Politik, Personality, Provokation

Talkshow: Die wichtigsten Talkshows im Überblick

Moderator Frank Plasberg und seine Gäste während der ARD-Talkshow "Hart aber fair" zum Thema "Trump und wir".
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Seit 2001 moderiert Frank Plasberg die Talkshow „hart aber fair“.

In Talkshows wird nicht nur geredet – sie selbst sorgen auch häufig genug für Gesprächsstoff bei den Zuschauern und in den Medien. Politik, Personality, Provokation: Die Talkshows im Überblick.

  • Bei Talkshows unterscheidet man thematisch zwischen Politik-Talk und Personality-Talk.
  • Die meistgesehenen Politik-Talkshows sind „Anne Will“ und „hart aber fair“.
  • Markus Lanz“ und „Krömer – Late Night Show“ sind den Personality-Talks zuzuordnen.

Berlin/Hamburg/Köln – Die deutsche Fernsehlandschaft hat ein breit gefächertes Angebot an Talkshow-Formaten zu bieten. Ob in großer Runde oder im Zwiegespräch, ob über politischen Zündstoff oder über Privates, ob mit einem oder mit mehreren Gastgebern – es wird gefragt und geantwortet, getratscht und geschummelt, geschimpft und gelacht. Einige der Talkformate laufen bereits seit Jahren und Jahrzehnten, teilweise noch mit dem allerersten Moderator, andere überleben nur wenige Staffeln.

Talkshows im deutschen Fernsehen: Zwischen seriösem Journalismus und purer Provokation

Anne Will und Maybrit Illner, Sandra Maischberger und Bettina Böttinger, Frank Plasberg und Markus Lanz: Die Moderatoren einiger der wichtigsten Talkformate in den öffentlich-rechtlichen Sendern sind gestandene Journalisten.

Sie sind durchaus bereit, ihren Gästen auf den Zahn zu fühlen – insbesondere, wenn es sich um eine politische Talkshow handelt. Zwar unterscheiden sich die Gastgeber in ihrer Fragetechnik und der Art, eine Sendung zu leiten, die Zielsetzung jedoch ist bei allen dieselbe. Es gilt, mit journalistischen Mitteln und rhetorischer Gewandtheit, klare Antworten auf klare Fragen zu bekommen.

Doch es geht auch anders: Das Beispiel der Kunstfigur Kurt Krömer beweist, dass es in einer Talkshow deutlich robuster zugehen kann – und das mit Ansage.

Krömer – Late Night Show: Talkshow eines „Totalverweigerers“

Der Berliner Alexander Bojcan, bekannt unter dem Namen seiner Kunstfigur Kurt Krömer, bricht mehrere Ausbildungen ab, bevor er ein Jahr lang die „TuT – Schule für Tanz, Clown und Theater“ in Hannover besucht und Bühnenauftritte in der Schöneberger Scheinbar in Berlin absolviert. Seine erste eigene Fernsehsendung, „Die Kurt Krömer Show“, läuft von 2003 bis 2005 im rbb, es schließen sich mehrere Talkformate an, bis 2012 die erste von acht Folgen „Krömer – Late Night Show“ in der ARD ausgestrahlt wird.

Talkshow als Verhör

Kurt Krömer, Totalverweigerer und Anarchist, tritt in allen seinen Formaten – ob Talkshow oder Comedy, Bühne oder TV – in auffällig unmodernen Anzügen und mit Accessoires im Retro-Design auf. Auch die Studio-Ausstattung seiner Shows atmet pure Piefigkeit. Die Figur Krömer – der verklemmte junge Mann von nebenan – wirkt etwas verloren, ein wenig unsicher, er selbst bezeichnet sein Auftreten als demütig. Im Gespräch mit seinem Gast jedoch holt er „die Keule heraus“. Seine Interviews sind eher Verhöre, er beschimpft und bepöbelt seine Gäste, lockt sie aus der Reserve und führt sie vor. Der Journalist Matthias Matussek fühlt sich in einer Aufzeichnung der „Krömer – Late Night Show“ im Juli 2013 dermaßen „hart angegangen“, dass er – erfolglos – eine einstweilige Verfügung gegen die Ausstrahlung der Sendung anstrengt.

Kurt Krömer: Preisgekrönter Talker

Krömer polarisiert, die Medien bescheinigen ihm die Fähigkeit, „jeden Talk auf schnellstem Wege seiner Vernichtung zuzuführen“. Dennoch kommt das Format sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik gut an: Krömer wird mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Grimme-Preis und dem Deutschen Kleinkunstpreis.

Von „Krömer – Late Night Show“ werden insgesamt drei Staffeln ausgestrahlt, 2014 gibt Krömer bekannt, dass er sich aus dem Fernsehgeschäft zurückziehen wolle.

Seit 2019 läuft sein aktuelles Talkformat „Chez Krömer“, wieder im rbb. Auch in diesem Format gleicht das Gespräch erneut einem Verhör. Er erhält dafür 2020 den Grimme-Preis im Wettbewerb „Unterhaltung“.

