"Peggy ist ein Justizskandal"

Seit elf Jahren verschwunden: Peggy

München - Friedrich Ani hat das Drehbuch für den TV-Krimi "Das unsichtbare Mädchen" geschrieben. Für ihn ist der Vermisstenfall Peggy einer der größten Justizskandale der jüngeren Zeit.

Update vom 13. Oktober 2016: An den sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Es ist einer der mysteriösesten Kriminalfälle Deutschlands: Vor elf Jahren verschwindet die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Susanne Knobloch, die Mutter von Peggy, glaubt nicht mehr daran, dass ihre Tochter noch lebt, sagte sie bei stern TV am Mittwochabend. „Sie fehlt einfach, ich kann das nicht in Worte fassen, das ist ein Gefühl, das kann man nicht ausdrücken“, erzählt die Mutter im Gespräch mit stern TV-Moderator Steffen Hallaschka.

Glänzend spielt Elmar Wepper (r.) den pensionierten Polizisten Altendorf; Kollege Tanner zeigt er sein Privatarchiv

Am Freitag zeigt Arte den Krimi Das unsichtbare Mädchen, der im Herbst im ZDF ausgestrahlt werden soll (Sendetermin steht noch nicht fest). Der Fall Peggy ließ den preisgekrönten Münchner Autor Friedrich Ani nie los, sagte er im tz-Interview vergangen Jahres. Ani hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ina Jung das Drehbuch für den Film geliefert; Regie übernahm Dominik Graf. Für Ani ist der Vermisstenfall Peggy einer der größten Justizskandale der jüngeren Zeit. Kann jemand als Mörder verurteilt werden, obwohl es keine Leiche gibt? Wenn nicht einmal feststeht, ob das Kind wirklich ermordet wurde? „Nicht mal Peggys Vater ist davon überzeugt, dass Ulvi das Kind umgebracht hat“, weiß Ani.

Das Grundthema des TV-Thrillers ist der Fall Peggy, aber er bildet ihn nicht eins zu eins ab, sondern bereitet ihn mit dem Abstand der Fiktion auf.

Das vermisste Kind heißt Sina im Film und die Handlung spielt an der bayerisch-tschechischen Grenze. Es gibt den verurteilten Mörder Ecco, ein behinderter Mann, an dessen Schuld aber nicht alle glauben. Wie im echten Leben: Der geistig behinderte Ulvi K. soll Peggy getötet haben, er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch es gibt Zweifel an der Verurteilung.

Im Film gibt selbst der pensionierte Hauptkommissar Altendorf (glänzend von Elmar Wepper gespielt), zu: Er habe es in seiner jahrzehntelangen Dienstzeit bei der Kripo niemals für möglich gehalten, dass ein geistig behinderter Mann wegen Mordes verurteilt werden könnte, obwohl weder die Leiche noch eindeutige Blut- und DNA-Spuren gefunden werden konnten.

Das unsichtbare Mädchen wird mit großer Härte erzählt: Polizisten prügeln sich, moralisch Schuldige werden in Selbstjustiz hingerichtet und das Thema Kindersex wird schonungslos dargestellt. Doch der Film ist nicht nur durch seinen Stoff so fesselnd, er lebt auch von seiner brillanten Besetzung: Ulrich Noethen, der im breitesten Fränkisch den machtbesessenen Leiter der Mordkommission abgibt. Und Silke Bodenbender als Sinas Mutter, einer am Leben zerbrochenen Frau, bemitleidenswert und unberechenbar, überzeugt mit jeder Geste.

Der Fernsehfilmfonds Bayern (FFF) lehnte eine Förderung des neuen Dominik-Graf-Krimis ab, obwohl er in Bayern spielt. Wie klug vom ZDF und Arte, diesen hervorragenden Film zu unterstützen.

Tina Layes

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