Nemec und Wachtveitl nach 25 gemeinsamen Jahren

Wie hält man eine Tatort-Beziehung lebendig? "Fremdgehen"

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Udo Wachtveitl (l.) und Miroslav Nemec führen seit 25 Jahren eine Tatort-Ehe.

München - Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec führen seit 25 Jahren eine Tatort-Ehe. Zur Silberhochzeit haben sie mit der tz über die Szenen ihrer Partnerschaft gesprochen - und auch darüber, was nicht so gut lief.

Herr Wachtveitl, Herr Nemec, im Jubiläumskrimi stoßen Sie mit Espresso anstatt mit „g’schissenem Champagner“ an. Entspricht das auch Ihrer persönlichen Haltung zu dieser „Silberhochzeit“? 

Miroslav Nemec: Nein, überhaupt nicht. Das würde man falsch interpretieren.

Udo Wachtveitl: Es ist aber tatsächlich so, dass wir diese 25 Jahre gar nicht so fühlen. Der Tatort nimmt zwar einen wichtigen, aber nicht den längsten Teil im Jahr ein. Wir sind vier Monate mit den drei Krimis beschäftigt, die wir pro Jahr drehen. Wenn einer 25 Jahre lang Pförtner oder Herzchirurg ist, spürt er diese Zeit sicherlich stärker.

Nemec: Außerdem haben wir innerhalb der Reihe 72 verschiedene Filme gemacht.

Wachtveitl: Jeder Krimi hat eine andere Stimmung und wirft ein anderes Licht auf die Welt. Da stellt sich keine Gleichförmigkeit ein.

Apropos: Wie sieht’s mit der Routine in Ihrer Partnerschaft aus?

Nemec: Die Beziehung hat in all den Jahren gewonnen. Es gibt ja immer eine gute und eine schlechte Routine. Die gute Routine baut auf einem großen Vertrauen, einem blinden Verstehen auf. Wir können uns mittlerweile beinahe wortlos verständigen und haben immer noch das Bedürfnis, mehr rauszuholen.

Und wie hält man so eine Partnerschaft lebendig?

Wachtveitl: Darauf gibt’s eine einfache Antwort: indem man fremdgeht.

Nemec: Das ist seine Empfehlung! (lacht)

Wachtveitl: Ja, auf unsere Situation übertragen bedeutet das einfach, dass man zwischendrin etwas anderes macht. Lesungen, Musik, selbst schreiben. Andere Projekte halten die Beziehung frisch. Wie das auf die private Situation zu übertragen ist, bleibt jedem selbst überlassen. Manchmal hört man ja auch, dass g’schlamperte Verhältnisse die dauerhaftesten sind.

Nemec: Dem will ich mich jetzt so nicht anschließen. Das sage ich so deutlich, weil meine Frau das vielleicht liest.

Tatort aus München: "Es gab aber auch Sachen, die mich genervt haben"

Welche Eigenheiten können Sie nur unter Aufbietung aller Kräfte beim anderen tolerieren?

Wachtveitl: Da fallen mir mittlerweile keine mehr ein. Es gab mal eine Zeit, in der wir uns mehr auf die Nerven gegangen sind. Aber auch wir sind älter geworden und haben gelernt, Rücksicht zu nehmen. Ich beispielsweise hatte mal eine lange Phase, in der war ich grundsätzlich in der ersten Tageshälfte schlechter Laune.

Warum?

Wachtveitl: Das hatte oft mit den Drehbüchern zu tun. Wenn die nicht so waren, wie ich es mir vorgestellt habe, bekam ich schlechte Laune.

Nemec: … und es hat damit zu tun, dass du ein Nachtmensch bist. Er lamentiert am Set gern: Mein Gott, Miro, warum bist du denn schon wieder so fröhlich?

Wachtveitl: Ja, ich konnte mich noch nie damit anfreunden, um 6 Uhr aufzustehen.

Nemec: Ich auch nicht, aber wenn ich an den Drehort komme und mich auf die Arbeit freue, dann kann man mit mir Spaß haben, egal zu welcher Uhrzeit.

Wachtveitl: Es gab aber auch Sachen, die mich genervt haben. Der Miro hatte früher etwas in den Vordergrund Drängendes.

Nemec: Stimmt. Das ist mir bewusst.

Wachtveitl: Das ist ja auch ein Stück weit Voraussetzung für die Schauspielerei, aber wenn’s zu viel ist, wird’s lästig. Klar wollten wir beide ausreichend in den Filmen vorkommen …

Nemec: … Aber das haben wir unter uns gut gelöst. Da kommt einem das Alter entgegen, die Bereitschaft, auf den anderen einzugehen und sich selbst zu reflektieren. Wir können heute gut zusammenarbeiten. Und wenn wir privat Zeit verbringen, ist es angenehm, dass wir immer Themen finden, über die wir diskutieren können.

Wachtveitl: Privat spricht er auch viel flüssiger, als wenn er gelernte Texte aufsagt. Das sind so Kleinigkeiten, die aber nur mir auffallen … (lacht)

Sie teilen sich am Set ein Wohnmobil. Wer ist denn der Ordentlichere von Ihnen beiden?

Nemec: Ich!

Wachtveitl: Miro!

Nemec: Meine kleine Tochter Mila räumt auch gern auf. Da sagt meine Frau immer: Schau an, das hat sie von dir.

