Tatort Kopfgeld: Das sagt der Autor

"Til Schweiger ist für mich ein Held"

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"Tatort" Hamburg: Til Schweiger als LKA-Mann Nick Tschiller.

Hamburg - Millionen Zuschauer haben am Sonntag Abend den zweiten Tatort mit Til Schweiger angeschaut. Die tz sprach mit dem Drehbuchautor Christoph Darnstädt über den Fall und seinen Hauptdarsteller.

Millionen Zuschauer haben am Sonntag Abend den zweiten Tatort mit Til Schweiger angeschaut. Der Film mit dem Titel Kopfgeld hat wieder polarisiert, die Kritiker waren sich im Vorfeld nicht einig. Die tz sprach mit dem Drehbuchautor Christoph Darnstädt über den Fall und seinen Hauptdarsteller.

Herr Darnstädt, ein Krimi muss und soll keine Dokumentation sein, aber tragen Sie in „Kopfgeld“ nicht ein bisschen dick auf?

Christoph Darnstädt: Es ist in einem Actionfilm doch üblich, dass man etwas dicker aufträgt. Das wollen die Leute sehen und das ist das, was diesen Tatort von anderen unterscheidet.

Tschiller durchschießt die Gurte seines Autositzes, um sich aus dem Wagen zu befreien, in dem eine Bombe steckt. 

Darnstädt: Ja, das ist Kino (lacht).

Ja klar, aber ein Funken Realismus sichert einem Film doch auch seine Glaubwürdigkeit, oder?

Darnstädt: Was heißt denn Realismus? Finden Sie irgendwas, was Sie in neun von zehn Tatorten sehen, realistisch? Halten Sie den Umgang der Münsteraner, die ich persönlich sehr gerne gucke, mit ihrer Vorgesetzten für realistisch? Die Art und Weise, wie im Tatort ermittelt wird, hat mit echter Polizeiarbeit in der Regel überhaupt nichts zu tun. Abgesehen davon: Wir wollen in unseren Filmen überhaupt nicht von Ermittlungen in einem Mordfall erzählen. Wir machen eher einen Thriller als einen Krimi. Jemanden, der rumläuft und einen Mord aufklärt, haben wir doch sowieso jeden Sonntag.

Erzählen Sie uns ein bisschen was von Ihren Recherchen über die kriminellen Clans. Wie haben Sie sich dem Thema genähert? Woher beziehen Sie Ihre Informationen? Gibt es ein Vorbild für die Familie Astan zum Beispiel?

Darnstädt: Der Astan-Clan ist fiktiv, aber die Miri- und die Abou Chaka-Jungs aus Bremen und Berlin sind seine Paten. Der Friedensrichter in Kopfgeld zum Beispiel ist eine Mischung aus zwei Modellen von engagierten Clan-Mitgliedern, die es tatsächlich gibt, wie ich aus Gesprächen, aus Zeitungsartikeln und aus dem Internet weiß.

