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„Riesending“-Film: Bergwacht „in falsches Licht gerückt“

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"Riesending"
Bernd Hellersdorf (Christoph Bach) verabschiedet sich vom verletzten Josef Häberle (Roland Silbernagl) in einer Szene des Films "Riesending - Jede Stunde zählt". © Nikola Predovic/Senator Film Produktion/BR/ARD/Degeto/dpa

In Deutschlands tiefster Höhle verunglückt ein Forscher. Hunderte Helfer können ihn befreien. Im TV-Zweiteiler „Riesending“ wird die Geschichte nun verfilmt - doch er zeichnet ein schlechtes Bild der Bergwacht.

Bad Tölz - Der TV-Zweiteiler „Riesending - jede Stunde zählt“ über die Höhlenrettung von 2014 bei Berchtesgaden stößt bei Rettungskräften auf erhebliche Kritik. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) meldete sich heute zu Wort. In dem Spielfilm würden entscheidende Aspekte ausgeblendet.

Das im Film nicht so positiv dargestellte Bild der Bergwacht entspreche nicht der Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, wie es tagtäglich in der Bergrettung erlebbar sei, sagte Herrmann. Fiktion und Wirklichkeit gingen in dem vorgestern in der ARD ausgestrahlten Film an vielen Stellen deutlich auseinander.

Weiter sagte der Minister: „Der Film ist keine Dokumentation, sondern vielmehr ein am realen Geschehen angelehntes modernes Märchen. Das ist völlig zulässig, es wird aber an manchen Stellen der Eindruck erweckt, als habe der Film auch einen dokumentarischen Charakter. Insbesondere, was die Rolle der Bergwacht betrifft, weicht der Film deutlich vom tatsächlichen Geschehen ab.“

Klaus Burger, Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau und damals mit in der Einsatzleitung, sagte, wie viele Rückmeldungen zeigten, entstehe der Eindruck, dass es sich um eine Dokumentation handle. Die Darstellung spiegle nicht Rettungswillen und Kompetenz der Bergretter wider. „Die Bergwacht wird insofern in ein falsches Licht gerückt, was unsere hochmotivierten ehrenamtlichen Frauen und Männer nicht verdient haben.“

In der Riesendinghöhle bei Berchtesgaden hatte an Pfingsten 2014 ein Steinschlag einen Forscher schwer verletzt. In einem spektakulären Einsatz mit mehr als 800 Helfern - Höhlenkletterer aus fünf Ländern und Mitglieder von Hilfsorganisationen, Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr - gelang die Rettung.

Der Film produziert eine Schwarz-Weiß-Welt

In dem am Mittwoch in der ARD ausgestrahlten Spielfilm wird etwa der Einsatzleiter der Bergwacht als zaudernd, ratlos und überfordert dargestellt. Mehr als die Sache scheint ihn das gute Image der Bergwacht zu interessieren.

„In keiner Weise“ nehme der Film die Wirklichkeit auf, sagt Thomas Küblbeck von der Bergwacht Marktschellenberg, ehemaliger Regionalleiter und Einsatzleiter bei dem Einsatz. Der Sprecher der Bergwacht, Roland Ampenberger, kritisiert, auf Kosten der Bergwacht und deren Ehrenamtlichen werde eine Schwarz-Weiß-Welt gezeichnet.

„Wir fragen uns, was hier die Motivation ist und was letztendlich die Aussage des Films sein soll, wenn ein Realitätsanspruch besteht, gleichzeitig aber eine ganze Organisation diskreditiert wird, um Spannung zu erzeugen“, sagt Ampenberger. „Wir sind in Sorge, dass sich die Darstellung dieses Rettungseinsatzes alles andere als positiv auf die Motivation unserer Einsatzkräfte, insbesondere aber auch auf alle ehrenamtlichen Aktiven anderer Hilfsorganisationen, auswirkt.“

„Film ist Fiktion“, hatte Regisseur Jochen Alexander Freydank („Spielzeugland“) auf die Frage nach der unrühmlichen Darstellung der Bergwacht geantwortet. Der Konflikt „Will man andere Menschenleben gefährden, um einen Menschen zu retten“ sei eben ein sehr komplexer Konflikt. Und wie immer bei einem künstlerischen Werk gehe es auch um Überhöhung. dpa

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