"Starfighter - Sie wollten den Himmel erobern"

"Starfighter" auf RTL: Sie ist die die Witwe eines Piloten

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Sie war stolz auf ihren Mann Manfred Hippel (l.), den Starfighter-­Piloten: Gerlinde Lantzberg.

München - RTL zeigt am Donnerstagabend den Film "Starfighter - Sie wollten den Himmel erobern". Die tz traf die Witwe eines Starfighter-Piloten.

Im Starfighter abgestürzt: Bundeswehr-Pilot Manfred Hippel.

Es ist der 13. Juni 1966, als bei Gerlinde Lantzberg zwei junge Soldaten vor der Haustür stehen. Sie sind gekommen, um ihr die Nachricht zu überbringen, die ihr Leben aus den Fugen geraten ließ: Ihr Ehemann ist tot. Verunglückt bei einem Flugmanöver über der Nordseeküste. Manfred Hippel, so sein Name, war Pilot. Starfighter-Pilot. „Ich werde diesen Tag nie vergessen“, sagt Gerlinde „Gerli“ Lantzberg (Mädchenname) fast 50 Jahre später im Gespräch mit der tz. „Es war ein Schock, ich habe geweint und gehofft, dass es sich um eine Verwechslung handelte. Ich wollte es nicht glauben.“ Aber es war die traurige Wahrheit. Hippel war einer von insgesamt 116 Piloten, die bei Flügen mit dem Kampfjet ihr Leben ließen (siehe Stichwort unten). Das Fliegen sei die große Leidenschaft ihres Mannes gewesen, erzählt Lantzberg, die heute in Burggen (Landkreis Weilheim-Schongau) lebt. „Und es war immer sein Traum, den Starfighter zu fliegen.“ Die ganz große Nummer eben. Das Treffen mit der TZ hat einen aktuellen Anlass. RTL zeigt am Donnerstagabend den Film "Starfighter - Sie wollten den Himmel erobern".  

Hippel ist in Essen aufgewachsen, 1958 macht er Abitur, absolviert seinen Wehrdienst und die Ausbildung zum Piloten. 1965 wird er auf dem Fliegerhorst Manching bei Ingolstadt stationiert. Gerli ist da schon an seiner Seite. „Wir haben uns Anfang der 60er kennengelernt“, erzählt die 70-Jährige. „Er sah gut aus, kam gerade aus den USA, wo Teile seiner Ausbildung stattgefunden hatten und strahlte so eine Lässigkeit aus. Das gefiel mir.“ Im Frühjahr 1965 heiraten die beiden, beziehen ein Haus in der Nähe von Manching. „Wenn er dran war zu fliegen, schaute ich zu. Das machte man als Frau eines Piloten damals so“, sagt sie und schmunzelt. Dabei war ihr das ganze „Theater“ um den Starfighter durchaus suspekt. Als die ersten Jets abstürzen, werden ihre Zweifel größer. „Aus heutiger Sicht würde man natürlich fragen: Warum seid ihr weitergeflogen? Warum habt ihr nicht auf mehr Sicherheit bestanden?“, sagt sie. Aber es sei nicht die Zeit gewesen, in der sich eine Frau in die Geschichten des Mannes hätte einmischen können. Außerdem sei der Stolz, Teil der Starfighter-Familie zu sein, bei den Piloten groß gewesen. Und: „Wer aufgab, verzichtete auf die Fliegerzulage. Das konnte sich niemand leisten, die meisten waren junge Familienväter.“

Kurz nach der Hochzeit wird auch Gerli, zarte 22 Jahre alt, schwanger, die erste Tochter kommt zur Welt. Nur wenige Monate später ist sie erneut in anderen Umständen. Das Familienglück scheint perfekt – doch die Geburt des zweiten Mädchens 1967 erlebt Manfred nicht mehr. Ein halbes Jahr vorher stürzt er mit seinem Starfighter ab. Von heute auf morgen steht Gerlinde Lantzberg alleine da. Ein Baby auf dem Arm, eins im Bauch und der Mann verunglückt. „Etwas Schlimmeres kann einem kaum passieren“, sagt sie.

