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Das sagen Macher und Polizisten

Furioser Polizeiruf 110: Die schwierige ­Suche nach der Wahrheit

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Wo liegt die Leiche? Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt, li.) und Baumann (Karl Markovics).

München - Millionen Zuschauer sahen am Sonntag Abend den Polizeiruf 110. Ein fesselnder, brillanter BR-Krimi mit Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels, der den absoluten Ermittler-Albtraum erlebt:

90 Filmminuten steht die Frage im Raum, ob er vor zehn Jahren einen Unschuldigen hinter Gitter gebracht hat – wegen Mordes an einer jungen Frau, deren Leiche man nie fand. Hundertprozentig beantwortet wird diese Frage bis zum Schluss nicht. Der seinerzeit Verurteilte hat sich im Gefängnis erhängt. Aber ist dieser verschrobene, verzweifelte Jens Baumann, der sagt, er habe den Mord begangen, tatsächlich der wahre Täter? Oder hat er sich die Tat am Ende „nur“ eingebildet? Alles scheint möglich. Der Film endet damit, dass von Meuffels anfängt, nach der Leiche zu graben. Ob er sie findet, sieht man nicht … Wir sprachen mit dem Regisseur, mit Hauptdarsteller Matthias Brandt und mit Fachleuten der Polizei über diesen besonderen Film – und die schwierige Suche nach der Wahrheit.

„Jeder Zuschauer kann die Schlussszene für sich deuten“, sagt Regisseur Marco Kreuzpaintner. „Ich persönlich bin mir sicher, dass von Meuffels die Leiche findet und Baumann der Täter ist.“ Den von Karl Markovics grandios gespielten Selbstbezichtiger am Ende als „Spinner“ zu entlarven, wäre für Kreuzpaintner ein „Twist“, eine Wendung, zu viel gewesen.

Dabei gibt es das gar nicht so selten, dass Menschen sich einer Tat bezichtigen, die sie gar nicht begangen haben, wie Dr. Hans-Peter Schmalz, der Leiter des psychologischen Dienstes der Polizei Bayern, erklärt. Beziffern könne man das nicht. Aber: „Es kann passieren, dass einzelne Personen Probleme haben, fantasierte Situationen von der Realität zu unterscheiden“, so Schmalz. Die Ursachen seien unter anderen psychische Erkrankungen wie Wahnvorstellungen, Drogen oder Alkohol. Das wohl bekannteste Beispiel für ein falsches Geständnis ist der „Fall Peggy“. Ulvi K. hatte den Mord an dem Mädchen nicht nur zugegeben, sondern seine angebliche Tat detailliert geschildert. Zehn Jahre danach wurde das Verfahren neu aufgerollt – und endete mit einem Freispruch.

Eine amerikanische Psychologin hat im Rahmen eines Forschungsprojekts unlängst herausgefunden, dass sich 21 (!) von 30 Menschen – bei entsprechend manipulativer Befragung – Taten einreden lassen, die nie stattgefunden haben. „Eine beunruhigende Nachricht für das Rechtswesen“, schreibt der Spiegel, der über das US-Experiment berichtete. Denn: Wie leicht könnten Polizisten Verdächtigen Geständnisse „einreden“, um einen Fall schnell zu den Akten zu legen?!

Prof. Max Hermanutz ist Psychologe an der Polizei-Hochschule Baden-Württemberg und bildet Polizisten fürs Vernehmen aus. „Es kommt tatsächlich vor, dass eine Aussageperson durch suggestive Fragen des Beamten dem Irrtum unterliegt, sie habe eine Tat begangen“, sagt er. Früher sei das häufiger der Fall gewesen, da habe man, gerade in Bayern, durchaus mit Angst, Druck oder sogenannten Köderfragen gearbeitet. „Das gehört aber der Vergangenheit an“, so Hermanutz. Heute sei gesetzlich geregelt, dass die „Aussageperson“ zunächst einen freien Bericht abgebe. „Man muss sie erst mal ohne Unterbrechung reden lassen“, erklärt Hermanutz. Und keine Fragen stellen, die die Person in eine bestimmte Richtung lenken würden. Allerdings, gibt Hermanutz zu bedenken, seien manche Polizisten schlicht nicht gut trainiert fürs Vernehmen, auch weil die Zeit für entsprechende Fortbildungen fehle. Insgesamt habe sich die Situation im Vergleich zu früher aber stark verbessert.

Im Münchner Polizeiruf von gestern Abend bleibt „ein Stück Restverunsicherung“ über die Frage nach dem Täter, so beschreibt es Regisseur Kreuzpaintner. Was im echten Leben tragisch wäre, ist im Film furios. „Für mich“, sagt auch Matthias Brandt, „war es der exakt richtige Moment, mit dem Film aufzuhören.“ Wird dieser Fall die Figur von Meuffels verändern? Nein, so der Schauspieler. „Wir haben uns entschieden, eine Reihe zu erzählen, in der nicht ein Fall auf dem anderen basiert.“ Man könne die Figur ja nun nicht „schuldgequält für den Rest der Zeit unterm Teppich langkriechen“ lassen. Brandt: „Man weiß nach diesem Fall noch mehr über das Potenzial der Figur, um ihre Abgründe. Das ist, finde ich, das Interessante.“

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