Jubiläumskrimi mit Batic und Leitmayr aus dem Milieu

Der Tatort München im Faktencheck

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Batic (Miro Nemec, rechts) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ­ermitteln im Milieu.

München - Die 72. Folge des Münchner Tatorts mit den Kommissaren Batic und Leitmayr hatte es in sich. In der tz beantwortet Bernhard Feiner die wichtigsten Fragen zum Tatort. Der 51-Jährige ist Erster Kriminalhauptkommissar bei der Münchner Polizei.

Leicht haben es Batic und Leitmayr den Zuschauern mit ihrem Jubiläumsfilm nicht gemacht. Die 72. Folge in 25 Jahren forderte einem alles ab, was man an Konzentration und Kombinationsgabe aufbieten kann. Wer dranblieb an diesem Fall, bei dem sich die Ermittler eigentlich besser rausgehalten hätten, wurde aber belohnt. "Mia san jetz da wo’s weh tut" war ein ­packender Film. Brutaler als die meisten Episoden aus München, ja, aber selbst hier hat das Milieu eben nichts ­Gemütliches, auch wenn der von Robert Palfrader großartig gespielte Kiezkönig das gerne glauben machen wollte. Überhaupt die „Nebenrollen“, wenn man sie denn so nennen möchte: Die Angst und die Verzweiflung, mit der die erst 19-jährige Berlinerin Mercedes Müller die Rolle der ­rumänischen Prostituierten Mia spielte, und mit wie viel Sensibilität der 24-jährige Max von der Groeben den unsterblich verliebten ­Wäschereifahrer gab – das war schon allerhand.

Tatort München: Mia san jetz da wo’s weh tut

In der tz beantwortet Bernhard Feiner die wichtigsten Fragen zum Tatort. Der 51-Jährige ist ­Erster Kriminalhauptkommissar bei der Münchner Polizei.

Im Film ist von einem „Münchner Modell“ für Prostituierte die Rede. Was steckt dahinter?

Bernhard Feiner, Erster Kriminalhauptkommissar aus München, erklärt: „Der Begriff ,Münchner Modell‘ ist nicht explizit definiert. Er beschreibt aber die Arbeit der Münchner Polizei im Rotlichtmilieu. Dazu gehört zum Beispiel die klar definierte Sperrbezirksregelung, die in bestimmten Vierteln Prostitutionshandlungen verbietet. Oder die Tatsache, dass wir den legal arbeitenden Prostituierten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ebenso gehört bei allen Milieuzugehörigen die Verfolgung von Straftaten und die Überwachung von Vorschriften dazu.“

Wie viele Bordelle gibt es in München?

Feiner: Im Bereich des Polizeipräsidiums München gibt es derzeit 185 legale Prostitutionsbetriebe mit ca. 2800 Prostituierten jährlich. Im Jahr 2015 waren rund 15 Prozent deutscher Abstammung. Die meisten Pros­tituierten kommen aus Rumänien, ihr Anteil liegt bei ca. 33 Prozent.

Melden sich Prostituierte tatsächlich wie im Film erklärt bei der Polizei, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen?

Feiner: „Durchaus. Etwa 92 Prozent der in München arbeitenden Prostituierten kommen vor ihrem Arbeitsantritt zum K 35 und melden sich hier an. Dann werden Hintergründe erfragt, Hinweise auf eine eventuelle Nicht-Freiwilligkeit überprüft sowie Hilfsangebote unterbreitet. Diese Verfahrensweise dürfte in Deutschland wohl einmalig sein.“

Nach dem „Tatort“ konnte man den Eindruck haben, Münchens Rotlicht-Milieu ist fest in österreichischer Hand …

„Überhaupt nicht“, erklärt Bernhard Feiner. „Wir haben bei den Bordellbetreibern eine bunte Mischung: Wir haben sowohl Newcomer aus dem Ausland, die versuchen, hier Fuß zu fassen. Aber auch die Ex-Prostituierte aus Thailand, die etwas in die Jahre gekommen ist und nun ein Bordell betreibt. Und wir haben natürlich auch die alteingesessene deutsche Familie. Diese Vielfalt begrüßen wir sehr, weil es so weniger Abschottung gibt, als wenn alles in einer Hand ist.“ Außerdem passiere es bei so einer bunten Mischung eher, dass einer den anderen verpetze. „Davon profitieren wir bei der Polizei dann wiederum.“

Wurde das Leben von rumänischen Prostituierten im „Tatort“ realistisch dargestellt?

Feiner: „Durchaus. Vor allem die starke Abhängigkeit der Frauen und ihre soziale Isolierung sind treffend beschrieben. Oftmals haben die Prostituierten keinerlei Außenkontakte in München. Sie leben im Bordell und haben dort ihre Ansprechpartner. Viele führen auch ein Doppelleben und halten es vor ihrer Familie geheim, dass sie als Prostituierte arbeiten. Zum Thema realistisch muss ich allerdings auch festhalten, dass solche Exzesse mit so vielen Toten wie in diesem Tatort natürlich nicht an der Tagesordnung sind. Realistisch finde ich dafür wieder die Darstellung, dass die Bereiche Drogen und Prostitution in allen Schichten vorkommen. Das ist die Wahrheit und führt oftmals zu Kettenreaktionen, die man gar nicht absehen kann und teilweise zu dramatischen Folgen für den Einzelnen führen.“

Was ist in dem BR-Krimi noch eher unzutreffend oder unrealistisch?

Feiner: „Es kann schon sein, dass ein Bordellbetreiber und ein Kommissar befreundet sind oder sich von früher kennen wie hier Batic und Harry Schneider. Aber diese Bekanntschaft hätte in Wirklichkeit dazu geführt, dass der Beamte von dem Fall entbunden worden wäre. Und: An einigen Stellen suggeriert der Bordellbesitzer, er sorge für Ruhe im Milieu, mehr oder weniger in Absprache mit der Polizei. Dazu ist zu sagen: Für Ruhe im Milieu sorgen immer noch wir. Eine Zusammenarbeit mit einzelnen Bordellbetreibern ist abwegig.“

Der Fall wurde neu aufgerollt, weil Batic ein Gefühl hatte, das ihm sagte: Hier stimmt was nicht. Ist das realistisch?

Feiner: „So etwas ist möglich, ja. Kriminalistische Erfahrungswerte spielen durchaus eine Rolle in unserem Beruf. Es braucht nicht unbedingt immer eine neue daktyloskopische Spur, also einen Sachbeweis, um einen Fall noch mal neu aufzunehmen.“

"Der Tatort ist ein Rennpferd und kein Ackergaul": Das sagen Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec über ihre 25 Dienstjahre im Interview.

Der Tatort in der Mediathek

Falls Sie den aktuellen Tatort verpasst haben: Die ARD stellt die Folgen bis zu 30 Tagen in der Mediathek zur Verfügung.

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