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"Die letzte Wiesn": So kam der Tatort aufs Oktoberfest

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Von: Stefanie Thyssen

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Tatort Oktoberfest Wiesn
Sportlich: Miro Nemec während der Dreharbeiten zum „Tatort“ auf dem Oktoberfest. Kameramann Moritz Schultheiss filmt die Szene fahrend. © BR

München - Die Münchner Kommissare Leitmayr und Batic ermittelten Sonntag Abend auf der Wiesn. Wir erklären, wie der Tatort aufs Oktoberfest kam.

Millionen Zuschauer sahen Sonntag Abend den Münchner Tatort: Die letzte Wiesn. Ein klasse Krimi, der dieses bunte, aber in jeder Hinsicht eben auch uferlose und mitunter mörderische Treiben schonunglos darstellte. Zum ersten Mal in ihrer 25-jährigen Dienstzeit ermittelten Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miro Nemec) mitten auf dem Oktoberfest. Die tz erklärt, wie der Tatort auf die Wiesn kam.

Produziert haben den Film Max Wiedemann und Quirin Berg (Wiedemann & Berg Film), die bereits für Tatorte aus Weimar und Berlin verantwortlich zeichneten. „Für uns als Münchner war es natürlich eine besondere Freude, dass wir – zum ersten Mal – einen Fall mit Udo Wachtveitl und Miro Nemec drehen“, sagt Quirin Berg im Gespräch mit der tz. Und dann gleich ein Wiesn-Tatort – eine echte Herausforderung, denn die beiden Produzenten, die für ihren Kinofilm Das Leben der Anderen (2006) mit dem Oscar ausgezeichnet wurden, wollten auf jeden Fall an Originalschauplätzen drehen, statt ein Oktoberfestzelt irgendwo am Stadtrand ­aufzubauen. „Wir haben das geprüft, aber es hätte keinen Sinn gemacht“, so Berg. Ein Wiesn-Zelt habe einen ganz bestimmten Charakter. „Den wollten wir unbedingt authentisch ab­bilden.“

Also ging die Suche nach einem Partner los. „Wir haben unser Vorhaben mit verschiedenen Wirten besprochen“, erinnert sich Berg. Die meisten hätten Interesse gezeigt und auch eine „Grundbegeisterung“ für den Tatort auf dem Oktoberfest. „Am Ende hat das Winzerer Fähndl unsere Anforderungen am besten erfüllt und wir sind sehr dankbar, dass wir dort drehen konnten.“

Wirt Peter Pongratz war tatsächlich angetan von der Idee (siehe Interview unten). Dennoch: Im laufenden Wiesn-Betrieb konnte der Film nicht gedreht werden. Das hätte bedeutet, dem Zelt einen entsprechenden Ausfall zahlen zu müssen. Schließlich hätte man einen nicht unwesentlichen Bereich auf dem Oktoberfest absperren müssen. „Wirtschaftlich unmöglich“, wie Berg zugibt. „Es gab im Grunde nur eine Chance, und zwar die letzten zwei Wochen des Wiesn-Aufbaus zu nutzen.“ So wurde es dann auch gemacht. 2014, versteht sich.

Tatort auf dem Oktoberfest: Dreharbeiten nachts auf der Wiesn  

Die Dreharbeiten auf dem Oktoberfest fanden vor allem nachts statt, von 20 Uhr bis

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Schwierige Ermittlungen: Ivo Batic (Miro Nemec) im fiktiven Amperbräu-Festzelt. © BR

6 Uhr am Morgen. Rund 100 bis 120 Komparsen waren im Einsatz (darunter auch echte Mitarbeiter des Zeltes), die so platziert und von der Kamera eingefangen wurden, dass im fertigen Film nicht zu sehen war, dass der Rest des Zeltes völlig leer war. Die Bilder dagegen, die die Atmosphäre im Zelt aus der Totalen einfangen, wurden im echten Betrieb gedreht. 8450 Personen – so viele passen in das Zelt – hätte man schlicht nicht als Komparsen besetzen können. Einzelne Personen, betont der Bayerische Rundfunk im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte, seien „nahezu nicht erkennbar“.

Einige wenige Szenen auf dem Oktoberfest mussten allerdings doch im laufenden Wiesn-Betrieb gedreht werden, etwa wenn Batic und Leitmayr während ihrer Ermittlungen durch die Massen gehen und nach Verdächtigen suchen. Udo Wachtveitl hatte im tz-Interview schon von einem „Guerilla-Dreh“ gesprochen, und in der Tat war dieser eine Drehtag auch von Produktionsseite her nicht ohne Schwierigkeiten. „Udo Wachtveitl und Miro Nemec sind sehr populär und jedes Mal, wenn die beiden im Zelt durch die Menge liefen, bildete sich sofort eine Traube von Menschen“, erzählt Quirin Berg mit einem Schmunzeln. „Da mussten wir dann in unmittelbarer Nähe der beiden Komparsen einsetzen, die die Masse gewissermaßen abgeschirmt haben. Denn wenn man eines beim Drehen nicht gebrauchen kann, ist das Chaos.“ Gekostet hat dieser Wiesn-Tatort trotz des großen Aufwands übrigens nicht mehr als andere Filme der Krimireihe.

