TV-Film über Geburtshelfer

Der Pionier im Kreißsaal - Eine männliche Hebamme erzählt

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„Hebammerich“ wird Konstantin Wroblewski von seinen Kumpeln liebevoll genannt. Er ist einer von sechs Entbindungshelfern in Deutschland.

Männer in Frauenberufen sind auf dem Vormarsch. Anlässlich des ARD-Zweiteilers „Toni, männlich, Hebamme“ haben wir uns auf die Suche nach männlichen Hebammen im wahren Leben begeben und dabei Konstantin Wroblewski aus Ansbach getroffen. 

Über seine eigene Geburt weiß Konstantin Wroblewski nur wenig. „Den Tag, den Ort, die Uhrzeit – über mehr hat meine Mutter eigentlich nie gesprochen, ­also scheint es nicht so schlimm gewesen zu sein“, lacht der 22-Jährige, der gerade ­dabei ist, eine Frauen­domäne zu erobern. Wroblewski lernt bereits im zweiten Ausbildungsjahr den Beruf der Hebamme oder wie es bei Männern heißt: Entbindungspfleger. Er ist einer von sechs ­Pionieren in Deutschland und damit ein echter Exot im Kreißsaal. „Die meisten Paare denken zunächst, dass ich ­Assistenzarzt bin und sind dann erstaunt, wenn sie hören, dass ich Entbindungspfleger werde.“

Jede Geburt so schön, als „wäre ich selbst Papa geworden“

Ein Praktikum bei der Hebamme, die seine Mutter vor und nach Konstantins Geburt versorgte, brachte den Stein 2017 ins Rollen. „Ich fand es faszinierend zu erleben, mit welcher Begeisterung sie auch nach so vielen Jahren noch diesen Beruf ausübt.“ Eine Faszination, die Konstantin mittlerweile gut nachvollziehen kann. Geburten seien einfach „unfassbar schön“. Besonders gern erinnert er sich daran, wie er Zwillingen auf die Welt helfen durfte. „Das war schon eine tolle Sache. Ich war die ganze Zeit voll dabei, konzen­triert und immer bemüht, mich in die Frau und ihren Partner hineinzuversetzen. Am Ende hab ich mich dann so gefreut, als wäre ich selbst gerade ­Papa geworden“, sagt ­Konstantin. 

Katholische Krankenhäuser hielten seinen Berufswunsch für Schwachsinn

Vorurteile erlebte „der Hebammerich“, wie ihn seine Mitschülerinnen manchmal scherzhaft und durchaus liebevoll nennen, eher in katholischen Krankenhäusern als bei den 500 Schwangeren, die er bisher betreuen durfte. „Als ich mich für die Ausbildung beworben habe, wurde ich zwar in katholische Kliniken eingeladen. Sie haben mir aber ganz deutlich gesagt, dass sie meine Idee für Schwachsinn halten.“ Rückenwind gab’s dafür von den Kumpels, mit ­denen Konstantin in Sachsen-Anhalt die Schulbank gedrückt hat. „Die fanden das cool. Die meisten meiner Freunde haben keine typischen Männerberufe ergriffen.“ 

Ausbildungsplätze an den 62 deutschen Hebammenschulen sind begehrt

Die Schule ­habe sie alle sehr fürs Soziale geprägt. Einen ­Ausbildungsplatz fand Konstantin schließlich im bayerischen Ansbach. Kein leichtes Unterfangen – schließlich ist Hebamme einer der wenigen Berufe in Deutschland, in denen man um einen Platz kämpfen muss. „Egal ob man männlich oder weiblich ist.“ Von den vielen Absagen ließ sich Konstantin aber nicht unterkriegen. Zum Glück, denn er macht ­seinen Job als Entbindungshelfer gut, wie seine Ausbilderinnen bestätigen. „Wer weiß, vielleicht sorgt ja die neue Fernsehserie dafür, dass sich mehr Männer für diesen Beruf interessieren“, sagt er. „Für mich ist er jedenfalls der schönste, den man sich vorstellen kann.“

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Der ARD-Zweiteiler zum Thema mit Wolke Hegenbarth und Leo-Reisinger

Frauen in Männerberufen sind auf dem Vormarsch, heißt es immer. Aber wie sieht es andersrum aus? Die neue ARD-Reihe Toni, männlich, Hebamme erzählt genau davon. Von einem männlichen Geburtshelfer genauer gesagt. Es sind durchaus dramatische Geschehnisse, die in den Filmen – zwei sind bislang abgedreht – verhandelt werden. Das allerdings auf leichte, vergnügliche Art, was nicht zuletzt daran liegt, dass wunderbar Bairisch gesprochen wird. 

Frauenärztin Luise (Wolke Hegenbarth) und Entbindungspfleger Toni (Leo Reisinger) in dem ARD-Zweiteiler "Toni, männlich, Hebamme"

Angesiedelt ist die Geschichte mitten in München. Toni, so der Name der Titelfigur, wird gespielt von Leo Reisinger. Wolke Hegenbarth ist als Gynäkologin zu sehen, in deren Praxis Toni anheuert. Das Pikante: Während eines alkoholseligen Maskenballes h­atten sie und er ein Techtelmechtel. Der erfahrene Zuschauer weiß: Da steckt Musik drin... Aus Anlass des Films sprachen wir mit einem echten Geburtshelfer. 

„Toni, männlich, Hebamme“, Freitag, 08.02.2019, 20.15 Uhr, ARD

Astrid Kistner

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