2012 hielt die Episode Deutschland in Atem

Kieler Tatort: Eidinger kehrt als stiller Gast zurück!

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Zwei grandiose Schauspieler: Axel Milberg (li.) als Kommissar und Lars Eidinger als Mörder.

München - Klaus Borowski ist zurück! Die tz sprach mit Darsteller Axel Milberg über "Die Rückkehr des stillen Gastes", die am Sonntag im Ersten läuft.

Wer Kai Korthals einmal gesehen hat, vergisst ihn nie. Der Postbote drang in Wohnungen von Frauen ein, blieb zum Teil über Nacht, bevor er seine Opfer umbrachte. Lars Eidinger spielte diesen Serienmörder aus dem Kieler Tatort im September 2012 so furchterregend, dass man es als Zuschauer kaum ertrug. Was Krimideutschland damals vor allem in Aufruhr versetzte: Der Täter entkam Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die selbst Zielscheibe von Korthals gewesen war. Jetzt, gut drei Jahre später, taucht der Mörder wieder auf. Die ARD hat eine Fortsetzung des Falls gedreht. Entstanden ist ein furioses Kammerspiel, für das auch Maren Eggert als Psychologin Frieda Jung zurückkehrt. Sie und Borowski wollen heiraten – doch dann hat Korthals sie in seiner Gewalt …

Die tz sprach mit Axel Milberg (59) über "Die Rückkehr des stillen Gastes", die am Sonntag im Ersten läuft. Den „alten“ Fall wiederholt die ARD am Freitag um 22 Uhr.

Herr Milberg, am Freitag Abend wiederholt die ARD die Folge „Borowski und der stille Gast“ als Einstimmung auf den Sonntagabend. Haben Sie sich den „alten“ Fall auch noch einmal angeschaut, bevor Sie die Fortsetzung gedreht haben?

Axel Milberg: Nein. Ich habe den Film aber schon zweimal gesehen und hatte ihn noch präsent. Ich war ja sozusagen dabei.

Können Sie Ihre eigenen ­Filme überhaupt aus der Sicht eines „ganz normalen“ Zuschauers anschauen?

Axel Milberg: Kann ich – wenn der Film gut geworden ist. Dann sitze ich da – ob Sie es glauben oder nicht – und vergesse sogar, dass ich das bin, der da spielt. Wie ein Kaninchen sitze ich davor und denke: Das ist ja irre. Das ist ja strange. Ganz ehrlich: Ich habe auch schon bei Komödien Tränen gelacht über mich. Ich sehe da einen mir fremden, aber nicht unangenehmen Menschen.

Und vor Kai Korthals haben Sie sich gegruselt wie Millionen von „Tatort“-Zuschauern?

Axel Milberg: Ja! Und ich habe mir die Hände gerieben und gedacht: wie schön! Wie überraschend! Das ist für mich immer ein ganz wichtiges Kriterium – dass ich überrascht bin. Das fängt beim Lesen des Drehbuchs an. Wenn ich die Seite umblättere und mich frage: Was kommt jetzt? Was wird Borowski jetzt machen? Wenn das gelingt, ist es ein ­Geschenk.

Wie kam es nun zu der Fortsetzung der Geschichte?

Axel Milberg: Für uns war der Fall damals – auch wenn der Täter entkommen war – abgeschlossen. Aber: Es gab ein sehr starkes mediales Echo auf den Film. Die Zuschauer fragten sich: Was ist los? Wir gruseln uns! Wir schlafen nur noch bei Licht! Meine Frau geht nachts nicht mehr in die Küche und so weiter. Alles war durchweg positiv gemeint. Die Leute haben sich begeistert gegruselt. So kam irgendwann beim NDR, bei dem Autor Sascha Arango und übrigens auch bei Lars Eidinger die Bereitschaft, über einen zweiten Teil nachzudenken. In dem Lokal Die Forstbaumschule in Kiel saßen wir dann eines Tages bei einem frischen Fisch und dachten nach. Als nur noch die Gräten auf dem Teller ­lagen, hatten wir verschiedene Ideen, die wir uns mit roten Köpfen zuwarfen, entwickelt. Das war der Anfang.

Und Maren Eggert? Auch sie kehrt als Frieda Jung für diese Folge zurück.

Axel Milberg: Ja. Sie habe ich irgendwann in Berlin getroffen und ihr dort unter vier Augen einen Heiratsantrag gemacht (lacht). Sie war ganz erschrocken, lächelte mich rätselhaft an und sagte schließlich zu.

Warum wollten Sie sie unbedingt dabeihaben?

Axel Milberg: Mir persönlich war eines sehr wichtig: Wir müssen diesen widerlichen Kerl, diesen Serienmörder Kai Korthals, wenn er zurückkehrt mit dem Schönsten zusammenbringen. Mit dem, wo Borowski am verletzbarsten ist, was er am meisten schützen will. Also baten wir Frieda Jung, seine Braut, sich zur Verfügung zu stellen.

Im Zuge der Entführung von Frieda kommt Borowski an seine Grenzen. Er ist außer sich, verliert die Kontrolle, schlägt sogar seinen Freund und Chef Roland Schladitz nieder. Macht diese Geschichte Borowski zu einem anderen Menschen? Zu einem anderen Kommissar? 

Axel Milberg: Nein. Er war ja immer … alles. Jemand, der menschlich ist. Mit Mitleid, Neugier, Ratlosigkeit, Ungeschicklichkeit, Fehlern, Gefühlen. Und dem Versuch, den Verstand immer wieder über die Gefühle entscheiden zu lassen. In diesem Spannungsfeld haben wir ihn angesiedelt. Da ist er den skandinavischen Helden näher als irgendwelchen Hollywood-Plastik-Heroes. Und da ist es natürlich ein Fest für den Schauspieler zu sagen: Bring mich in Schwierigkeiten! Lass mich auch physisch agieren! Ich will das!

Dieser Fall hätte Borowskis letzter werden können. ­Haben Sie mit dem Gedanken ­gespielt, aus dem „Tatort“ auszusteigen? 

Axel Milberg: Ehrlich gesagt noch nie. Wir sind in einer so aufsteigenden Tendenz – nicht nur, was die Quoten betrifft, auch was das Vergnügen an Büchern und Ideen betrifft. Wir sind ein gutes Team, sehr gut aufgestellt. Ich fühle mich ganz am Anfang. Ich fühle mich vor allem nicht verbraucht. Das wäre ja der entscheidende Punkt, wenn ich das Gefühl hätte, ich bin müde. Das Glück ist, dass sich bei Borowski nichts wiederholt. Es herrscht nie der Alltag des Dienstes. Ich fange grad an, Spaß zu haben (lacht).

Wir verraten natürlich nicht, wie der Film ausgeht. Aber Borowski verabschiedet sich von Korthals mit den Worten: „Es ist noch nicht zu Ende.“ Wird es einen dritten Teil geben? Dann wäre die Trilogie perfekt. 

Axel Milberg: In der Tat kam das Thema kürzlich auf. Lars Eidinger sagte, er würde gerne wiederkommen als Kai Korthals. Mal sehen, wie sicher die Gefängnisse sind …

Stefanie Thyssen

„Tatort: Borowski und …“ Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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