Das Budget steht schon fest

Legende kommt zurück - so wird die Serie "Das Boot" geplant

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Wer ist diesmal an Bord: "Das Boot" kehrt als Serie auf die TV-Schirme zurück.

München - "Das Boot" sticht wieder in See! Mehr als drei Jahrzehnte nachdem der Kultfilm nicht nur Deutschland begeistert hat, findet die Geschichte eine Fortsetzung.

Verdammt, ist das heiß in diesem Boot. Der erste schöne Sommertag in München - und ein Dutzend Journalisten drängt sich mit eingezogenen Köpfen im Unterwassergefährt in der Bavaria Filmstadt. Christian Franckenstein, CEO der Bavaria Film GmbH, grinst. "Die Bedingungen damals waren noch härter." Recht hat er. Wir haben es ja alle gesehen. Wie Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge, Uwe Ochsenknecht und all die anderen in den Achtzigerjahren geschwitzt haben. Für ein Projekt, das in die Filmgeschichte einging: Das Boot von Wolfgang Petersen. 1981 an der französischen Atlantikküste, auf dem Bodensee und der Nordsee gedreht - und eben hier, in der Bavaria Filmstadt.

Christian Franckenstein (l.) und Carsten Schmidt.

Die Originalkulisse steht noch immer in Geiselgasteig, Publikumsmagnet für etliche Besucher im Jahr. Das Boot ist Kult. Und wird deshalb nun, über 30 Jahre später, fortgeführt. Als Fernsehserie. "Das soll kein Remake werden, wir möchten die Geschichte weitererzählen", betont Franckenstein. So wie es die Romanvorlage vom Starnberger Autor und Tausendsassa Lothar-Günther Buchheim (1918 bis 2007) vorsieht: Sein Roman "Die Festung" (1995) ist die Fortsetzung von "Das Boot" (1973). Auf ihr gründet nun auch "Das Boot - die Serie", die an den Ereignissen am Ende des Kinofilms anknüpft. Vor allem aus Sicht deutscher Protagonisten wird auf den ab 1942 an Brutalität noch zunehmenden U-Boot-Krieg geblickt.

Eine Serie über Krieg - die friedenstiftende Wirkung haben soll. "Natürlich ist für uns als Filmemacher die Unterhaltung zunächst einmal das wichtigste Kriterium", betont Franckenstein. Doch der Bavaria-Chef, selbst Jahrgang 1963, möchte noch mehr: "Wir wollen den pazifistischen Grundgedanken, den Buchheim in seinen Büchern vermittelt, in der Serie aufleben lassen. Die Abschreckungswirkung des Wortes Krieg soll deutlich werden."

Franckensteins Eltern haben Krieg hautnah erlebt

Er selbst sieht sich als Mitglied einer "Brückengeneration". Seine Eltern haben die Schrecken des Zweiten Weltkrieges noch erlebt, seine Kinder indes wachsen heute in München in Frieden und Wohlstand auf. Gedanken aus Antikriegs-Literatur wie der von Buchheim müssten bewahrt werden, damit das so bleibt.

Also dann, die entscheidende Frage: Wer sitzt alles mit im Boot? Leider, leider wollen weder Sky Deutschland-Chef Carsten Schmidt noch Franckenstein zu den möglichen Darstellern schon etwas sagen. "So weit sind wir noch nicht. Nun geht es erst einmal darum, das Drehbuch auszuarbeiten", sagt Schmidt, der nicht eine Sekunde gezögert hat, als ihm das Thema angeboten wurde. "Ich war 18, als ich den Film im Kino gesehen habe. Wenn ich heute Ausschnitte daraus sehe, bekomme ich noch immer Gänsehaut", erzählt er.

Serie auf acht Teile angelegt

Es ist das erste Mal, dass Sky Deutschland mit einer Eigenproduktion auch die europäischen Sky-Sender bedient. Neben Deutschland wird die auf acht Teile à 60 Minuten angelegte Serie in Österreich, Italien, Großbritannien und Irland zu sehen sein. Geplant ist die Ausstrahlung für 2018. 25 Millionen Euro darf das Ganze kosten. Zum Vergleich: Die Produktion von Petersens Kinofilm hat damals 32 Millionen DM gekostet. Der Erfolg gab dem Regisseur recht: unter anderem war "Das Boot" für sechs Oscars und einen Golden Globe nominiert.