Wachtveitl: Noch ein paar Jahre, und sie kann bei uns im Wohnmobil aufräumen. (lacht).

Wer sitzt bei Dienstfahrten öfter hinterm Steuer?

Nemec: Niemand. Wir versuchen es wirklich gerecht zu machen und uns abzuwechseln.

Tatort aus München: Früher wurden noch Häuser eingerissen

Und wer fährt besser?

Wachtveitl: Wenn man es daran misst, wer seltener in Konflikt mit der Straßenverkehrsordnung gerät, dann bin das wohl ich.

Nemec: Na komm, ich hatte nur einmal ganz am Anfang bei den Dreharbeiten ein kleines Malheur. Da war Winter, und die Kamera war außen am Auto befestigt. Wir fuhren durch eine nicht gesperrte Straße. Die Klimaanlage war aus, wegen der Störgeräusche, und die Scheiben waren komplett beschlagen. Dazu noch die ganzen Lampen und Aufheller, na ja, auf jeden Fall habe ich ein Auto touchiert.

Wachtveitl: Touchiert?

Nemec: Ja. Touchiert.

Wachtveitl: Es wurden Häuser eingerissen! Damals hatte das Fernsehen noch das Geld, solche Schäden zu bezahlen!

Gab’s Momente in Ihrer „Tatort“-Ehe, in denen Sie an Trennung gedacht haben?

Nemec: Ja.

Wachtveitl: Das war ziemlich am Anfang. Da hat sich Miro zurückgesetzt gefühlt und angekündigt aufzuhören, aber ich glaube, dass war eher eine taktische Drohung.

Nemec: Meinst du? (lacht)

Wachtveitl: Ja, und einmal gab’s ’ne echte Krise, die mit der Qualität eines Buches und dem Umgang damit zu tun hatte. Dabei wollen wir es belassen.

Nemec: Es geht beim Hinwerfen ja auch immer um die Frage: Hab ich Existenzangst oder hab ich keine? Und ich kann für mich nur antworten: Ich hab sie. Sie steckt in mir. Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass ich meine Familie ernähren will, aber das ist nicht das entscheidende Argument. Ich habe Angst, und ich will für mich Arbeit haben. Da sind Udo und ich unterschiedlich: Er ist freier …

Wachtveitl: Es geht dir auch um das Bedürfnis nach Anerkennung. Die ist dem Miro wahrscheinlich ein bisserl wichtiger als mir. Schau, du bist mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen und warst der Miroslav Jugoslav, einer, der sich seinen Platz erkämpfen musste. Ich war halt hier und gehörte ganz selbstverständlich dazu.

Nemec: Da hast du recht. Dass ich geliebt werden will, dass ich darum sehr gekämpft habe, liegt schon an den Umständen meiner Kindheit. Diese Sehnsucht nach Anerkennung war bei mir sicher stärker.

Wachtveitl: Ich war dagegen schon immer sehr von meinem Vater geprägt, der in mir den Wunsch nach Autarkie geweckt hat. Ich wollte nie abhängig sein: von nichts und niemandem, finanziell nicht und emotional auch nicht. Das war sein Lebensmotto. Das beinhaltet natürlich auch, dass das Gefühl, ein gesichertes Auskommen haben zu müssen, nicht an erster Stelle steht.

Tatort aus München: "Esoterik-Tatort fand ich ganz furchtbar"

Gibt es Eigenschaften, für die Sie den anderen bewundern?

Nemec: Udo hat einen analytischen Denkansatz. Er ist scharf denkend, und das schätze ich sehr. Er ist ein Gerechtigkeitsfanatiker mit einem sehr großen Herzen.

Wachtveitl: Der Miro hat eine große balkanesische Vitalität. Er hat so eine positive Lebensumarmung, und wenn er sich Tiefe gibt, dann weint er manchmal.

Nemec: Ja, das stimmt. Das habe ich in mir.

Wenn der „Tatort“ Ihr Baby ist – gibt es dann schwarze Schafe in der 72-köpfigen Familie?

Wachtveitl: Ja natürlich. Ich kann’s ja sagen: Ich fand den Esoterik- Tatort 'Gesang der toten Dinge' ganz furchtbar. Der Tatort wurde da in jeder Hinsicht als Instrument der Aufklärung verraten, und er war einfach richtig schlecht. Sommernachtstraum war auch grässlich. Als Schauspieler bist du ja in einer anderen Lage als beispielsweise ein Maler: Wenn dem was misslingt, dann schmeißt er es weg. Wenn wir ein schlechtes Buch bekommen, stehen schon die Drehtermine, und eine Menge anderer Leute hängt dran. Dann startest du ein Projekt und weißt: Das wird vermutlich nicht so gut. Hoffentlich täusche ich mich.

Nemec: Da heißt es Augen auf und durch. In so Situationen kannst du nur versuchen, das Beste draus zu machen.

Nach 25 gemeinsamen Jahren: Würden Sie wieder „Ja“ zueinander sagen?

Nemec: Das tun wir bereits wieder Anfang Mai, wenn wir mit den Dreharbeiten zum nächsten Fall anfangen.

Wachtveitl: Für Geld sag ich auch Ja. (lacht)

Falls Sie den Tatort noch nicht gesehen haben: "Mia san jetz da wo’s weh tut" ist bis zu 30 Tagen in der Mediathek der ARD abrufbar.

Interview: Astrid Kistner, Stefanie Thyssen

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