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Menschliche Abgründe - Nora Weiss ermittelt

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„Solo für Weiss – Todesengel“
Nora Weiss (Anna Maria Mühe) ermittelt. © Marion von Der Mehden/ZDF/dpa

Seit sechs Jahren ermittelt Anna Maria Mühe als Kommissarin Nora Weiss im ZDF. Dabei folgt sie mit kühlem Kopf, sicherem Gespür und am liebsten allein der Spur der Täter.

Berlin - In einer Lübecker Villa macht es sich ein älterer Mann mit einem Drink gemütlich vor dem Laptop. Auf dem Bildschirm: eine Galerie sehr junger und leicht bekleideter Mädchen.

Bevor er seine Favoritin des Tages wählen kann, macht ein Taser den Psychologieprofessor bewegungsunfähig. Ein Eindringling fesselt ihm Hände und Füße, schleift ihn ins Bad und ertränkt ihn. Die siebte Folge der ZDF-Krimireihe „Solo für Weiss - Todesengel“, die am kommenden Montag (20.15 Uhr) ausgestrahlt wird, lässt Kommissarin Nora Weiss (Anna Maria Mühe) in noch ganz andere menschliche Abgründe blicken.

Am Tatort führt die Fahnderin des Kieler Landeskriminalamts den jungen forschen Kollegen von der Kripo Lübeck, Ben Salawi (Camill Jammal), erstmal vor. „Das war eine gezielte Tat“, befindet sie dann, „präzise und entwürdigend“. Der Abfluss der Badewanne ist mit einem Spielchip blockiert. Für Weiss sieht alles nach einem Ritualmord aus - bis sie auf dem Computer des Ermordeten Hinweise auf Minderjährige findet, die über eine Webseite freizügige Bilder und Videos posten. Er hat mit „Princess J.“ gechattet und Drohmails wegen einer „Jessica“ erhalten.

Als auf die gleiche Weise der Leiter einer Kita getötet wird - gefesselt und ertränkt in der Duschwanne im Waschraum, lässt Weiss den Vater der 16-jährigen Jessica festnehmen. Der gibt zu, dass er vom Treiben seiner Tochter wusste. „Aber ich habe niemanden ermordet.“ Weiss und Salawi sind sich einig: Mord passt nicht zu dem verwitweten Taxifahrer (Tobias Oertel). Zwei Mal schon ist der vermummte Täter ihnen entwischt - am Tatort und am Haus von Weiss.

LKA-Chef Jan Geissler (Peter Jordan), der unglücklich verliebt in Weiss und eifersüchtig auf Salawi ist, beordert sie ins LKA zurück. „Ihr habt den Täter“, sie werde in Lübeck nicht mehr gebraucht. Weiss lässt ihn abblitzen und macht einfach weiter mit Salawi, der auf eine Verbindung der Männer und ein grausiges Geheimnis stößt: sie waren in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche angestellt, das wegen Misshandlung der Insassen in die Schlagzeilen geraten war. Eine 16-Jährige starb beim Fluchtversuch. „Da will einer ihren Tod rächen“, sagt Weiss.

Das inzwischen leerstehende Domizil wirkt noch Jahre später bedrückend und löst eine Panikattacke bei Salawi aus, die stets kontrollierte Weiss beruhigt ihn. Mühe spielt die Pastorentochter distanziert, schroff und unterkühlt. Selbst Schilderungen des Hausmeisters von damals nimmt sie reglos zur Kenntnis, schaltet wie auf Autopilot, während sich die Wahrheit Stück für Stück offenbart.

Der Film von Drehbuchautor Mathias Klaschka und Regisseur Gunnar Fuß hält die Spannung bis zuletzt. Landschaftsaufnahmen der Lübecker Bucht, von der Stadt, der Natur und Dialoge der Ermittler lockern die melancholische Grundstimmung auf. Ein guter Krimi nehme den Zuschauer „mit auf die Reise der Ermittler und versuche, uns ein Bild von der Psychologie der Täter näher zu bringen“, sagte Mühe im ZDF-Interview. „Manchmal so nah, dass man in einen Konflikt gerät, weil es eventuell nachvollziehbar ist.“ dpa

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