tz-Interview mit Maus-Erfinder Maiwald

Wie die ARD Kindern den Tod erklärt

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„Die Maus kennt keine Tabus“: Armin Maiwald (72) packt in den Lach- und Sachgeschichten auch ernste Themen an

München - Was passiert, wenn ein Mensch stirbt? Diesen Sonntag erklärt die "Sendung mit der Maus" den Tod. Wie Maus-Erfinder Armin Maiwald (72) aus Köln die Kleinsten miteinbezieht, verrät er im tz-Interview.

Kennt auch auf schwierige Fragen die Antwort: die ARD-Maus

Wie kommen die Löcher in den Käse? Warum ist der Himmel blau? Kinderleicht zu beantworten für die Maus. Doch es gibt auch schwierigere Fragen, etwa: Was passiert, wenn ein Mensch stirbt? Diesen Sonntag erklärt die Sendung mit der Maus den Tod. Die Lach- und Sachgeschichten passen sich damit der ARD-Themenwoche an: Bis 23. November drehen sich viele Sendungen im Ersten um das Leben mit dem Tod. Wie Maus-Erfinder Armin Maiwald (72) aus Köln die Kleinsten miteinbezieht, verrät er im tz-Interview.

Herr Maiwald, wie erklären Sie Kindern den Tod?

Armin Maiwald: Wir machen dieses Mal keine bunte Maus mit verschiedenen Themen. Die ganzen 30 Minuten stehen unter dem Thema Abschied von der Hülle. Wir haben lange überlegt, wie wir das anpacken sollen. Wir konnten ja keine echte trauernde Familie besuchen und sagen: Entschuldigen Sie, Ihre Oma ist ja gerade gestorben, dürfen wir Sie filmen? Das war natürlich undenkbar.

Was haben Sie stattdessen gemacht?

Maiwald: Ich bin auf die Idee gekommen, einen Zwillingsbruder zu erfinden: Eckhard. Das ganze geht so: Ich stehe vor der Kamera, teile mich – und mein Zwillingsbruder steht neben mir. Ein technischer Trick.

Wie geht es dann weiter?

Maiwald: Eckhard stirbt. Wir zeigen ganz pragmatisch, wie es nach dem Tod weitergeht: Was macht der Bestatter? Wer sucht den Sarg aus? Was passiert mit Eckhards Wohnung? Wie geht es den Verwandten? Es findet sogar eine Beerdigung statt, mit Trauerzug zum Grab. Wir haben uns für eine konfessionslosen Abschied entschieden.

Klingt alles etwas makaber …

Maiwald: Das war es auch. Ich habe mich probeweise in einen Sarg gelegt – sehr gemütlich, kann ich nur sagen. Aber dieser Dreh war vor allem sehr bewegend. Ich halte für meinen fiktiven Bruder eine Trauerrede. Meine echte Familie, also mein Sohn, meine Tochter und meine Frau, hat mitgespielt. Obwohl alle wussten, dass das nur eine erfundene Geschichte ist, waren alle echt traurig.

Sind Tränen geflossen?

Maiwald: Ja, tatsächlich. Und uns wurde klar: Verdammt noch mal, eines Tages kommt das tatsächlich auf uns zu.

Beschäftigen Sie sich auch damit, ob Eckhard in den Himmel kommt?

Maiwald: Nein. Das ist genauso wenig zu beantworten wie die Frage, wo der liebe Gott wohnt. Die bekommen wir immer wieder gestellt. Wir können ja schlecht sagen: Er lebt auf Wolke sieben.

Scheint so, als ob das keine einfache Maus wird.

Maiwald: Natürlich ist das eine eher schwierige Ausgabe, deswegen sollten die Eltern sie unbedingt zusammen mit dem Nachwuchs schauen. Aber sie ist notwendig.

Was machen Erwachsene falsch, wenn sie mit Kindern über den Tod reden?

Maiwald: Dass sie es im Normalfall gar nicht machen. Wenn Kinder fragen, sollten Erwachsene ernsthaft und wahrheitsgemäß Auskunft geben: dass alles endlich ist. Dass man nicht weiß, was mit der Seele passiert. Und das wichtigste: dass man die Verstorbenen nicht vergisst und sich Zeit nimmt, um zu trauern.

Ab wann beschäftigen sich Buben und Mädchen mit dem Tod?

Maiwald: Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben mit einem sehr guten Bestattungsunternehmer gedreht, der von seinen Erfahrungen erzählt hat: Drei-, Vier-, Fünfjährige, deren Geschwister gestorben sind, malen zum Beispiel die Särge bunt an, mit kleinen Herzen, legen Fotos rein. Also genau das Gegenteil von Schwarz und Trauer.

Sie selbst sind 1940 auf die Welt gekommen, während des Zweiten Weltkriegs. Können Sie sich erinnern, wann Sie sich das erste Mal mit Sterben, dem Tod auseinandergesetzt haben?

Maiwald: Ich bin in Köln geboren, und wir sind mehrfach ausgebombt worden. Ich sage immer halb im Spaß: Bis ich fünf Jahre alt war, habe ich mehr Tote gesehen als der Rest der Republik im ganzen Leben. Brennende Menschen, Tausende Tote. Einmal saßen wir in einem Zug, als es einen Tieffliegerangriff gab. Wir sind rausgerannt und haben uns auf den Boden gekauert. Und dann ist nur die Hälfte der Leute wieder eingestiegen. Mein Vater ist am Ende des Kriegs in Freising gefallen, bei dem einzigen Luftangriff. Also, ich bin vom Kleinkindalter an mit dem Tod konfrontiert gewesen, und zwar ganz heftig.

Wie hat Sie das geprägt?

Maiwald: Wir haben erst drei Jahre nach seinem Tod erfahren, dass mein Vater durch eine Bombe getötet wurde. Meine Schwester und ich hatten ihn nur zweimal im Leben gesehen, wir konnten die Tragweite seines Todes nicht nachvollziehen. Heute denke ich im Alltag nicht mehr daran. Das Gehirn ist wohl mit einem fantastischen Mechanismus ausgelegt, der einen viele Dinge vergessen lässt.

Int.: E. Hutter

„Die Sendung mit der Maus“, Sonntag, 11.30 Uhr, ARD

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