Tatort auf dem Oktoberfest: Diese Bedingungen stellten die Wiesn-Wirte

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Drehort Marienplatz: Leitmayr (Udo Wachtveitl) will eigentlich in die Ferien abhauen, da findet er einen Italiener, der nicht mehr Herr seiner Lage ist. © BR

den Bedingungen, die gesetzt wurden, gehörte freilich, dass das Festzelt von Peter Pongratz nicht als Winzerer Fähndl zu erkennen war. Im Film hieß es denn auch Amperbräu-Festzelt. Wie überhaupt die Geschichte – ein junger Mann kippt Wiesn-Besuchern eine flüssige Droge ins Bier, einer stirbt – frei erfunden ist und auch jede Ähnlichkeit mit echten Menschen … Sie wissen schon. Man mag sich auch gar nicht ausmalen, dass es wirklich einen Dezernatsleiter bei der Münchner Polizei gibt, der – wie im Film – während der Wiesn völlig betrunken unter seinem Wohnzimmertisch liegt. Oder wer von den echten Wirten auf dem Oktoberfest so eiskalt und berechnend ist wie Frau Moosrieder, großartig gespielt von Gisela Schneeberger. Dann würde man vielleicht wirklich nicht mehr auf die Wiesn gehen wollen – vorausgesetzt, man hätte nach diesem Tatort mit den vielen (Bier-)Leichen überhaupt noch Lust dazu.

Pongratz: Darum durfte der BR bei mir auf dem Oktoberfest den Tatort drehen

Peter Pongratz ist der Wirt des Winzerer Fähndl – dem Festzelt,

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Peter Pongratz. © Jantz

wo der Wiesn-Tatort von gestern Abend gedreht wurde. Wir erreichten den 68-Jährigen mitten in den Vorbereitungen zum Oktoberfest 2015 am Freitagnachmittag.

Herr Pongratz, als der Bayerische Rundfunk Ihnen im vergangenen Jahr die Idee eines Wiesn-„Tatorts“ präsentierte, haben Sie sofort zugesagt – wa­rum?

Peter Pongratz: Das hat sich einfach so ergeben. Bei uns im Paulaner am Nockherberg wurde auch schon gedreht, ich finde, das ist für uns eine tolle Sache.

Sind Sie „Tatort“-Fan?

Pongratz: Ja sowieso! Der Tatort ist doch das einzig Wahre, was im Fernsehen läuft. Ich schaffe es allerdings nie, die Filme am Sonntagabend um 20.15 Uhr anzuschauen. Da bin ich noch nicht daheim. Gott sei Dank gibt es eine späte Wiederholung bei Einfestival, die schalte ich dann meistens ein.

Konnten Sie den „Tatort“, der in Ihrem Zelt gedreht wurde, vorab anschauen?

Pongratz: Nein, ich weiß noch nicht einmal, worum es geht. Dazu hat mir niemand etwas gesagt. Da galt absolute Geheimhaltung. Ich lass mich also überraschen.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Ein Mann kippt Wiesn-Besuchern eine Droge ins Bier, die in Verbindung mit Alkohol sogar tödlich sein kann. Jedenfalls fallen reihenweise junge Männer von den Bierbänken. Ist das eine Angst, die auch Sie umtreibt? 

Pongratz: Wir alle wissen: aufhalten und zu hundert Prozent ausschließen kann man nichts. Wenn einer etwas plant … Aber ich persönlich habe keine Angst oder Bedenken. Bei uns kommt außer den Kellnern niemand an die Schenken. Da wäre es also schwierig, jemandem unbemerkt etwas ins Glas und in unser gutes Bier zu kippen.

Noch eine Frage zum Schluss: Im „Tatort“ schenkt die Bedienung einem bereits stark alkoholisierten Gast nur noch alkoholfreies Bier aus, ohne dass er es merkt. Zum Selbstschutz sozusagen. Ist das eine gängige Praxis? 

Pongratz: Um Gottes Willen nein! Der Gast bekommt selbstverständlich das, was er bestellt hat.

tz-Leser treffen die Tatort-Kommissare auf dem Oktoberfest

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© Bodmer

gehören zu den beliebtesten Ermittlern in der großen Tatort-Familie, für die meisten Münchner sind Udo Wachtveitl und Miro Nemec schlicht die Besten. Entsprechend groß war die Resonanz auf unsere Aktion Auf eine Mass mit Batic und Leitmayr. Zu gewinnen war ein Treffen mit den beiden Schauspielern im Rahmen des Wiesn-Frühschoppens des Bayerischen Fernsehens, der an jedem Oktoberfestsonntag live um 12 Uhr gesendet wird. Sonntag war es schließlich so weit: Die tz-Leser (v. l.) Thomas Salitz (48, Account Manager), seine Frau Maxi (44, Sachbearbeiterin), Christa Itani (58) und Verena Beuter (35, Eventmanagerin, alle aus München) durften bei der Sendung dabei sein und ihre Lieblingskommissare kurz kennenlernen. „Ein super Erlebnis“ – da waren sich alle einig. Den Tatort auf dem Oktoberfest vom Sonntag konnten die vier aber nicht „live“ im TV anschauen, sie sind auch große Wiesn-Fans und waren in den Zelten unterwegs. Programmiert war der 70. Fall von Batic und Leitmayr aber natürlich bereits Sonntag Morgen.

Stefanie Thyssen

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