Talkshow „Anne Will“: Prominenter Sendeplatz, hoher Marktanteil

Die Journalistin Anne Will führte ab 1999 als erste Frau durch die „ARD-Sportschau“. Seit 1992 hatte sie bereits mehrere andere Sendungen moderiert. Eine weitere Station, die sie einem großen Publikumskreis bekannt machte und die ihr den Deutschen Fernsehpreis einbrachte, sind die „Tagesthemen“. 2007 übernahm sie den Sendeplatz von Sabine Christiansen und führt seitdem sonntags abends nach dem „Tatort“ in ihrer TalkshowAnne Will“ Gespräche über das aktuelle politische Zeitgeschehen.

Ihre Moderation wird von der ersten Sendung an kritisiert: Sie greife zu wenig ein, hake zu wenig nach, lasse ihre Gäste – insbesondere medienerprobte Politiker – „laufen“, ohne deren häufig nichtssagenden Aussagen auf den Grund zu gehen. 2008 fordert gar Friedbert Pflüger, CDU-Politiker und Mitglied des Rundfunkrates des rbb, nach einer Ausstrahlung mit Klaus Wowereit die Absetzung der Talkshow „Anne Will“ – wegen „Un- und Halbwahrheiten und bewusster Verzerrung von Sachverhalten“.

Der Vorwurf einer zu wenig kritischen, doch stets freundlich lächelnden Moderatorin hält sich bis heute – gleichwohl ist „Anne Will“ die meistgesehene Talkshow im deutschen Fernsehen. 2009 erhält „Anne Will“ die Negativ-Auszeichnung „Die Goldene Kartoffel“ wegen „reißerischer, klischeehafter und diskriminierender Berichterstattung“.

Talkshow „hart aber fair“: Der Name ist Programm

Moderator Frank Plasberg lernt sein Handwerk von der Pike auf, bereits als Schüler ist er als freier Journalist tätig. Seit 2001 moderiert er die Talkshow „hart aber fair“, die zunächst im WDR Fernsehen, ab 2007 im Ersten ausgestrahlt wird.

Der Sendetitel ist Programm: Die Gäste – Politiker, Experten, Betroffene, Verbandsvertreter – werden so zusammengestellt, dass in der Sendung möglichst kontroverse Standpunkte geäußert werden. Zielsetzung ist eine „harte, aber faire“ Auseinandersetzung. Frank Plasberg, so besagt es die Homepage zur Sendung, „fragt nach, ohne vorzuführen“. Die Talkshow bietet nach jeder Folge einen Faktencheck im Netz an. Hier werden die wichtigsten Aussagen der Gäste auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht.

Mit Preisen ausgezeichnet, aber nicht ohne Kritik
Insgesamt gilt die Talkshow „hart aber fair“ als anspruchsvoller und fundierter Polit-Talk, doch ist auch sie nicht vor Kritik gefeit. Diese dreht sich häufig um eine missglückte Zusammensetzung des Gäste-Panels oder um das Einladen heikler Gäste wie Thilo Sarrazin, um die Quote zu steigern.

Auch die Produktionskosten, die bei privat produzierten Talkshows wie „hart aber fair“ deutlich teurer sind als sendereigene Produktionen, werden thematisiert, beispielsweise im Beitrag „hart aber leer mit Frank Blasbalg“ in der Kabarettsendung „Die Anstalt“.

Die Sendung ist mehrfach mit renommierten Fernsehpreisen ausgezeichnet, erhält aber ebenfalls 2019 die Negativ-Auszeichnung „Die Goldene Kartoffel“.

Talkshow „Markus Lanz“: Petition zur Absetzung der Sendung

Der Journalist Markus Lanz bietet seit 2008 einen Personality-Talk in kleiner Runde, meist sind es vier bis fünf Gäste aus den unterschiedlichsten Branchen und Gesellschaftsbereichen. Die Talkshow „Markus Lanz“ ist das erfolgreichste Talkformat des ZDF – und wohl auch das einzige, dessen Absetzung durch eine Online-Petition gefordert wird. Innerhalb weniger Tage werden 2014 nach einer Sendung, in der Lanz die damalige Partei- und Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Sahra Wagenknecht zu stark bedrängt, mehr als 230.000 Unterschriften gesammelt. Die Begründung: Lanz sei weder willens noch fähig, seinen Gästen Wohlwollen, Rederecht und Anstand entgegenzubringen. Die Talkshow „Markus Lanz“ wird nicht abgesetzt, sondern weiterhin mit solide hohem Marktanteil ausgestrahlt.

Die Fragetechnik von Markus Lanz gilt als eloquent und gut fundiert – Kritiker bemängeln jedoch, dass der Moderator am liebsten sich selbst reden höre. Allerdings wird ihm auch bescheinigt, seine Sendung und die Gästeführung hervorragend im Griff zu haben.

Weitere wichtige Talkshows: Eine Auswahl

Zu den bekanntesten Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland zählen unter anderem:

maybrit illnerZDFseit 1991
NDR Talk ShowNDRseit 1979
Kölner Treff (Neuauflage)WDRseit 2006
3 nach 9Radio Bremenseit 1974
Sabine ChristiansenDas Erste1998-2007
maischberger. die wocheDas Ersteseit 2003
Günther JauchDas Erste2011-2015
Johannes B. KernerZDF1998-2009

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