Am Sonntagabend in der ARD

TV-Kritik: So war der München-"Tatort"

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Routiniert runtergespielt: Batic (Miroslav Nemec), Leitmayr (Udo Wachtveitl), Lerch (Lisa Wagner) und Hammermann (Ferdinand Hofer, v. li.).

München - Wie traumatisiert ist eine Frau, die als Kind miterleben musste, wie ihr Vater die eigene Familie auslöschte und nur sie – buchstäblich – laufen ließ? Der neue Münchner "Tatort" schlägt leider nicht ein wie der Blitz. Die TV-Kritik:

Update vom 18. Dezember 2016: Wir haben den neuesten Fall aus Frankfurt bereits gesehen: Hier lesen Sie unsere Vorab-Kritik zu "Wendehammer".

Update vom 21. Oktober 2016: Lohnt sich der neue Tatort aus München? Wir sagen: ja, unbedingt. Hier lesen Sie, was Sie zu "Die Wahrheit" wissen müssen, garantiert ohne Spoiler.

Update vom 7. Oktober 2016: Kommissar Faber meldet sich wieder aus Dortmund - wir haben den neuen Fall "Zahltag" vorab angeschaut.

Update vom 30. September 2016: Was verdient eigentlich ein Tatort-Kommissar? Eine deutsche Zeitung hat die Gagen nun veröffentlicht. Am Sonntag gibt es außerdem einen neuen Tatort-Fall aus Dresden. Wir haben uns "Der König der Gosse" vorab angeschaut.

Update vom 23. September 2016: Boerne und Thiel laden wieder zum Tatort nach Münster. Wie gut ist "Feierstunde"?

Wie gefährlich kann das Opfer dem Täter von einst und dessen neuer Familie werden? Diese Fragen stehen im Zentrum des neuen Münchner „Tatort“ (ARD), der um eine Bluttat kreist, die auch die Überlebende(n) nicht unversehrt lässt. „Auf einmal schlägt der Blitz ein“, kommentiert es Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und bemüht sogar das Inferno von Hiroshima als Metapher.

„Einmal wirklich sterben“ von Claus C. Fischer (Buch) und Markus Imboden (Regie) schlägt leider nicht ein wie der Blitz. Ihr Plan, zu zeigen, welche dramatischen Folgen die Eruption von Gewalt aus Verzweiflung noch viele Jahre später haben kann, geht nicht auf. Hauptprotagonistin Emma (Anna Drexler) ist zu wenig charismatisch, zu wenig unberechenbar, um diesen Film vorwärts zu treiben, sie sorgt nicht für die für einen Krimi notwendige Spannung.

Andererseits bleibt auch ihre Psyche im Dunkeln. Wie wurde sie, was sie ist? Auch davon erzählen Fischer und Imboden trotz vieler Rückblenden nichts. Dazu passt, dass die Worte von Fallanalytikerin Christine Lerch (Lisa Wagner) über die potenzielle Gefahr, die von Emma ausgeht, wie aufgesagt wirken, emotionslos, kraftlos.

Auch die anderen Charaktere in diesem Krimi bleiben blass – und dass am Ende Emmas Freundin Lissy (Andrea Wenzl) die Schüsse auf deren Vater und dessen neue Frau abgegeben hat, hat wohl vor allem mit der Prominenz der Darstellerin zu tun. Statt sich seinen Figuren zu widmen, flüchtet sich Regisseur Imboden lieber in lange, rätselhafte (Traum-)Sequenzen aus dem Tierpark.

In diesem Versuch über die kleinen und großen Tragödien des Lebens, über vereinsamte Menschen in der Stadt und auf dem Land können auch die Ermittler kaum glänzen. Wachtveitl und Miroslav Nemec als sein Kollege Ivo Batic spielen ihre Parts routiniert runter, am Ende hat man trotz Showdown am See mit vollem Einsatz der Kriminaler auf dem und im Wasser weniger über den Fall gegrübelt als über die Frage, ob Leitmayr und Lerch demnächst eventuell ein Paar sind. 

Rudolf Ogiermann

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