tz-Interview

Speidel, Dohm und Vester über  "Kubanisch für ­Fortgeschrittene"

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Jutta Speidel

München - Am Sonntag läuft der ZDF-Film "Kubanisch für ­Fortgeschrittene". Die tz traf die drei Darstellerinnen Jutta Speidel (61), Saskia Vester (56) und Gaby Dohm (72) zum Interview.

Jutta Speidel, Gaby Dohm und Saskia Vester, dazu Peter Sattmann und Uwe Ochsenknecht. Es passiert nicht oft, dass fünf solche Hochkaräter in einem Film zu sehen sind. Das ZDF hat es geschafft – "Kubanisch für ­Fortgeschrittene" läuft mit eben dieser Besetzung am Sonntagabend. Die fünf Protagonisten – ein Ehepaar (Speidel/Sattmann) und drei Singles – reisen aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Kuba, landen in derselben kleinen Pension und lernen, dass das Leben immer für Überraschungen gut ist …

Frau Speidel, Frau Vester, Frau Dohm – es kommt nicht alle Tage vor, dass drei so gestandene Schauspielerinnen in einem Film zu sehen sind.

Jutta Speidel: Ja, das stimmt. Aber wir haben eben, als wir uns zum ersten Mal seit den Dreharbeiten wiedergesehen haben, festgestellt, dass wir eigentlich nur ganz wenig miteinander gedreht haben. Es gibt in dem Film nicht viele Szenen, in denen wir alle drei vorkommen. Wenn wir uns in Kuba gesehen haben, dann eher privat oder in Drehpausen.

Kannten Sie sich vorher?

Saskia Vester: Ja, wir kannten uns alle vorher. Mit Gaby habe ich Anfang der 90er-Jahre die Serie Rußige Zeiten hier in München gedreht. Da habe ich eine Kaminkehrermeisterin gespielt und du warst meine Tante, oder?

Gaby Dohm: Ja, genau. Ich war deine Tante. Das war eine sehr schöne Serie damals.

Als Sie das Drehbuch zu „Kubanisch für Fortgeschrittene“ gelesen haben – war da schon klar, wer welche Rolle spielt?

Speidel: Ja, das war von Anfang an klar. Wobei ich beim Lesen des Buches gedacht habe, dass ich eigentlich lieber die Rolle von Saskia gehabt hätte (lacht). Die hat mir am besten gefallen.

Vester: Die hätte ich aber nie hergegeben (lacht). Ich durfte ja viele schlechte Witze erzählen und allen auf die Nerven gehen. Ich musste die Haare rot färben … Das war eine Freude!

Warum haben Sie dann doch zugesagt, Frau Speidel?

Speidel: Weil wir so ein gutes Ensemble sind. Als dann noch Peter Sattmann als mein Ehemann feststand, habe ich zugesagt. Mit ihm habe ich schon viele schöne Filme gedreht, ich mag ihn persönlich sehr und fühlte mich insgesamt gut eingebettet. Außerdem: Auf Kuba war ich bis dahin auch noch nie … Also, warum nicht zusagen?

Hatten Sie Gelegenheit, das Land kennenzulernen? Sie haben ja in ärmsten Gegenden gedreht.

Vester: Wir wollten ganz bewusst nicht nur die Glamourseite zeigen, sondern auch die Ecken, wo man sich denkt: Hm. Da möchte ich eigentlich nicht so gerne hin.

Dohm: Ich persönlich finde das ganz wichtig, dass man in Filmen auch diese Seiten zeigt. Nur so bekommt man doch ein Gefühl für das Land, in dem der Film spielt. Und in Kuba gibt es eben nicht nur die wunderschönen Strände, sondern auch dunkle Ecken. Arme Viertel. Wir konnten schon ein bisschen was sehen, aber natürlich bleibt man doch an der Oberfläche.

Vor ein paar Jahren haben viele Schauspielerinnen geklagt, dass es für Frauen über 50 immer schwieriger wird, gute Rollen zu bekommen. Würden Sie das heute noch unterschreiben?

Vester: Ich glaube, dass sich in Bezug auf Frauenrollen ganz viel verändert hat. Als ich anfing mit diesem Beruf, da hat man als 40-Jährige nur noch Mutterrollen gespielt. Da hast du keinen Sex mehr gehabt und nichts. Heute ist das anders – glücklicherweise. Das Interesse, Geschichten von Frauen über 40 oder 50 im Fernsehen zu erzählen, ist stark gestiegen in den vergangenen Jahren. Das ist großartig.

Dohm: Ich bin der Meinung, es hat sich auch der Anspruch von Fernsehfilmen zum Positiven verändert. Es werden doch zurzeit wirklich viele gute Filme gedreht, mit ganz tollen Themen. Leider immer noch viel zu viele Krimis!

Speidel: Krimis werden von vielen Kritikern halt auch öfter und besser besprochen als zum Beispiel Komödien. Ich habe fast das Gefühl, dass sich Kritiker manchmal nicht trauen zuzugeben, dass sie sich bei einem Film auch einfach nur mal gut unterhalten gefühlt haben.

Vester: Das ist doch im Kino genau dasselbe: Du bekommst keinen Oscar, wenn du eine Komödie spielst. Du bekommst einen, wenn du einen Behinderten spielst. Das Drama wurde immer schon höher bewertet. Dabei ist eine Komödie mindestens genauso schwer, wenn nicht schwieriger zu spielen und zu drehen.

Speidel: Allerdings! Es gibt viel weniger Schauspieler, die dieses vermeintlich „leichte“ Genre wirklich beherrschen als solche, die in jedem Krimi durchs Bild rennen. Andererseits ist es so, dass wir drei, wie wir hier sitzen, nicht in einem Tatort mit einer ­„Problem-Rolle“ besetzt werden.

Vester: Ich schon.

Speidel: Du vielleicht schon, stimmt. Ich nicht.

Wären Sie denn gerne mal die Mörderin im „Tatort“?

Speidel: Ich habe kürzlich eine Mörderin in Der Alte gespielt, das hat schon Spaß gemacht, keine Frage. Und natürlich – wenn ich im Tatort eine gute Rolle angeboten bekäme, würde ich sie sehr gerne spielen.

Dohm: Ich habe das Gefühl, dass das Publikum uns aber auch in bestimmten Rollen besonders gerne sieht. Ich habe mal eine Frau im Rollstuhl gespielt, die ihre Tochter gequält hat. Danach hat mich jemand ganz entsetzt gefragt: Wann spielen Sie denn mal wieder eine richtige Rolle? (lacht)

Speidel: Die Identifikation des Publikums mit uns ist sehr stark, das denke ich auch. Mir sagen die Zuschauer oft: „Ich schau jeden Film mit Ihnen an, weil ich jedes Mal daraus etwas mitnehme für mein eigenes Leben.“ Das empfinde ich als einen großen Erfolg. Das passiert einem vermutlich nicht so oft, wenn man ständig nur mit Mord und Totschlag zu tun hat (lacht).

Den die Zuschauer aber, das zeigen die Quoten vom „Tatort“ Woche für Woche, auch gerne mögen – zumindest im TV.

Speidel: Ja, das ist ja richtig. Aber ich würde mich freuen, wenn zum Beispiel die vielen Kneipen, die am Sonntagabend öffentlich den Tatort zeigen, auch mal einen ZDF-Herzkino-Film präsentieren würden. Da kämen bestimmt auch viele Leute. 

Interview: Stefanie Thyssen

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