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„Ar***loch“: Das war der größte Nockherberg-Skandal

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Von: Franz Rohleder, Johannes Löhr

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Walter Sedlmayr derbleckte als Fastenprediger einen Politiker so arg, dass er übel beleidigt wurde.
Walter Sedlmayr derbleckte als Fastenprediger einen Politiker so arg, dass er übel beleidigt wurde. © picture alliance / dpa / Frank Mächler

Ob Maxi Schafroth das auf dem Nockherberg 2019 auch schafft? Walter Sedlmayr derbleckte als Fastenprediger einen Politiker so arg, dass er übel beleidigt wurde.

München - Wie macht sich Maxi Schafroth als Fastenprediger auf dem Nockherberg 2019? Gespannt warten die TV-Zuschauer auf den ersten Auftritt des 34-jährigen Allgäuers beim Starkbieranstich (live im BR und im Live-Stream). Trifft er beim Derblecken der Politprominenz den einen oder anderen Nerv? 

Wie man sich als Fastenprediger richtig unbeliebt macht, bewies einer von Schafroths Vorgängern, der für viele Nockherberg-Fans noch immer der Beste von allen war: Volksschauspieler Walter Sedlmayr, der von 1982 bis 1990 die Rede zu Beginn des Starkbieranstichs vortrug.

Gleich bei seinem ersten Auftritt sorgte Sedlmayr für einen Eklat, der sich in dieser Form bislang nicht mehr wiederholte: Sedlmayr betitelte damals den bayerischen SPD-Chef Helmut Rothemund immerzu als „Herr Dings“. Das brachte den Roten so in Rage, dass er Sedlmayr ein „Arschloch“ nannte.

Der Clou bei dem Witz: Sedlmayr nannte Rothemund nicht ein einziges Mal beim Namen. „Sie müssen halt nur a bisserl bekannter werden, unsere bayerischen Sozialdemokraten“, befand der Redner damals und setzte hinterher: „Am bekanntesten ist ja noch der Ding... der, der, der... Na, der immer so beleidigt ist, so traurig ist, wenn der Strauß ned in Landtag kommt. Der Ding,... der, der... Ein anderes Wort für Verbalsozi. Wie hoaßt er denn, der... der...“

Die TV-Bilder zeigten Rothemund, der - Zigarette in der Hand - gequält lächelte und seine Wut im Starkbier ersoff. Aus seinem Umfeld war hernach zu erfahren, dass er Sedlmayr ein „Arschloch“ nannte.

Video: Walter Sedlmayr sorgt für den größten Nockherberg-Skandal

Wie der legendäre Nockherberg-Redenschreiber Hannes Burger sich in der tz erinnert, bescherte dieser Eklat dem Starkbieranstich eine Riesen-Aufmerksamkeit: „Bis 1982 hat nur der Rundfunk die Salvatorprobe übertragen. Trotz Protesten der SPD im Rundfunkrat brachte ab 1983 das Bayerische Fernsehen Zusammenschnitte – dann 20 Jahre mit den höchsten Einschaltquoten des Jahres.“

Wie Burger berichtet, revanchierte er sich im Jahr nach dem Eklat auf seine ganz eigene Weise bei SPD-Mann Rothemund: „Im Herbst war Landtagswahl und bei der Probe 1983 schrieb ich für Sedlmayr die Retourkutsche: Rothemunds Behauptung stimme also doch, dass 70 Prozent der Bayern ihn kennen, denn die anderen 30 Prozent hätten ihn ja gewählt.“

Laut Hannes Burger reagierten die Sozialdemokraten des Öfteren pikiert auf die Bosheiten beim Derblecken: „Die schwierigste Kundschaft war stets die SPD. Als Faustregel galt: Die Roten beschweren sich immer vor dem nächsten Mikrofon und weinen sich aus, die Schwarzen gehen still nach Haus, reden ein halbes Jahr nicht mit mir und schnappen dann irgendwann wieder aus.“