Nach Starfighter-Absturz: 1445 Mark Witwenrente und 40000 Mark „Absturzgeld“

1445 Mark Witwenrente bekommt die junge Mutter, 40000 Mark „Absturzgeld“ überweist der Staat nach dem Starfighter-Unglück. Große Sprünge kann man damit nicht machen. Doch die damals wie heute zierliche Frau hat eine Menge Energie. „Irgendwann habe ich wieder angefangen zu leben – allein schon wegen der Mädchen.“

Sie nimmt in München ein Soziologie-Studium auf, bessert durch kleinere Jobs die Haushaltskasse auf. Ein Gedanke aber lässt sie nicht los: Warum musste ihr Mann sterben? Wer trägt die Verantwortung für den Absturz? Die offizielle Erklärung lautete, wie bei fast allen Starfighter-Todesflügen: Es war ein Pilotenfehler. „Damit wollte ich mich nicht zufriedengeben.“

Gerli Lantzberg fängt an zu recherchieren. Weit kommt sie nicht, vom Verteidigungsministerium und der Bundesregierung erhält sie, wenn überhaupt, ausweichende Antworten. Eine Journalistin vom Stern bringt sie auf die Idee, in Amerika zu klagen. Immerhin war die Herstellerfirma der Starfighter-Jets, Lockheed, dort ansässig. Sie lernt einen Anwalt aus den USA kennen, der ein Faible für spektakuläre Fälle hat und weitere Starfighter-Witwen überzeugt, mit vor Gericht zu ziehen.

Versuche, die Starfighter-Witwen einzuschüchtern, gibt es fortan viele. Gerli Lantzberg wird anonym kontaktiert, es wird gedroht, ihr die Hinterbliebenen-Rente zu streichen, wenn sie keine Ruhe gibt. Das alles nimmt sie hin. Sie will Antworten. „Das Kämpfen hatte ich immer schon im Blut“, lacht sie. „Auch wenn sich das für eine Dame seinerzeit nicht schickte.“

Starfighter-Tragödie: Lockheed zahlt 3 Millionen Mark an 32 Witwen

In den 70ern kommt Bewegung in die Sache. Akten belegen, dass über ein Drittel aller Starfighter-Abstürze auf einen Ausfall der Triebwerke zurückzuführen sind. Ein technisches Versagen also. Lockheed muss sich am Ende beugen und zahlt den 32 Witwen mit insgesamt drei Millionen Mark die höchste Entschädigungssumme, die in Deutschland bis dahin jemals ausgezahlt wurde. Mit dem Geld war der Alltag der Familie erst mal finanziert. Gerli Lantzberg studierte weiter, ging einige Jahre in die Entwicklungshilfe, engagierte sich politisch und bekam zwei weitere Kinder. Heute wirkt sie zufrieden.

Von Politikern oder damaligen Amtsträgern wie Franz Josef Strauß hat sie indes persönlich nie etwas gehört. „Wirkliche Verantwortung hat bis heute keiner übernommen“, sagt sie.

Dass ihr Leben nun mehr oder weniger die Vorlage für ein „Eventmovie“ geworden ist, bedeutet Gerlinde Lantzberg nicht wirklich etwas. Der Sender betont auch, dass die Figuren nicht eins zu eins nachempfunden seien. Wird sie den Starfighter-Film anschauen? „Nein“, sagt sie. „Ich denke nicht.“

Stefanie Thyssen

„Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern“: Darum geht es im Film auf RTL

Deutschland in den „Swinging Sixties“ – eine Zeit des kulturellen, politischen und modischen Umbruchs. Der Aufschwung ist in vollem Gange, der Glaube an den Fortschritt ist ungebrochen. Man ist wieder wer. Mitten im „Kalten Krieg“ kauft die noch junge Bundeswehr im Auftrag von Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß in einem Milliarden schweren Deal das modernste Kampfflugzeug, das weltweit zu kriegen ist: den Starfighter. Was folgt, ist einer der größten Skandale der deutschen Nachkriegsgeschichte: Von den 916 bestellten Starfightern werden bis zum Dienstende beinahe ein Drittel, 262 Maschinen, abstürzen. 116 Piloten verlieren dabei zwischen 1962 und 1984 ihr Leben.

Vor diesem wahren Hintergrund erzählt das bewegende und aufrüttelnde Drama „Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern“ die Geschichte der jungen Betti (Picco von Groote), die für die tödlich verunglückten Piloten und ihre Witwen, für Gerechtigkeit und ihre große Liebe, den Piloten Harry (Steve Windolf), kämpft. Gemeinsam mit dem Piloten Richie (Frederick Lau) und ihrer besten Freundin Helga (Alice Dwyer) stemmt sich Betti gegen ein scheinbar übermächtiges Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Militär, um die wahren Hintergründe dieser beispiellosen Unfallserie ans Licht zu bringen.

RTL strahlt den Event-Film „Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern“ am Donnerstag, um 20.15 Uhr aus. Das fiktionale, hochkarätig besetzte Drama über eine Absturzserie von Kampfflugzeugen war ursprünglich bereits im April 2015 eingeplant. Die Verschiebung des Sendetermins war eine Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe vom 23. März, bei der 150 Menschen ums Leben gekommen sind. Die begleitende Dokumentation „Mein Mann war Nummer 57“, in der sich RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel dem Schicksal der echten Starfighter-Opfer widmet, wurde damals ebenfalls verschoben und wird nun im Anschluss an den Film, um 22.45 Uhr, erstmalig ausgestrahlt.

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