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So hart war der "Tatort"-Dreh im Knast

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Dramatisches Ende für ­Assistentin Franziska – nach 13 Jahren nahm ­Tessa Mittelstaedt Abschied vom „Tatort“ – jetzt freut sie sich auf ihr Baby. © WDR/Martin Valentin Menke

München - Es waren beklemmende Szenen am späten Sonntagabend. Tessa Mittelstaedt starb im Knast den "Tatort"-Serientod. Die 39-Jährige erklärt, wie hart der Dreh war.

Die langjährige Assistentin der Kölner Tatort-Kommissare, Franziska Lüttgenjohann, in den Händen eines Vergewaltigers und Mörders, eingesperrt in einer Zelle, mit einer Schlinge um den Hals. Für Schauspielerin Tessa Mittelstaedt der vielleicht härteste Dreh in 13 Jahren Tatort-Arbeit. Es war, als spielte sie in dieser Abschiedsfolge, die mit ihrem schockierenden Krimitod endete, um ihr ­Leben.

Viel Herzblut gab Mittelstaedt in diese Hauptrolle, die gleichzeitig „eine Verneigung vor der Figur“ war. „Eine Ehrung, die sie, wie ich finde, verdient hat“, sagt die 39-Jährige im Gespräch. „Schließlich hat Franziska in den letzten 45 Fällen mit ­dafür gesorgt, dass das ­Kölner Team zu den beliebtesten zählt".

Der Krimi, der Fans den Atem stocken ließ, wurde in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in Ratingen bei Düsseldorf gedreht. „Das war extrem“, erinnert sich Tessa Mittelstaedt. „Das Gefängnis stand seit drei Monaten leer, wir hatten das Gebäude bei dem dreiwöchigen Dreh für uns. Es war unendlich kalt und feucht. Die Atmosphäre war bedrückend.“ Dazu kam das kammerspielartige Drehbuch von Jürgen Werner, das Franziska mit ihrem Peiniger (genial gespielt von Hinnerk Schönemann) in eine enge Zelle verbannte. Über 60 Minuten mit einer Schlinge um den Hals zu spielen, war auch für Tessa Mittel­staedt eine unangenehme Erfahrung: „Der Kabelbinder war zwar so präpariert, dass ich mich nicht ernsthaft verletzen konnte, aber die seelische Belastung war trotzdem groß. Zum Glück war Hinnerk sehr rücksichtsvoll – ich hätte mir keinen besseren Kollegen wünschen können.“

Bis zu zwölf Stunden täglich verbrachte das Team im Knast: „Umgeben von Metall, Beton und Stein, jedes Fenster vergittert, die Wände mit Kritzeleien bedeckt. Das ging dem ganzen Ensemble an die Substanz.“

Aber gerade diese Atmosphäre ist es, die den Krimi von Regisseur Dror Zahavi so authentisch macht. Warum Franziska so grausam sterben musste? Die tz fragte beim zuständigen WDR-Redakteur Frank Tönsmann nach: „Nachdem Tessa uns gesagt hatte, dass sie aussteigen will, haben wir verschiedene Versionen diskutiert. Am Ende haben wir uns für einen konsequenten Weg entschieden. Wir wollten nichts Halbgares.“ Und so erlebte Tönsmann, der am Sonntagabend den Internet-Chat betreute, zum ersten Mal die Sprachlosigkeit der Tatort-Fans. „Bis Minute 65 wurde noch munter geplaudert, danach wurde es regelrecht still.“ Drei neue Krimis mit dem Kölner Duo Ballauf und Schenk sind bereits abgedreht. Eine neue Assistentin wurde darin nicht etabliert. „Aus Respekt vor der Figur Franziska arbeiten wir vorerst mit wechselnden Aushilfen. Mal sehen, was die Zukunft bringt“, sagt Tönsmann. Auf die freut sich Tessa Mittelstaedt im Moment ganz besonders. In dieser Woche erwartet sie ihr Baby: „Der Januar“, sagt sie, „ist für mich ein Monat des Neubeginns.“

aki

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

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