Die 22 Tatort-Teams im Überblick

Die Tatort-Teams im Überblick

Damit Sie, liebe User, nicht den Überblick verlieren, zeigen wir die Teams alle geordnet nach der Anzahl der bisherigen Folgen. (Stand: 24.08.2014) © dpa
Franken ab 2014/15 (BR): Konrad Wagner (Fabian Hinrichs, rechts im Bild), Paula Wiesner (Dagmar Manzel, links im Bild) sowie Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) und Klaus Dieter Schatz (Frank-Markus Barwasser) © dpa
In der Mainmetropole Frankfurt treten im Frühjahr 2015 Margarita Broich (verheiratet mit Ex-Kommissar Martin Wuttke) und Wolfram Koch an. Die beiden sind die Nachfolger von Joachim Król und Nina Kunzendorf. © dpa
Frankfurt: Mit voraussichtlich einem Fall ist der seit 2011 aktive Frank Steier (Joachim Król) 2015 noch im Einsatz. © dpa
Weimar: Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) seit 2013. © dpa
Das jüngste Team unter den Ermittlern: Ende 2014 kommt der zweite Fall mit Friedrich Mücke (Mitte), Alina Levshin und Benjamin Kramme, der sich vorstellen kann, Kommissar auf Lebenszeit zu werden, „wenn die Bücher toll sind“. © mdr/Marco Prosch
Sie starteten 2013 in Hamburg und suchten einen Feuerteufel. Mittlerweile sind Wotan Wilke Möhring und die bezaubernde Petra Schmidt-Schaller in ganz Norddeutschland unterwegs. Und es knistert … © ard
Mit einem actionreichen ­Fall gaben Til Schweiger und Fahri Yardim 2013 ­ihren Einstand. © dpa
Saarbrücken seit 2013: Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück). © dpa
Er macht es einem nicht leicht, ihn zu mögen: Jörg Hartmann spielt den sperrigen Kommissar Peter ­Faber, der in Dortmund an der Seite von Anna Schudt auf Verbrecherjagd geht. Im Pott kämpft er mit seiner traumatischen Vorgeschichte. © wdr/ Herby Sachs
Luzern seit 2011: Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer). © swr/SF
Ihre Tage sind gezählt: Der letzte Tatort mit Simone Thomalla und Martin Wuttke wird im Sommer 2015 ausgestrahlt. Zuvor geht es im bereits abgedrehten Fall um den Mord an einen Abfallunternehmer. Die Nachfolge ist noch ungewiss. © dpa
Die beiden haben sich gut zusammengerauft! Felix Klare und Richy Müller (l.) überzeugen als Stuttgarter Schnüffler und verbinden brisante Fälle mit dem richtigen Schuss Privatsphäre. Seit 2008 stehen sie als die Kommissare Bootz und Lannert im Dienst des SWR. © swr/jander
Als Kommissar Klaus ­Borowski ermittelt der Wahlmünchner Axel ­Milberg in seiner Heimatstadt Kiel. An seiner Seite Sibel Kekilli, seine computeraffine Kollegin, mit der er seit 2003 zum festen Ensemble der Tatort-Ermittler gehört. © dpa
Sie sind die Quoten-Könige im bundesdeutschen Tatort-Ensemble. Die klamaukigen Fälle der Münsteraner Thiel (Axel Prahl, r.) und Boerne (Jan Josef Liefers) stehen auf der Hitliste ganz oben. © wdr/ Michael Böhme
Ihre Fälle kommen bisweilen schon recht betulich daher. Dennoch gehört das Bodensee-Team um Eva Mattes (Foto) und Sebastian Bezzel zu einem der etabliertesten Gespanne des Sonntagabendkrimis. Seit 2002 ist Mattes am Start. © swr/ Peter Hollenbach
Berlin seit 1999 : Till Ritter (letzter Fall am 9.2.2014) und Felix Stark (nur noch ein Fall): Dominic Raacke (li.) und Boris Aljinovic. © rbb/Julia von Vietinghoff
Meret Becker und Mark Waschke legen im Frühjahr 2015 als Berliner Ermittler-Team los. Zuvor gibt es einen letzten Solofall für Boris Aljinovic, der nach dem vorzeitigen Ausstieg seines Kollegen Dominic Raacke noch einmal allein auf Täterfang geht. © dpa
Wien seit 1999: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). © dpa
Kinder, wie die Zeit vergeht! Seit 1997 stehen ­Inga Lürsen (Sabine Postel) und ihr smarter Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen) nun schon in Lohn und Brot der Bremer Polizei. © Radio Bremen
Seit 1997 ist auf Max ­Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) Verlass. Die Kölner Kommissare und Currywurst-Fetischisten gelten als beliebtestes ARD-Team. © wdr/van Zoest
Wiesbaden seit 2010: Felix Murot (Ulrich Tukur) und Magda Wächter (Barbara Philipp). © dpa
Hannover: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). © dpa
München seit 1991: Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). © dpa
Ludwigshafen seit 1989 (SWR): Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe). © dpa
Stimmt es, dass Sie sich bei der Figur Nick Tschiller von Schimanski haben inspirieren lassen?

Darnstädt: Nein, das kann man so nicht sagen. Wenn man für einen Schauspieler wie Til Schweiger eine Figur entwickelt, dann liegt es auf der Hand, dass diese Figur nicht im Mantel durch Hamburg läuft und fragt: Wo waren Sie gestern zwischen neun und 14 Uhr? Sondern man erfindet eine etwas zupackendere Figur, die auch mal „Fuck“ sagt.

Schimanski hat „Scheiße“ gesagt.

Darnstädt: Ja, wenn Sie so wollen, ist das „Fuck“ von Nick Tschiller eine kleine Hommage an Schimanskis „Scheiße“ (lacht).

Hat Sie der Hype um Til Schweiger als „Tatort“-Kommissar überrascht?

Darnstädt: Nein, das war mir schon klar. Und natürlich freut man sich, wenn etwas, an dem man mitgearbeitet hat, so viel Aufmerksamkeit erregt. Aber manches, was geschrieben wurde, vor allem im Internet, war auch sehr unschön, um es vorsichtig zu formulieren. Dieses permanente Til-Schweiger-Bashing finde ich geradezu unappetitlich. Es ist ja auch immer dasselbe: Er nuschelt, er hat nur zwei Gesichtsausdrücke und so weiter. Ich hätte schon längst hingeschmissen, wenn man mit mir so umgehen würde, wie man mit ihm umgeht. Dass Til Schweiger das aushält – dafür ist er ein Held!

Ein Schauspieler seiner Art sollte Kritik aushalten können. 

Darnstädt: Ja, aber muss er sich ständig beleidigen lassen? Das ist ein deutsches Phänomen, dass die eigenen Stars niedergemacht werden. Vor ein paar Jahren wurde auf Veronica Ferres rumgehackt, nun ist es Til Schweiger. Man kann doch auch mal sagen: Toll, dass wir Deutschen so einen großen Star haben. Ich habe jedenfalls Hochachtung für ihn.

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