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Münster-„Tatort: Propheteus“ in der ARD: Boerne verrennt sich

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Von: Katja Kraft

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Auf der Flucht vor dem Verfassungsschutz: Prof. Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner „Tatort: Propheteus“ (Jan Josef Liefers)
Auf der Flucht vor dem Verfassungsschutz: Prof. Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner „Tatort: Propheteus“ (Jan Josef Liefers). © WDR

Der Münsteraner „Tatort“ wird heuer 20 Jahre alt - und feierte dies nun mit dem zweiten Fall 2022. Doch „Propheteus“ geriet etwas zu schräg. Unsere „Tatort“-Kritik.

Ein bisschen zu viel das Jubiläum gefeiert, die Herren? 20 Jahre Münster-„Tatort“, die zweite. Bereits im Januar war das beliebteste Ermittlerduo der Krimi-Reihe mit seinem 40. Fall ins Geburtstagsjahr gestartet. Im „Tatort: Des Teufels langer Atem“ erwachte Hauptkommissar Thiel (Axel Prahl) aus einer durchzechten Nacht – und wusste nicht, wie ihm geschah. Im neuen Film „Propheteus“ nun schien Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) es mit dem Feiern etwas übertrieben zu haben.

Ziemlich derangiert sieht man ihn über den Münsteraner Prinzipalmarkt rennen. In Bowlingschuhen, Freizeithose und Hawaiihemd; Veilchen im Gesicht. Verfolgt von einem schwarzen SUV. Und schon dieser Beginn macht deutlich: Es wird mal wieder schräg in Westfalen. Leider muss man auch als treuer Fan des Teams ganz Münsterländisch sagen: ein bisken zu schräg.

Münsteraner „Tatort: Propheteus“: Mix aus Krimi und Loriot

Als wären die Zwillingsschwestern aus Loriots „Pappa ante Portas“ in einer jüngeren Version ihrer selbst wieder auferstanden, stehen plötzlich zwei karikatureske Mitarbeiterinnen des Verfassungsschutzes in Thiels Büro, um ihn und Boerne zu ihren Ermittlungen in einem Mordfall zu befragen. Frau Muster und Frau Mann. Na dann.

Regisseur Sven Halfar nutzt diese Ausgangssituation für einen Krimi auf zwei Zeitebenen. In Rückblenden erzählt er von der anfänglich „völlig normalen Mordermittlung“ (Thiel). Die wird allerdings immer ungewöhnlicher. Thiel und Boerne tauchen ein in eine skurrile Welt von Schwurblern. Und ausgerechnet der Herr Professor verteidigt deren Idee, dass Außerirdische die Erde beherrschen. Wie sich herausstellt, tut er das zwar nur, um unter den Verschwörungstheoretikern aufgenommen zu werden und verdeckt ermitteln zu können. Doch durch die Weitwinkel-Kamera von Timo Moritz wirkt Boernes Gesicht wie verzerrt und er dadurch entfremdet – verrückt? Bis zum Schluss ist nicht ganz klar, ob der „Mann der Wissenschaft“ auf Pseudowissenschaften hereingefallen ist. Aber wie schon im ersten Jubiläumsfall, in dem Thiel verdächtig wirkte, stellt sich Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) nun schützend vor Boerne. Und die Zuschauer gleich mit. Wir kennen ja unsere Pappenheimer – und wissen, dass sie immer nur das Gute wollen.

Das Münsteraner „Tatort“-Team mit (v. li.) Schrader (Björn Meyer), „Vaddern“ (Claus D. Clausnitzer), Klemm (Mechthild Großmann), Boerne (Jan Josef Liefers), Haller (ChrisTine Urspruch) und Thiel (Axel Prahl).
Das Münsteraner „Tatort“-Team mit (v. li.) Schrader (Björn Meyer), „Vaddern“ (Claus D. Clausnitzer), Klemm (Mechthild Großmann), Boerne (Jan Josef Liefers), Haller (ChrisTine Urspruch) und Thiel (Axel Prahl). © WDR

Wieder lebt dieser „Tatort“ aus Münster also von dem Vorschuss-Vertrauen, das Fans in Kommissar und Gerichtsmediziner haben. Leider geraten durch den Auftritt der Verfassungsschützerinnen die so geliebten anderen Figuren von Alberich (ChrisTine Urspruch) bis Schrader (Björn Meyer) in den Hintergrund. Das ist schade. Denn das (manchmal gar zu) Schräge geht ja deshalb in Ordnung, weil man die Figuren mag. Auch dann, wenn sie in ihrem ganz eigenen Kosmos abgetaucht zu sein scheinen. „Es ist durchaus möglich, dass wir alle hier nur in einer Simulation leben“, meint Boerne treffend. Eine, die auch nach 20 Jahren nicht langweilig wird.

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