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TV-Talk: Warum ging Schweiger auf Scheuer los?

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Von: Marc Kniepkamp

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Til Schweiger
Til Schweiger wurde zur ARD-Sendung zugeschaltet. © ARD

München - Der Auftritt von Til Schweiger bei "Menschen bei Maischberger" erhitzt weiterhin die Gemüter. Die tz dokumentiert seine Äußerungen und erklärt, wie die Situation dermaßen eskalieren konnte.

Dieser Auftritt von Til Schweiger lässt niemanden kalt. In der ARD-Sendung Menschen bei Maischberger war der Schauspieler und Produzent zugeschaltet worden – und drückte der Diskussion rund um das Thema Flüchtlinge seinen Stempel auf. Denn Schweiger zeigt, wie die Fronten in dieser Diskussion verlaufen – und wie aufgeheizt die Stimmung mittlerweile ist. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer bekommt dabei den Ärger des Schauspielers zu spüren.

Die tz dokumentiert die Äußerungen Schweigers und erklärt, wie die Situation dermaßen eskalieren konnte.

Was macht Schweiger überhaupt in einem Polit-Talk? 

Der Schauspieler mischt sich immer wieder in aktuelle politische Debatten ein. Zu Maischberger wurde er wegen seines Engagements für Flüchtlinge und seines strikten Eintreten gegen Rechts eingeladen. Schweiger: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man etwas empathisches postet, auf die Fresse kriegt.“ Dabei sei das Thema mehr oder weniger egal: „Wenn du zu Spenden für die Familie von einem gefallenen Soldaten aufrufst, dann kriegst du genauso auf die Fresse von der anderen Seite.“

Wie geraten CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und Til Schweiger aneinander?

Der Streit zwischen den beiden hatte sich früh angebahnt. Schweiger erzählte davon, dass es auch zu persönlichen Drohungen gegen ihn gekommen sei – und dass sich die Angreifer längst nicht mehr hinter Pseudonymen verstecken. Ein Grund laut Schweiger: „Es gibt viele Politiker, die diesen Menschen das Gefühl geben, dass sie Recht haben. Wenn man auf Stimmenfang am rechten Rand geht, dann macht man das salonfähig. Das ist ein Spiel mit dem Feuer.“ Später trifft Schweiger einen wunden Punkt bei Scheuer. „Ich wollte kurz noch was sagen zu dem Politiker“, sagt Schweiger. So mag der CSU-Generalsekretär nicht angesprochen werden. „Mein Name ist Andreas Scheuer“, erwidert er. „Wo ist der Politiker, der sagt Finito, jezt ist schluss. bis hier hin und nicht weiter. Wir sind ne Demokratie, es gibt Meinungsäußerungen, aber das ist verfassungsfeindlich. Fremdenhass und bis zum Mord aufzurufen, zu Brandanschlaägen. Wo ist das Mitglied unserer Regierung, das sich hinstellt und sagt „Dafür werdet ihr bestraft!“

Wieso geht Schweiger dann so auf Scheuer los? 

Als Schweiger vorschlägt, den Soli nicht abzuschaffen, sondern für die Flüchtlingshilfe zu verwenden. „Das Geld ist da. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt“, meint Schweiger. „Das ist doch albern“, findet Scheuer und bringt Schweiger damit absehbar auf die Palme. „Ey, sie gehen mir auf den Sack, echt“, poltert der Schauspieler. Scheuer wittert seine Chance und geht Schweiger frontal an. Mit süffisantem Lächeln fragt er ihn umständlich nach dem Stand seiner Bemühungen um ein Flüchtlingsheim in Osterode (Harz). „Jetzt wäre meine Frage als Zeitungsleser und Verfolger der Medienmeldungen: Wann gehen sie denn mit dem geplanten Flüchtlingsheim in ihrer Verantwortung an den Start? Wann können wir damit rechnen, das wäre ein sehr sehr gutes Signal eines Vorzeigeflüchtlingsheims mitzuhelfen.“

Kann Scheuer damit punkten? 

Nein, die Attacke läuft ins Leere. „Ich find das so geil, ihren süffisanten Blick, weil sie mich jetzt vorführen wollen. Das find ich so geil“, amüsiert sich Schweiger und holt dann über die Pläne seiner Stiftung aus. Zunächst wolle er eine Unterkunft in Osnabrück unterstützen – „ein W-Lan einrichten, eine Fahrradwerkstatt und eine Schreinerei für Holzarbeiten aufbauen und viele Lehrer einstellen, die Sprachunterricht geben.“ Nach Schweigers langer Antwort über die Pläne seiner Stiftung kommt für Scheuer noch der Bummerang in Form einer Nachfrage von Moderatorin Maischberger. Sie will von Scheuer wissen: „Ist das eigentlich seine Aufgabe ein Flüchtlingsheim zu bauen oder ihre?“ Immerhin: Am Ende der Sendung entschuldigt sich Schweiger sogar noch dafür, dass er gesagt hatte, Scheuer ginge ihm „auf den Sack“.

Wie sind die Reaktionen auf das Scharmützel? 

Unterschiedlich. Der Journalist Roland Tichy – ebenfalls Gast in der Sendung – wirft Schweiger vor, bei der nachmittäglichen Aufzeichnung der Sendung nicht mehr ganz nüchtern gewesen zu sein. „Die Aufzeichnung war am Nachmittag. War Til Schweiger schon so früh betrunken?“, twittert er. Ebenfalls über Twitter hagelt es aber auch Zustimmung für Schweiger: „Bin kein Fan von Til Schweiger, aber der Mann meint das mit den Flüchtlingen ernst. Er hat meine moralische Unterstützung“, meint ein Twitter-Nutzer.

Mk

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