TV-Produzent über die Zukunft des TV

Oliver Berben: "Das deutsche Fernsehen ist so gut wie nie"

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Erfolgsproduzent Oliver Berben (44).

München - Im Interview mit der tz erzählt der Münchner TV-Produzent Oliver Berben von seinem neuesten Projekt mit dem schönen Titel "Bier ­Royal", und erklärt, warum er auch in Zukunft an das Fernsehen glaubt.

Heute ist ein wunderbarer Tag“, sagt Oliver Berben zur Begrüßung und strahlt übers ganze Gesicht. Der 44-Jährige hat gerade die Besucherzahlen für die von ihm produzierte Hitler-Satire Er ist wieder da bekommen. „Wir haben in der ersten Woche über 500.000 Zuschauer in den Kinos, das ist ein wahnsinnig tolles Ergebnis.“ So leidenschaftlich, wie sich Berben über die Kino­erfolge aus dem Hause Cons­tantin freuen kann, wo er Geschäftsführer der Produktion ist, so leidenschaftlich produziert er auch seine Fernsehfilme (Das Adlon, Der Wagner-Clan, Die Hebamme).

Herr Berben, bei „Bier Royal“ handelt sich um eine Miniserie, die die Geschichte einer sehr erfolgreichen, aber total zerstrittenen Brauereifamilie erzählen soll. Dass man als Münchner sofort an „Kir Royal“ denkt, ist gewollt, oder?

Oliver Berben:  Ich würde nie behaupten, dass Bier Royal in die Richtung von Kir Royal geht – dafür habe ich viel zu große Hochachtung vor Helmut Dietl und all dem, was er geleistet hat. Ich bin aber davon überzeugt, dass gesellschaftskritische Geschichten, wie er sie einst gedreht hat, im heutigen TV fehlen. Vor allem bei Mehrteilern und Miniserien.

Derzeit gibt es vor allem Krimis und Historisches.

Berben: In den Bereichen sind wir auch sehr gut. Beides hat eine große Akzeptanz bei den Zuschauern. Aber wir sollten uns neben den Kriminalgeschichten auch wieder mehr mit Themen wie Familie, zwischenmenschliche Beziehungen oder gesellschaftlichen Aspekten auseinandersetzen. Wir sollten mehr erzählen, was uns jeden Tag bewegt.

Und in diese Richtung soll „Bier Royal“ gehen?

Berben: Die Bühne ist die Geschichte einer Brauereifamilie, in der nach dem Tod des Patriarchen die Messer gewetzt werden und ein gnadenloser Kampf um die Herrschaft über das Familienunternehmen entbrennt. Im Eigentlichen geht es um Konflikte, um Traditionen, aber auch um die Frage, wie gehe ich als Mensch mit anderen Menschen und mit dem Thema Globalisierung um.

Klingt ein bisschen nach den „Guldenburgs“ der heutigen Zeit.

Berben: Durchaus. Die Guldenburgs haben gerade ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Das war genau die Form von Dramaserie, die ich meine. Die Zuschauer haben sie inhaliert. Wichtig ist mir, dass wir die Geschichten mit einem Augenzwinkern und einer Prise Ironie erzählen. Es soll nicht bierernst zugehen. Als Drehbuchautorin konnten wir Carolin Otto gewinnen, eine der Autoren von Franz Xaver Bogners München 7. Ich bin ein großer Fan der Serie.

Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Berben: Gerade werden die Drehbücher geschrieben. Im kommenden Jahr soll produziert werden.

Wissen Sie schon, wer die Hauptrollen spielt?

Berben: Wir haben bei manchen Figuren gewisse Schauspieler im Kopf. Aber es ist so: Wenn man zu früh Namen nennt und dann werden es die Betreffenden doch nicht, sind sie traurig. Und wenn man sie nennt und sie können nicht, sind wir traurig. Also sage ich lieber nichts (lacht). Im Frühjahr beginnt das Casting.

Der neue Trend ist ja, dass Miniserien wie „Weissensee“ oder „Blochin“ quasi am Stück gesendet werden, an mehreren Tagen hintereinander. Wäre das wünschenswert auch für „Bier Royal“?

Berben: So wird es entwickelt. Als großes Programm für alle Generationen. Eventuell zum Jahresauftakt, auf jeden Fall als Eventprogrammierung.

Warum? 

Berben: Je „eventisierter“ ein Programm ist, desto leichter werden Sie die Zuschauer dazu bekommen zu sagen: „Das schau ich mir an.“ Wir haben die Event-Programmierung zum Jahresauftakt ja vor über zehn Jahren selbst mit begründet. Damals lief Die Patriarchin als Mehrteiler im ZDF. Afrika, mon amour, Krupp, Adlon und viele weitere folgten. Das Interessante ist, dass die Eventprogramme von ARD und ZDF die Möglichkeit bieten, sowohl die jüngere Zielgruppe anzusprechen als auch ältere Generationen. Genau das wollen wir mit so einem Programm erreichen.

Glauben Sie, dass es das ganz normale Fernsehen in zehn Jahren noch geben wird? Oder geht alles den Weg zuerst über die Mediatheken, laufen Serien bei Diensten wie Netflix?

Berben: Die Konkurrenz des Internets ist natürlich groß. Aber das lineare Fernsehen wird weiter bestehen. Es ist additiv zu betrachten, nicht als Ersatz.

Was macht Sie so sicher?

Berben: Auch in Zukunft werden die Menschen – in den meisten Fällen jedenfalls – tagsüber zur Arbeit gehen und abends zu Hause sein und dann unter anderem fernsehen. Wo und mit welcher Technik sie das machen, ist erst mal zweitrangig. Es geht um die Inhalte. Wer die hat, ist der König. Die Menschen erleben gerne auch gemeinsam ein Programm, und am nächsten Tag im Büro oder in der S-Bahn sprechen sie darüber. Und natürlich gibt es auch genug Menschen, junge wie ältere, die sich Sendungen in den Mediatheken anschauen, zeitlich unabhängig. Unsere Reihe Schuld konnte man bereits vor der Ausstrahlung im Fernsehen online anschauen. Das wird auch in Zukunft mehr passieren. Aber dass der eine Verbreitungsweg den anderen komplett verdrängt, das glaube ich auf keinen Fall.

Die Serie „Deutschland 83“ von Ihrem Kollegen Nico Hofmann oder auch Ihre eigene Produktion „Shadow­hunters“ haben zuerst in den USA Premiere gefeiert, ehe sie hierzulande laufen werden. Das deutsche Fernsehen ist offenbar international gefragt. 

Berben: Ich komme gerade von der Fernsehmesse in Cannes. Das Interesse des Auslands an deutschen Produktionen ist im Moment wahnsinnig hoch. Das Lokale, Nationale ist sogar – anders als noch vor ein paar Jahren – ein echter Verkaufsfaktor geworden.

Woran liegt das?

Berben:b Zunächst sicher an der Qualität. Das deutsche Fernsehen ist im Moment so gut wie noch nie. Wir sind das Volk der Dichter und Denker und können großartige Geschichten schreiben. Aber es geht auch um die Inhalte. Wichtig scheint mir, dass die Geschichten einerseits überall spielen können, aber letztlich lokal angesiedelt sind. In dem Moment, in dem wir eine Serie wie Bier Royal zum Beispiel in Bayern drehen, erfährt der Zuschauer ganz viel von dem Land, von der Region. Die Deutschen erkennen sich wieder – und für das Ausland ist es auch sehr attrak­tiv.

Int.: Stefanie Thyssen

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