Ein Tausendsassa der Kunst und des Sports

Das Spiel ist aus - zum Tode des großen österreichischen Geistes Werner Schneyder

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Im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere hat Werner Schneyder viele Auszeichnungen erhalten. Hier sehen Sie ihn mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises (2008). Er erhielt u. a. den Nestroy-Ring der Stadt Wien (1981), den Deutschen Kabarettpreis, den Salzburger Lebensstier (2010) und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2012).

Viele große Männer sind von kleinem Wuchs. Werner Schneyder hingegen konnte seine Geistesgröße schon rein physisch zeigen. Er war ein Hüne von über 1,90 Metern, seine Ausstrahlung und seine mächtige Stimme nahmen den Raum und jeden Menschen ein.

Bei unserem letzten persönlichen Treffen vor einem Dreivierteljahr in einem Wiener Kaffeehaus wirkte Schneyder wie immer: agil, messerscharf in der Analyse und mitreißend geistreich. Jetzt ist der österreichische Kabarettist, Regisseur, Autor, TV-Moderator, Schauspieler und Boxkommentator 82-jährig in seiner Wiener Wohnung gestorben. Die Todesursache ist bisher unbekannt, Fremdverschulden wird ausgeschlossen.

In Wien spielten wir Schach gegeneinander, das hatten wir schon lange vor. „Der König“, reflektierte Schneyder, „ist eine feige Sau, aber ohne ihn geht es nicht“. Die war dieser König der klaren Worte nie. Er war streitbar, aber das immer auf einem Niveau, auf dem nicht viele folgen konnten. „Jede These“, sagte er uns einmal, „muss zunächst falsifiziert werden. Das tue ich schon mein Leben lang. Ich frage mich, ob das stimmt, was ich tue und denke.“ Was ihn freilich nicht daran hinderte, sich selbst als „Universaldilettant“ zu bezeichnen.

Mit Dieter Hildebrandt tourte Werner Schneyder durch die Republik

Mit Dieter Hildebrandt (1927 – 2013) fand er einen preußischen Wahl-Münchner ganz in seinem Sinne. Ein ebenso blitzwacher, politisch engagierter Mensch im Kampf für Gerechtigkeit. Mit ihm schrieb er Programme, tourte durch die Republik. Es waren Höhepunkte des bundesdeutschen Kabaretts – und werden es auch bleiben. Im Jahr des Fußball-WM-Siegs 1974 ging das Duo an den Start, ihr Programm Talk täglich. Es folgten acht furiose Jahre. Die Münchner erinnern sich an ihre legendären Auftritte in der Lach & Schieß. Was Hildebrandts Witwe und Karikaturist Dieter Hanitzsch sagen, steht unten.

Mit Dieter Hildebrandt als geniales Kabarettduo in den 70ern.

Zurück ins Wiener Kaffeehaus in Ottakring. Nach fünf gespielten Partien – keine dauert länger als 25 Minuten, auch das ist typisch Schneyder: diese Mischung aus Konzentration und Intuition – philosophiert Schneyder über Schach. Er beschreibt die Brutalität des Spiels, die Erbarmungslosigkeit, die Zielgerichtetheit. Um dann, nach ein paar Minuten, entwaffnend zu lächeln und zu resümieren: „Der Sinn des Spiels ist, seinen Geist wach zu halten und eine inspirierende Zeit zu haben.“ Die hatte man mit dem Tausendsassa der Kunst und des Sports immer.

Schneyders Tod kommt überraschend. Für den Reporter, für Menschen, die ihn kannen. Er lebte zuletzt allein in seiner Wiener Wohnung, seine Lebensgefährtin war ausgezogen.

Auf dem großen Foto sehen Sie den gebürtigen Grazer beim Erklären der einzelnen Schachfiguren. In der Hand hält er einen Turm. Über ihn sagte er uns mit sonorer Stimme: „Der Turm ist sehr geradlinig, immens stark und machtvoll, wie es sich für einen Turm geziemt.“

Wir dürfen annehmen, dass der große Allrounder seinen Geistespartner Dieter Hildebrandt im Himmel findet. Schneyders „Flucht-Achterl“ Wein, das er nach Aufführungen gerne zu sich nahm, wird von Engel Hildebrandt sicherlich nicht unbeantwortet bleiben.

Hildebrandts Witwe erinnert sich

Dieter Hildebrandts Witwe Renate (82) hat Werner Schneyder das erste Mal im Radio gehört: „Das war in den 70ern, ich lebte damals noch in Berlin, als ich zum ersten Mal Dieter und Werner Schneyder hörte – das war eines der tollsten Programme, das mir je unter die Ohren gekommen ist“, erinnert sie sich in der tz. „Hin und ­wieder haben die beiden ganz schön gefochten. Aber sie wussten, was sie aneinander hatten.“

Karikaturist Dieter Hanitzsch war ebenfalls mit Schneyder befreundet. „Er war ein ganz großer Kabarettist, ein grandioser Sportkommentator und liebte ein kluges Streitgespräch.“

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