Per Knopfdruck in die 50er-Jahre

Münchner Firma verpasst "Ku’Damm 56" den richtigen Look

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Sonja Gerhardt, ­Maria Ehrich und Emilia Schüle (v.li.) spielen drei ­Schwestern im Berlin der 50er-Jahre.

München - Für die authentischen Farben des Familiengemäldes, für die Stimmung in den Wirtschaftswunderjahren im ZDF-Film "Ku’Damm 56" zeichnet eine Münchner Firma verantwortlich.

Der Schutt aus den Straßen ist verschwunden. Pastellfarben präsentiert sich das Berlin der 50er-Jahre, in dem getanzt und der Rock’n’Roll gefeiert wird. Der TV-Dreiteiler Ku’damm 56 greift das Lebensgefühl im Nachkriegsdeutschland auf und trifft damit den Nerv der Zuschauer: 5,57 Millionen schalteten die Auftaktepisode des ZDF-Dramas am Sonntag ein. Der Marktanteil lag bei überzeugenden 15,3 Prozent. Was kaum einer weiß: Für die authentischen Farben des Familiengemäldes, für die Stimmung in den Wirtschaftswunderjahren zeichnet eine Münchner Firma verantwortlich – die D-Facto Motion.

Das Unternehmen ist eine der größten Postproduktions- und VFX-Firmen in Deutschland. Im Jahr 2004 auf dem Gelände der Bavaria Film gegründet, ist sie unter der Geschäftsführung von Waheed Zamani in mittlerweile fünf Städten aktiv. Muss sie auch sein, um in dem hart umkämpften Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn beispielsweise in Berlin gedreht wird, dann sind von Zamanis Team Mitarbeiter am Set, um vor Ort auf den Dreh einzuwirken. „So vermeiden wir unnötige doppelte Arbeitsschritte“, erklärt er.

Bestes Beispiel ist Ku’damm 56. Die Straßenzüge sahen damals naturgemäß noch etwas anders aus als heute. Nun könnte das Filmteam einfach drehen und das Rohmaterial der Postproduktion überlassen. Viel einfacher aber ist es, wenn Regisseur und Kameraleute Zamanis Team schon weit vorher mit in die Planung einbeziehen. „Dann können wir bereits bei der Drehbuchbesprechung sagen, was geht und was nicht.“

Monika Schöllack (Sonja Gerhardt) und Freddy Donath (Trystan Pütter) sprengen den gediegenen Tanzball mit einer Rock'n'Roll-Einlage.

Automodelle aus längst vergangenen Jahrzehnten über die Straßen rollenlassen etwa – kein Problem. Muss aber am Ort vorbereitet werden. So 20- bis 30-Mal lärmt ein VW Käfer über den Kurfürstendamm. Die Kamera filmt das in verschiedenen Einstellungen – und aus diesen Fahrten eines einzigen Autos machen die VFX-Experten am Bildschirm am Ende ein buntes Sammelsurium von verschiedenen Wagen. „Wir schneiden den einen Käfer raus und setzen ihn zu unterschiedlichen Zeiten des Films wieder ein. Verwandeln ihn von einem roten Auto in ein grünes und so weiter“, erklärt Zamani. Damit alles historisch korrekt ist, sichtet das Ausstattungsteam Archivmaterial – Fotos, Postkarten, alles, was zu finden ist, um das ehemalige Stadtbild zu rekonstruieren. Der Regisseur macht sich daraus ein Bild – und die Techniker erwecken die alte Stadt zum Leben. Haus für Haus, Baum für Baum.

Und nun setzt sie ein, die Verzauberung. Wenn Waheed Zamani Vorher-/Nachher-Bilder zeigt, dann ist das schlichtweg faszinierend. Aus einer schnöden Hauptstraße des Jahres 2016, gesäumt von Ein-Euro-Shops und Dönerbuden, wird eine Prachtallee der Goldenen Fünfziger.

Neben den Spezialeffekten braucht’s dazu auch die Postproduktion. Die ist mindestens genauso aufwendig. Denn damit alles wirklich nach vergangenem Jahrhundert ausschaut, legen Zamanis Fachleute einen Braunton über die Bilder. Einen Hausflur konnte man aus drehplantechnischen Gründen nur am Tag filmen? Wieder sind die Münchner gefragt. Sie setzen ihn ins rechte Licht. Aus hell wird dunkel. Die gesamte Nachbearbeitung eines Fernsehfilms kostet die Firma neun bis zwölf Monate. Kinofilme nehmen bis zu zwei Jahre in Anspruch.

Aber ganz ehrlich, Herr Zamani, bei dem, was heute technisch alles möglich ist – glauben Sie überhaupt noch Bewegtbildern, die vor allem im Netz kursieren? „Nein, nur noch Lehrfilmen“, sagt er augenzwinkernd. „Einen Film kann man heute so oft umschneiden, so viele verschiedene Versionen daraus machen, dass er jedes Mal eine komplett andere Bedeutung hat.“ K. Kraft/aki

„Ku’Damm 56“, Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF

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