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Tatort-Kritik: Kein Kasperltheater

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Herrlich schmierig: Udo Samel als Jolly, flankiert von Bibi (A. Neuhauser) und Moritz (H. Krassnitzer, re.). © ARD Degeto/ORF/Petro Domenigg

München - Am Sonntagabend lief in der ARD die Tatort-Folge "Deckname Kidon" aus Wien. Hier lesen Sie die Kritik von tz-Redakteurin Astrid Kistner.

Auch wenn sie bisweilen so reden, Kasperltheater ist ihre Sache nicht: Wo der Moritz (Harald Krassnitzer) und die Bibi (Adele Neuhauser) auftauchen, wird den Großen und Mächtigen auf die Finger geklopft. Im Tatort: Deckname Kidon drehten die Wiener Kommissare wieder einmal am Rad der Weltpolitik. Verschwörung, Korruption, Waffenhandel und dazwischen eine Spezialeinheit des israelischen Mossad. Klingt verschwurbelt, war aber am Ende doch über weite Strecken recht vorhersehbar. Was nicht weiter schlimm ist, weil Autor Max Gruber den Kommissaren in ihrem authentischen Spiel aufs nächste Treppchen half. Da glänzten die Dialoge und glitzerten die Figuren wie die des schmierigen Waffenschiebers Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé, den seine Freunde schlicht Jolly nennen dürfen.

Ja, der Jolly, hinreißend gespielt von Udo Samel, atmete aus jedem Knopfloch joviale Niedertracht. Er war in diesem öffentlich-rechtlichen „Agententhriller“ (wie Bibi den Fall bezeichnete) zweifellos ein begnadeter Bösewicht, dem Bibi und Moritz Bond nichts anhaben konnten. „Wir haben das Geld, wir haben die Beziehungen, und wir scheißen uns nichts“, sprach Jolly und schied von einem Killerkommando gerichtet aus dem Leben. Dass die Kommissare über diesen Fall von Selbstjustiz elegant hinweggingen, war vielleicht das einzige Manko des TV-Krimis.

Astrid Kistner

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