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Tatort-Kritik: Verstörend, aber schlau gemacht

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Starkes Team: Anna Schudt und Jörg Hartmann. © WDR/Thomas Kost

Dortmund - Im heutigen Tatort "Hydra" ging es um die Neonazi-Szene in Dortmund. Hier lesen Sie die Kritik von unserer Redakteurin Stefanie Thyssen.

Es war eine Frage der Zeit, ehe sich die Tatort-Ermittler aus Dortmund mit der Neonazi-Szene auseinandersetzen müssen – schließlich ist die Stadt in Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten eine der westdeutschen Hochburgen der rechten Szene. Der Zeitpunkt für diesen Film war schlau gewählt. Denn nach vier Folgen haben die Kommissare – gespielt von Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel und Stefan Konarske – ihre jeweiligen Rollen gefunden. Vor allem Hartmann alias Hauptkommissar Peter Faber hat seine Macken zurückgefahren. Ein schräger Typ bleibt er, aber in der fünften Episode aus Dortmund konnte der Fall im Mittelpunkt stehen – und das war für die schwierige und mutige Thematik absolut nötig.

Aufgeklärt werden musste der Mord an Kai Fischer, dem Kopf von Dortmunds Neonazi-Szene. Auch wenn sich gegen Ende des Films die Ereignisse überschlugen und man mitunter die Übersicht verlieren konnte: Hydra, so der passende Titel, hallt nach. Das Verstörende war vor allem die Auswahl der Protagonisten: Die Nazis kamen nicht mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln daher. So einfach ist es längst nicht mehr. Autor Jürgen Werner zeigte, dass rechtes Gedankengut mitten in der Gesellschaft steckt. In den Köpfen von Erzieherinnen, denen man sein Kind anvertraut, oder beim (vermeintlich) netten Studenten von nebenan. Man sieht denen nicht an, dass sie Nazis sind. Man merkt es erst, wenn man hinter die Fassade schaut, wenn die Kommissarin als „Türken-Fotze“ beschimpft oder auf brutalste Art und Weise überfallen wird: Die Szene, in der Nora Dalay überfallen wird und die Täter ihr ein Hakenkreuz auf den nackten Bauch sprühen, gehört zum härtesten, was man seit sehr langer Zeit im Fernsehen gesehen hat.

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