jahren in München gelebt, waren an den Kammerspielen. 

Matthias Habich: Ja, das war eine gute Zeit. Ich war erst kürzlich wieder zu Dreharbeiten in München, wir haben direkt am Viktualienmarkt gewohnt. Das hat sich angefühlt wie nach Hause kommen.

Angeblich sind Sie 1972 aus Schwabing weggezogen, als Reporter in Ihre Wohnung eingedrungen sind. Sie hatten gerade einen Riesenerfolg als Friedrich Freiherr von der Trenck gehabt, und die Presse wollte alles (!) über Sie wissen. 

Matthias Habich: Ach, diese Geschichte vergessen wir doch mal. Sie hat sicher mal gestimmt, aber ich habe sie im Lauf der Jahre vergessen (lacht).

Zum Schluss möchte ich Sie fragen, welche Schauspiel-Kollegen Sie besonders mögen oder vielleicht gar bewundern. Hintergrund ist, dass es viele Schauspieler und vor allem Schauspielerinnen gibt, die nach eigenen Angaben ein bisschen „Schiss“ hatten, mit Ihnen zu drehen – aus der Angst heraus, Ihren Ansprüchen nicht zu genügen. Nach den Dreharbeiten sind dann alle von Ihnen … 

Matthias Habich: Das ist nett, dass Sie mir das erzählen. Aber ich hoffe nicht, dass ich Kollegen einschüchtere (lacht). Ich bin eigentlich sehr umgänglich. Und umgekehrt? Ich kenne keinen Schauspieler, der mir Angst machen würde. Ganz im Gegenteil: Ich bin gerne mit Kollegen zusammen. Wenn ich arbeite, lebe ich intensiver. Das ist eine große Energie, die dann in mich reingeht. Ich denke schärfer, schmecke und fühle intensiver. Ich kann mich beim Drehen viel weiter ausloten als im Alltag. Das ist für mich persönlich etwas ganz Wunderbares. Deswegen liebe ich diesen Beruf.

Stefanie Thyssen

"Das Gewinnerlos", Fr., 01.05., 20.15 Uhr, ARD

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