Premiere für Nürnberg

Franken-Ermittler legen los - die Neuen am "Dadord"

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Das Tatort-Team aus Franken ermittelt am Sonntag in ihrem ersten Fall.

Nürnberg - Es hat lange gedauert bis der erste Franken-Tatort gedreht wurde. An diesem Sonntag feiern die Kommissare Voss und Ringelhahn Premiere. Wir stellen das "Dadord"-Team vor.

Max Färberböck ist der Regisseur des "Tatort" in Nürnberg.

Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit beim BR zum ersten Mal laut über einen Franken-Tatort nachgedacht wurde – an diesem Sonntag lösen Fabian Hinrichs als Hauptkommissar Felix Voss und Dagmar Manzel als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn nun endlich ihren ersten Fall in Nürnberg: Sie müssen den Mord an einem Professor aufklären. Der Mann wurde beim Liebesspiel in seinem Auto per Kopfschuss getötet. Der Himmel ist ein Platz auf Erden ist ein richtig guter Krimi, der vor allem von seinen herausragenden Darstellern lebt: Fabian Hinrichs (er spielte 2012 im Münchner Tatort: Der tiefe Schlaf eindrucksvoll den Assistenten Gisbert) und die Berliner Theater-Größe Dagmar Manzel verstehen ihr Handwerk und geben zwei angenehm normale Ermittler, die keine Krankheiten oder andere Dramen brauchen, um irgendwie besonders zu sein. Sie sind es auch so. In der tz stellt Max Färberböck, der mit Catharina Schuchmann das Drehbuch für den ersten Franken-Tatort geschrieben und auch Regie geführt hat, das neue Team vor.

Provokant: Hauptkommissarin Paula Ringelhahn

Dagmar Menzel ermittelt als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn.

Paula Ringelhahn stammt aus Brandenburg. Noch vor der Wende ist sie in den Westen gekommen, bei der Mordkommission Franken arbeitet sie schon viele Jahre. „Auch sie ist emotional unaufgeräumt“, sagt Max Färberböck. „Man kann sie nicht genau einordnen. Das war uns wichtig. Keine starken Typisierungen. Ich finde es interessanter, wenn man nicht genau weiß, woran man ist. Menschen sind eben keine Figuren, sondern komplexer.“ Dieses Widersprüchliche in einer Figur verbinde er gewissermaßen mit Dagmar Manzel (56), seit er vor gut 20 Jahren eine Komödie mit ihr gedreht habe: Einer zahlt immer. „Da habe ich sie als Mutter besetzt, die den Anschluss ans Leben verloren hat, aber nach außen hin prahlt wie sonst was“, erinnert sich Färberböck. „Das hat Dagmar damals wahnsinnig gut gespielt. Und hier im Tatort schafft sie es eben auch, ein Charakter zu sein, der kein Etikett trägt.“ Bei aller Unberechenbarkeit: „Was man sagen kann, ist, dass Paula Ringelhahn eine provokante Ermittlerin ist, die ein loses Mundwerk hat. Und sie ist eine militante Demokratin. Das fand ich schön, denn solche Leute gibt es zu wenig.“ Abgesehen davon hat Paula Ringelhahn ein Problem: Sie leidet unter einer Schießhemmung.

Aus Hamburg: Felix Voss

Fabian Hinrichs tritt als Felix Voss auf.

Hauptkommissar Felix Voss ist Ende 30, in Itzehoe (Schleswig-Holstein) aufgewachsen, war einige Jahre bei der Polizei in Hamburg und kommt nun nach Franken. Als er nach den Gründen für seinen Wechsel nach Nürnberg gefragt wird, antwortet Voss: „Ja, warum nicht Nürnberg?“ – „Das ist ein ziemlich typischer Satz für ihn“, sagt Regisseur Max Färberböck. „Dieser Felix Voss kann auf der einen Seite sehr wortkarg sein und im nächsten Moment loslegen! Er ist eben ein emotional unzuverlässiger Charakter, was bedeutet, dass man bei ihm nie genau wissen kann, wie er auf einen Fall reagiert und wie er privat ist.“ Er sei – übrigens ähnlich wie seine Kollegin Paula Ringelhahn – ein hochexplosiver Charakter, der zugleich sehr einfühlsam sein könne. „Auf jeden Fall ist er – wenn es drauf ankommt – professionell, empathisch und hart in der Sache.“