Haben die Serien-Autoren Tony Saint und Johannes W. Betz, die sich nun ans Drehbuch machen, keine Angst, dem nicht gerecht werden zu können? Betz ("Der Tunnel", "Die Spiegel-Affäre") nickt: "Natürlich haben wir großen Respekt. 'Das Boot' ist ein Nationalheiligtum." Doch es sei aus den Achtzigerjahren; heute, 2016, müsse man sich trauen, den Stoff ganz neu zu denken - um dieses filmische Monument einmal mehr zu würdigen.

Katja Kraft / St. Thyssen

Die Vorlage für den Film

Lothar-Günther Buchheim.

Wolfgang Petersens Verfilmung basiert auf dem ­Roman von Lothar-Günther Buchheim. Der Starnberger Autor, Maler, Fotograf und Verleger (1918 bis 2007) hatte während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach zahlreiche Bücher über seine Erfahrungen bei der Marine geschrieben. "Das Boot", das 1973 erschien, basiert auf seinen Erlebnissen als ­Besatzungsmitglied des VII-C-Bootes U 96.

2001 gründete Buchheim in Bernried das Museum der Phantasie, wo neben einer Sammlung namhafter Expressionisten auch ­Gegenstände ausgestellt sind, die Buchheim im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Buchheims Witwe Diethild verstarb vor zwei Jahren.

Die Darsteller des Films

Jürgen Prochnow

 war bereits ein Star in Deutschland, als er die Hauptrolle des U-Boot-Kapitäns übernahm - es folgte der internationale Durchbruch mit zahlreichen Rollen in Hollywood. Heute lebt der 75-Jährige in Los Angeles und München. Zur Neuverfilmung von "Das Boot" wollte er sich nicht äußern.

Die Crew von "Das Boot".

Für die vielen (jungen) Fans des Musikers Herbert Grönemeyer ist es immer wieder eine Überraschung, dass der heute 60-Jährige auch als Schauspieler arbeitet. In seiner Rolle als Leutnant Werner überzeugte er die Kritiker, es folgten Auftritte etwa in Peter Schamonis ­Frühlingssinfonie.

Der Leitende Ingenieur, die rechte Hand des Kommandanten, hat im Film eine tragende Rolle - sein Name wird allerdings nie genannt. Gespielt wurde er von Klaus Wennemann, der von 1984 bis 1993 der Der Fahnder im Ersten war und 2000 an Lungenkrebs starb.

Heinz Hoenig war ebenfalls in "Das Boot" dabei. Er spielte den Funkmaat Hinrich - und startete seitdem vor allem im deutschen TV durch. Bis heute gehört der 64-Jährige (König von St. Pauli) zu den am meisten beschäftigten Schauspielern.

Claude-Oliver ­Ru­dolph war als ­Dieselheizer Ario an Bord. Der 59-Jährige hat in den Jahren nach dem Boot immer wieder Rollen in TV- und Kinoproduktionen gespielt (da­runter "James Bond: Die Welt ist nicht genug"). Seit April arbeitet er für einen russischen Propagandasender.

Der unvergleichliche Martin Semmel­rogge spielte den spitzbübischen 2. Wachoffizier. Der heute 60-Jährige hatte seitdem zahlreiche Auftritte in Serien wie "Derrick" oder "Ein Fall für zwei", sorgte aber auch mit Drogen- und anderen Geschichten für Schlagzeilen.

Uwe Ochsenknecht (60) gelang mit der Rolle des Bootsmanns Lamprecht der Durchbruch. Seitdem ist er aus der deutschen Film- und TV-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Seine letzte große Hauptrolle spielte er in der Uli-Hoeneß-­Satire von Sat.1: "Udo ­Honig".

Jan Fedder (61) sollte einen kölschen Matrosen spielen. Als Hamburger lehnte er ab - und durfte die Rolle als Bootsmaat Pilgrim nach seinem Wunsch ändern. Nachdem sich der damals 26-Jährige in einer Szene allerdings einige Rippen brach, wurde die Rolle gekürzt.

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