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An diesem Sonntag: Tatort von der Wiesn

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Von: Stefanie Thyssen

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Wiesn-Stimmung: Wachtveitl (l.) und Nemec. © BR

München - Das Oktoberfest ist laut, bunt, überbordend – und im neuen Tatort aus München mörderisch! Zum ersten Mal in ihrer fast 25-jährigen Karriere als Kommissare in der ARD-Reihe ermitteln Ivo Batic und Franz Leitmayr an diesem Sonntag mitten auf dem größten Volksfest der Welt.

Die Episode "Die letzte Wiesn" von 2007 spielte zwar während der Wiesn-Vorbereitungen, doch dieses Mal geht es erstmals wirklich rein ins wahnwitzige Treiben – und dabei kann einem Angst und Bange werden.

Leitmayr meidet die Wiesn seit Jahren und will auch heuer in die Toskana abdampfen. Italien-Wochenende statt Italiener-Wochenende sozusagen. Doch auf dem Weg in die Ferien findet der Kommissar einen Wiesn-Besucher, der – offensichtlich völlig zugedröhnt – auf dem U-Bahnsteig am Boden liegt und so gar nichts mehr mitbekommt. Sein Portemonnaie liegt neben ihm, Leitmayr steckt es ihm zurück in die Jackentasche, entscheidet sich dann aber doch, den nächsten Zug zu nehmen und den Mann zurück zulassen. In der Toskana dann der Anruf: Der Typ vom Bahnsteig ist tot. Leitmayr wird zurückbeordert, weil sich seine Fingerabdrücke auf der Geldbörse des Toten finden. Das war’s also mit dem Urlaub.

Nach der Obduktion stellt sich heraus, dass der Tote, ein Italiener, nicht nur Alkohol im Blut hatte, sondern vor allem die Droge GHB, Liquid Ecstasy, eine unter Umständen tödliche Mischung. Und: Er soll nicht das einzige Opfer bleiben – immer mehr Männer fallen im (fiktiven) Amperbräuzelt mit GHB im Blut von der Bierbank. Für Batic und Leitmayr beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit – und gegen die Profitgier von Freistaat und der Wiesn-Wirtin Moosrieder (Gisela Schneeberger), die sich lange, lange weigern, das Zelt dichtzumachen. „Sechs Millionen Besucher, über eine Milliarde Umsatz“ – da hat es selbst ein Todesfall schwer als Argument.

"Die gmahde Wiesn" ist ein durchaus mutiger, bis zuletzt spannender Krimi, der diesen ganzen Wiesn-Wahnsinn, diesen Ausnahmezustand, dieses kollektive Massenbesäufnis erschreckend großartig einfängt. Gisela Schneeberger ist als durchtriebene Wiesn-Wirtin überragend, Wachtveitl und Nemec ebenfalls in Höchstform und Mavie Hörbiger als Wiesn-Bedienung, die auch noch das Herz von Kommissar Leitmayr berührt, eine absolute Top-Besetzung. Ein überzeugender Tatort – auch wenn man danach lieber ins Bett als auf die Wiesn geht. Einen Kater hat man so oder so.

Tatort-Kommissare im Wiesn-Verhör

Herr Wachtveitl, Herr Nemec, welche Erinnerungen haben Sie an Ihren allerersten Wiesn-Besuch? 

Udo Wachtveitl: Ich weiß nicht, ob es die erste war, aber ich war noch sehr klein und habe ein Vogelpfeiferl gekriegt, konnte ihm sogar nach einigen Mühen Töne entlocken. Und was passiert? Nach einem Tag war das Pappendeckel-Halteplättchen weggelutscht. Ich war so enttäuscht.

Miroslav Nemec: Ich habe als Jugendlicher mit Freunden nach der Wiesn im Schlafsack unter den Bänken übernachtet. Am Morgen kam dann die Polizei mit Hunden und hat uns geweckt. Das war schon nicht so lustig, in eine Hundeschnauze zu schauen.

Gehen Sie heute gern auf die Wiesn oder meiden Sie München in den entsprechenden zwei Wochen?

Wachtveitl: Auf die Oide Wiesn geh ich ganz gern. Tagsüber vorzugsweise. Bei ein paar von den ausgestellten historischen Autoscootern denke ich mir, den könnte ich vielleicht damals gefahren haben. Ein gemischtes Gefühl.

Nemec: Man muss München nicht meiden, wenn man nicht auf die Wiesn gehen will. Das ist zum Beispiel in Köln während des Karnevals anders, da ist die ganze Stadt involviert.

Wann haben Sie zuletzt auf einem Biertisch gestanden und einen Wiesn-Hit geschmettert?

Wachtveitl: In einem früheren Leben.

Nemec: Das muss in einem anderen Leben gewesen sein.

Wachtveitl: Dann warst du das, neben mir.

Wie würden Sie jemandem, der noch nie etwas von der Wiesn gehört hat, die Veranstaltung beschreiben?

Wachtveitl: Für die klassisch Orientierten: Wein, Weib und Gesang. Geschlechtsneutraler und neuzeitlicher formuliert: Sex & Drugs & Rock’n’Roll. Legale Drogen, versteht sich.

Nemec: Volksfest XXL.

Sie haben für den Tatort, der am Sonntag läuft, zum ersten Mal auf der Wiesn gedreht. Wie war das?

Wachtveitl: Dafür gibt es nur eine passende Bezeichnung: Guerilla-Dreh.

Nemec: Es reicht als Erfahrung.

„Tatort“, So.,

20.15 Uhr, ARD

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