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Gastrolle bei "Dahoam is Dahoam"

Söder: Rundfunkrat berät über Schleichwerbungs-Vorwurf

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Für seinen Gastauftritt in "Dahoam is Dahoam" hagelte es Kritik: Markus Söder.

München - Nach Markus Söders Auftritt bei "Dahoam is Dahoam" gab es massive Kritik. Der BR verteidigte sich in einer Pressemitteilung. Nun will sich der Rundfunkrat einschalten.

„Werbung politischer, weltanschaulicher oder religiöser Art ist unzulässig.“

So heißt es in Paragraf sieben, Absatz neun des Rundfunkstaatsvertrags. Die Formulierung ist so klar wie eindeutig: Werbung im Programm ist tabu! Wer sich am Dienstagabend im Bayerischen Fernsehen aber die Folge Politische Wurst-Phobie der Erfolgsserie Dahoam is Dahoam angeschaut hat, musste sich schon wundern.

Da durfte Finanz- und Heimatminister Markus Söder über gleich mehrere Szenen hinweg seine politischen Verdienste loben. Ein Werbespot der CSU könnte nicht schöner sein. Geht’s noch, BR?

Doch beim Sender kann man die Aufregung nicht verstehen. „Auftritte von Politikern, die sich selbst spielen, sind in Fernsehserien durchaus üblich“, sagt Bettina Ricklefs, die den Programmbereich Spiel, Film, Serie beim Sender leitet, zur tz.

Der Auftritt von Herrn Söder sei selbstverständlich nicht als Werbung konzipiert gewesen. Seine Partei werde außerdem gar nicht genannt. Fernsehdirektorin Bettina Reitz erklärte, die Idee sei gewesen, wie schon häufiger Fiktion und Realität erzählerisch zu vermischen.

Die politische Ausgewogenheit ergebe sich „über einen gewissen Zeitraum verteilt“. Es seien auch Gastauftritte von Politikern anderer Parteien geplant. Immerhin räumte sie auch ein: Dieses Gesamtkonzept hätte besser angekündigt werden müssen.

Wer hat das Drehbuch geschrieben?

Die Opposition ist empört. „Da bleibt einem die Luft weg“, sagt Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Landtags-Grünen. Söders Auftritt sei „dreistestes Politiker-Placement“. Hartmann: „Die Aufzählung der vermeintlichen Glanzleistungen der CSU-Staatsregierung hat in dieser Serie nichts verloren – und steht auch in keinerlei Zusammenhang mit Inhalt und Handlung.“ Er könne nicht verstehen, „wie sich der BR hierzu herablassen konnte“!

Die Frage ist berechtigt: Wie kam es zu diesem Auftritt? Und vor allem: Wer hat das Drehbuch geschrieben? Hatte Söders Ministerium am Ende die Finger im Spiel? Nein, sagt der BR. „Der Auftritt von Minister Söder war eine Gemeinschaftsidee der Autoren, der Produktionsfirma und der Redaktion von Dahoam is Dahoam.“

Geschrieben habe den Dialog zwischen Söder und der Bürgermeisterin, gespielt von Senta Auth, ein sechsköpfiges Autorenteam. „Der Text entstand ohne jeglichen Einfluss von außen“, heißt es weiter. Söder habe sich inhaltlich an das Drehbuch gehalten, die Bürgermeisterin seine Aussagen kritisch hinterfragt.

Fakt bleibt, dass der BR Söder in seiner erfolgreichsten Serie ein Forum bot, um sich zu profilieren. Der Grüne Hartmann fordert denn auch: „Diese billige Werbung kann nicht folgenlos bleiben.“ Der BR sei kein Regierungs-Funk.

Nach Informationen der tz wird der Auftritt tatsächlich ein Nachspiel haben: Am 5. Februar wird sich der Rundfunkrat, das Kontrollgremium des Bayerischen Rundfunks, damit beschäftigen. Das bestätigte der Vorsitzende Lorenz Wolf gegenüber unserer Zeitung. Inhaltlich wollte er sich gestern noch nicht äußern. Er möchte sich erst ausführlicher mit dem Sachverhalt auseinandersetzen.

Und Markus Söder? Der weilt auf der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth und dürfte sich eins ins Fäustchen lachen. Auf die Kritik an seinem Auftritt angesprochen sagte er: Er habe in Dahoam is Dahoam doch nur die Wahrheit gesagt …

Die Szene geht so: Markus Söder hat mit seinem Dienstwagen eine Panne. Die Lansinger Bürgermeisterin Vroni Brunner (Senta Auth) kommt zufällig vorbei und nimmt den Minister in ihrem Auto mit. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Dialog (immer wieder unterbrochen durch Szenen von anderen Schauplätzen):

Vroni: Dass ihr Politiker immer so geschwollen daherreden müsst. Schafft doch lieber mal Fakten! Was machen Sie zum Beispiel gegen die Abwanderung vom Land? Die jungen Leute wollen doch alle in die Stadt.

Söder: Stimmt, da machen wir ne ganze Menge, mehr als jedes andere Bundesland. Bayern ist in der Beziehung Vorbild in ganz Deutschland.

Vroni: So, sammer des …? Werden Sie doch mal konkret. Wie schaffen wir das, dass unsere Dörfer nicht aussterben?

Söder: Sie sind ja ein ganz schön harter Brocken.

Vroni: Ich lass mich halt nicht gerne mit windigen Sprüchen abspeisen.

Söder:Erstens bin ich immer konkret. Und zweitens machen wir beispielsweise ein Programm, damit die Leute dableiben können, indem wir schnelles Internet schaffen.

Vroni: Das ist ja schön. Aber was hilft das alles, wenn man eine Arbeit hat, aber nicht weiß, wie man seine Kinder derweil unterbringen soll?

Söder: Ah, nicht immer nur das Negative sehen. Aber Sie haben recht, da muss man was tun.

Vroni: Habt ihr schon eine Lösung dafür?

Söder: Na klar. Es gibt ein Programm für mehr Kinderbetreuung. Zweitens gibt’s eines, das sehr wichtig ist, für den Erhalt der kleinen Mittelschulen, auch bei weniger Schülerzahlen, dass die Klassen erhalten bleiben. Und, für die älteren Leute sehr wichtig: Wir machen auch die medizinische Versorgung, mit vielen Ärzten.

Vroni: Das Förderprogramm zur Niederlassung von Hausärzten im ländlichen Raum.

Söder: Wow, Sie kennen sich aus. Da könnten Sie was in der Politik werden – mit dem Wissen.

Am Ende kommen Vroni und Söder zu einem Empfang, Journalisten warten. Söder ergreift das Wort: „Übrigens: Das (er meint Vroni, Anm. d. Red.) ist mal eine sehr symp­athische, hilfsbereite junge Frau.“

Stefanie Thyssen

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