Besuch bei der CIA

TV-Kritik zum Frankfurt-Tatort: Neuer Fall will Agententhriller sein - obendrein gibt es ein unerwartetes Comeback

Tatort (ARD) aus Frankfurt: Raymond Fisher (Kai Scheve), Gretchen Fisher (Tessa Mittelstaedt), Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch)
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Frankfurt-Tatort (ARD) Funkstille: Janneke und Brix (Margarita Broich, Wolfram Koch, re.) und die Fishers (Kai Scheve, Tessa Mittelstaedt).

Im Tatort (ARD) „Funkstille“ dürften viele Krimi-Fans ein Gesicht ziemlich bekannt vorkommen. Ob der Sonntagskrimi damit und als Psychothriller überzeugt? Dem Tatort auf der Spur ist diesmal Redakteurin Stefanie Thyssen.

  • „Funkstille“ - heißt der neue Fall vom Frankfurt-Tatort (ARD).
  • Bei den Frankfurtern ermitteln Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) und seine Kollegin Anna Janneke (Maragrita Broich) am Sonntag (13. September 2020).
  • Dazu gibt es in der neuen Episode ein unerwartetes Comeback.

München - Vor sechs Jahren stieg Tessa Mittelstaedt* aus dem Kölner Tatort aus. Vierzehn Jahre lang hatte sie die Rolle der Assistentin von Ballauf und Schenk gespielt. Franziskas Abschied 2014 war dann ein fulminantes und vom Jugendschutz ins Spätprogramm verschobenes Krimi-Stück. Seitdem hat man nicht viel gesehen von der 46-jährigen Schauspielerin, im Frankfurter Tatort: Funkstille, den die ARD gestern Abend ausstrahlte, spielte sie nun wieder eine entscheidende Rolle – und blieb mehr als blass. Es muss wohl an der Regie von Stanislaw Mucha liegen, denn im Prinzip agieren alle Schauspieler in diesem Film, der mehr Agententhriller als Tatort sein will und manch unfreiwillig komischen Moment hat, unter ihren Möglichkeiten.

Frankfurt-Tatort „Funkstille“ - darum geht's

Der 19-jährige Sebastian wird tot auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik aufgefunden. Was nach einem Fenstersturz aussieht, entpuppt sich als Mord. Die Kommissare Janneke (Margarita ­Broich) und Brix (Wolfram Koch) finden Hinweise, dass das Opfer eine Affäre mit der Mutter seiner Freundin und Nachbarin Emily (Emilia Bernsdorf) hatte. Und: Gretchen Fisher (Mittelstaedt), so der Name der Frau, die sich auf das für sie belanglose Abenteuer mit dem Jungen einließ, arbeitet nicht beim US-Konsulat, wie sie vorgibt, sondern als Doppelagentin. Für die CIA („für den Weltfrieden“), gleichzeitig aber auch für die Russen. Als Sebastian dahinterkommt, unterschreibt er sein Todesurteil.

Klingt schräg bis krude für einen deutschen Sonntagskrimi, und das ist es auch. Mittelstaedt agiert als eiskalte Mutter (trägt sie blaue Kontaktlinsen?) und Spionin derart überambitioniert, dass ihrer Figur jede Glaubwürdigkeit abhandenkommt. Emilia Bernsdorf hat als Emily, in deren Leben es keine einzige Gewissheit mehr gibt („Bin ich eure Tochter?“), einige gute Momente, ist aber oft überfordert. Und Kai Scheve hat man auch schon stärker gesehen. Er spielt den Vater und Ehemann in diesem Agenten-Theater, ist ebenfalls in doppelter Mission unterwegs, allerdings mit Aussteige-Ambitionen, weswegen auch er sterben muss. Vergiftet vom russischen Geheimdienst. Alles klar.

Nein, dieser Fall aus Frankfurt ist kein großer Wurf, da können Margarita Broich und Wolfram Koch auch nicht mehr viel retten.

Im Frühling wurde der ARD-Tatort aus Frankfurt* durch einen Auftritt von Hannelore Elsner* geadelt.  

„Die Guten und die Bösen“ – Hannelore Elsner in ihrer letzten Rolle

Für die Jubiläums-Folge zum 50-Jährigen der beliebten ARD-Krimi-Serie „Tatort“ war Großes geplant, doch dann kam die Corona-Pandemie und alles anders*. Übrigens: Auf den Tag genau ist das Jubiläum am 29. November 2020. Die erste „Tatort“-Folge wurde am 29. November 1970 mit dem Titel „Taxi nach Leipzig“ und dem Walter Richter als Kommissar Trimmel im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Zufälligerweise fällt dieser Tag in diesem Jahr auf einen Sonntag. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks 

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