Gespielt wird er von Fabian Hinrichs (39). „Ich habe ihn oft im Theater gesehen und fand ihn jedes Mal umwerfend“, sagt ­Färberböck und erzählt eine Anekdote: „Ich sitze in der Jury für einen Theaterpreis und habe Fabian vier Jahre lang immer wieder mit neuen Begründungen als Preisträger vorgeschlagen. 2014 hat er dann endlich gewonnen, und als mir die für den Franken-Tatort zuständige Redakteurin Stephanie Heckner Fabian Hinrichs als Kommissar vorschlug, habe ich natürlich ­keine Sekunde gezögert“.

Klug und handfest: Kommissarin Wanda Goldwasser

Eli Wasserscheid spielt Kommissarin Wanda Goldwasser.

Während die beiden Hauptkommissare keine Franken sind, hat Max Färberböck die drei Kollegen im Team mit „Einheimischen“ besetzt. „Das war absolut klar, dass das so sein würde“, sagt der Regisseur. Aber er habe auch darauf geachtet, dass der Dialekt nicht überbetont werde. „Ich wollte nicht auf die folkloristische Trommel schlagen“, so Färberböck. „Die Sprache sollte eine Selbstverständlichkeit haben.“ Über die von Eli Wasserscheid (Jahrgang 1978) gespielte Bamberger Kommissarin Wanda Goldwasser sagt er, sie sei eine ziemlich kluge und handfeste Figur. „Sie lebt nach dem Motto ,Hier und jetzt‘, das mag ich.“ Außerdem sei sie durchaus sexuell aktiv. „Erotik ist besser als keine“, sagt Färberböck und lacht.

Der Ruhige: Kommissar Fleischer

Kommisar Fleischer wird von Andreas Leopold Schadt gespielt.

Sebastian Fleischer ist in Hof aufgewachsen und der Typ Kommissar, der gern zuverlässige Arbeitszeiten mag. „Ich hatte An­dreas Leopold Schadt vor einiger Zeit in einem Miniclip gesehen. Da spielte er einen Typen, der in der Garage steht und so vor sich hin labert“, erzählt Max Färberböck. Danach wollte er ihn unbedingt für den Franken-Tatort besetzen. „Das Casting mit ihm habe ich nach zwei Minuten abgebrochen. Ich habe zu ihm gesagt: ,Du bist ein toller Schauspieler.‘ Und dann ­erzählte er mir, dass er aufgehört habe mit der Schauspielerei und jetzt als Therapeut arbeite – weil er keine Angebote hatte. Das muss man sich mal vorstellen!“ Färberböck ist sich sicher: „Das wird sich nach unserem Film ändern.“

Lässig: Der Schatz von der Spusi

Der Kabarettist Matthias Egersdörfer wird Leiter der Spurensicherung sein.

Als Leiter der Spurensicherung war zunächst der Kabarettist Frank-Markus Barwasser vorgesehen. Doch dann gab es Terminschwierigkeiten, Matthias Egersdörfer (45) sprang ein. „Ihn hatte ich sowieso schon im Visier für diese Rolle. Nach der Absage von Frank-Markus Barwasser haben wir ihn gefragt und es hat sofort gepasst“, erinnert sich Färberböck. „Michael Schatz ist ein Typ, der die unmenschlichsten Dinge in sehr einfache Worte packt, und so, wie Egersdörfer ihn spielt, hat es genau die Lässigkeit, die wir uns für diesen Charakter gewünscht haben.“

Stefanie Thyssen

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