Und die CSU-Politiker? Burger erzählt der tz: „Das dankbarste Derbleck-Opfer war Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Da er von allen gefürchtet wurde, ließen schon forsch vorgetragene, harmlose Spitzen viele Gäste im Saal vor so viel mangelnder Devotion erschaudern. In Wirklichkeit waren die Pfeile knapp an Strauß vorbei auf seine Oberministranten Tandler und Stoiber gezielt. Edmund Stoiber wurde in allen Posten seiner Karriere immer am schärfsten angegriffen, hat sich aber nie beschwert, weil er im Gegensatz zur SPD weiß, dass ihn das populär macht.“

Der Starkbier-Gau: Triumphator-Anstich abgesagt - Kabarettist Springer enttäuscht

Nockherberg: Das waren die großen Derblecker

Böse Pointen, listige Hinweise, süffige Seitenhiebe – das ist es, was die Festredner auf dem Nockherberg auszeichnet. Launige Ansprachen gab es zur Eröffnung der Starkbiersaison bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Die Reihe der Redner ist also lang. Hier einige davon:

Video: Sedlmayrs legendäre Nockherberg-Begrüßung

Nockherberg 2019: Das waren die bisherigen Fastenprediger(innen)

JahrFestrednerBesonderheit
1891 - 1922Jakob GeisErfinder des Derbleckens
1922 - 1932Weiß FerdlDer legendäre bayerische Volkssänger (\"Ein Wagen von der Linie 8\") und Schauspieler war der zweite Festredner auf dem Nockherberg.
1951 - 1952Adolf Gondrell
1953 und 1974Roider JacklDer große bayerische Volkssänger derbleckte fast 20 Jahre lang auf dem Nockherberg die Politiker mit seinen Salvator-Reden und seinen Gstanzln.
1975 - 19781Emil VierlingerOrganisierte nach dem Zweiten Weltkrieg die Übertragung des Derbleckens auf dem Nockherberg im Radio.
1979Michl Lang
1980Ernst Maria Lang
1981Franz SchönhuberEigentlich hätte Franz Schönhuber 1981 die Fastenpredigt auf dem Nockherberg halten sollen. Allerdings veröffentlichte er kurz zuvor seine Autobiografie \"Ich war dabei\" (über die NS-Zeit), die ihn seinen Job beim BR kostete. Er war später Parteivorsitzender der Rechtsaußen-Partei „Die Republikaner“.
1981Klaus Havenstein
1982 - 1990Walter SedlmayrWalter Sedlmayer wurde im Juli 1990 ermordet. Andernfalls hätte er wohl noch ein paar Jahre den Bruder Barnabas auf dem Nockherberg gegeben.
1991---Das Politspektakel auf dem Nockherberg wurde wegen der Irakkrise abgesagt.
1992 - 1996Max GrießerNach dem gewaltsamen Tod von Walter Sedlmayr folgte ihm Schauspieler-Kollege Max Grießer (beide waren in Polizeiinspektion 1 zu sehen) als Festredner Bruder Barnabas auf dem Nockherberg nach.
1997 - 1998Erich Hallhuber
1999 - 2003Gerd Fischer
2004 - 2006Bruno Jonas
2007Django AsülErster Festredner seit 1992, der nicht als Bruder Barnabas auftrat.
2008 - 2010Michael LerchenbergMichael Lerchenberg schied nach einem Eklat 2010 aus dem Nockherberg aus. Seine Fastenpredigt war vom BR zensiert worden.
2011 - 2018Luise KinseherDie erste Frau unter den Festrednern: Mit dem Nockherberg, wo Luise Kinseher beim Starkbieranstich 2011 erstmals als Mama Bavaria ans Redenerpult trat, hatte Kinseher den Gipfel des politischen Kabaretts erklommen. 2018 kündigte sie unerwartet ihren Rückzug an. Aber die Rolle der Mama Bavaria war der Niederbayerin so sehr ans Herz gewachsen, dass sie die Figur in ihr aktuelles Bühnenprogramm integriert hat. Seit Februar hat sie eine eigene Sendung im BR.
2019 - ?Maxi SchafrothMit seinen 34 Jahren ist der Allgäuer Kabarettist Maxi Schafroth der jüngste Fastenprediger auf dem Nockherberg.

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Auch in diesem Jahr findet am Nockherberg wieder das „Politiker-Derblecken“ statt. Dabei mimen zwei Debütanten das SPD-Parteispitzenduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans.

Aufgrund des Coronavirus entfällt das Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg. Das hat die Brauerei am Freitag verkündet.

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