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Science-Fiction „High-Rise“ mit Tom Hiddleston

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"High-Rise"
Anthony Royal (Jeremy Irons) ist der Architekt des imposanten Wolkenkratzers. © -/RPC High-Rise Limited/The British Film Institute/WDR/dpa

London 1975. Ein junger Arzt zieht in ein neues Hochhaus ein. Während man in den oberen Etagen im Luxus lebt, herrschen in den unteren Stockwerken finstere Zustände. Dann passiert ein Stromausfall.

Berlin - „Sie sind ja ein Prachtexemplar!“, ruft die Nachbarin dem neu eingezogenen Muskelpaket auf dem Balkon unter ihr zu. „Ich dachte, sie seien leer“, ergänzt sie - unklar, ob es um die noble Wohnung oder um den Menschen geht, dem sie das zuruft.

Allein mit dieser Szene ist der Ton gesetzt, den „High-Rise“ anschlägt: unterkühlte Bilder bilden die Grundlage für Kritik an der Konsumgesellschaft und unserer Rolle darin. Der Film läuft in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 0.15 Uhr im WDR Fernsehen.

Es bricht Anarchie aus

Im Zentrum dieser Kreuzung aus Drama, Thriller und Science-Fiction steht Arzt Robert Laing, gespielt von Tom Hiddleston („Avengers: Endgame“). Er zieht im London der Mitte der 1970er Jahre in eine architektonische Vision der Zukunft: Ein massiver Betonblock, in dem Vertreter aller gesellschaftlichen Schichten zusammenleben.

Während oben dekadente Partys gefeiert werden und sich die Reichen im Wintergarten sogar ein Pferd halten, regieren bei den Bewohnern der unteren Stockwerke Gier, Triebe und die Wut auf die Zustände. Bei einem Stromausfall bricht schließlich Anarchie aus.

Die Bildwelten, die Regisseur Ben Wheatley für seine düstere Zukunftsvision findet, bleiben durchweg aufregend. Die Ausstattung der Wohnungen und die großartigen Kostüme kommen gleichzeitig sowohl retro als auch futuristisch daher. Ein Elektro-Soundtrack, bei dem sich sogar die Trip-Hop-Pioniere Portishead trauen, Abbas „SOS“ zu covern, tut sein Übriges, um Vergangenheit und Zukunft zu verknüpfen.

Spannend ist „High-Rise“ aber auch wegen seiner vielen kulturellen Referenzpunkte. So lassen sich beispielsweise drei der Hauptfiguren in Anlehnung an Freud als Es, Ich und Über-Ich deuten. Ihr Kampf zwischen animalischen Trieben, wahrem Charakter und korrumpierten Zielen ist der zentrale Konflikt des Films.

Wheatley gibt seinem Drama über Dekadenz zudem ein kluges Tempo mit. Besonders in den ersten zwei Dritteln nimmt das bedrohliche Szenario mehr und mehr an Fahrt auf und die unterschwelligen Konflikte treten immer offener zutage. Umso bedauerlicher ist es, dass dem Film im letzten Akt ein wenig die Luft ausgeht. Es ist neben seiner Holzhammermoral das zweite Problem eines ansonsten gelungenen Werks. dpa

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