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"Tatort" mit Tech-Nick als blutigem Rächer

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Simon Amstad (Antoine Monot Jr.) kennt das Schicksal seiner Frau Karin (Sarah Hostettler). © Daniel Winkler/ARD Degeto/dpa

München - Tatort-Fans können aufatmen. Die Sommerpause ist vorbei. An diesem Sonntag gibt es wieder frisches Blut. Und das gleich in erheblichen Mengen. Außerdem erfahren Sie, was das kommenden Tatort-Jahr noch alles in petto hat.

Mit simplen Kopfschüssen haben sich die Schweizer Tatort-Macher – von der deutschen Kritik gern als Langweiler verspottet – nicht zufriedengegeben. In Ihr werdet gerichtet reißt der Täter seine Opfer mit abgefeilten Projektilen von den Beinen, die Fachleute als Deformationsmunition kennen – und der Laie als Dum-Dum-Geschoss.

Im Mittepunkt steht der kaltblütige Heckenschütze Simon Amstad – intensiv und mitfühlend gespielt von Antoine Monot Jr., dem „Tech-Nick“ aus der berühmten Saturn-Werbung. Er sorgt in Luzern für Angst und Schrecken, knallt erst zwei albanische Autohändlern mit seinen Wuchtgeschossen die Schädeldecken weg und lässt dann einen reichen Treuhänder in hohem Bogen aufs Pflaster fliegen. Das ist fast schon cooles Quentin-Tarantino-Kino – wenn, ja wenn darauf nicht wieder behäbige Szenen mit bemerkenswert unaufgeregten Dialogen folgen würden.

Gravuren auf den Geschossen, die in den Schädeln der Opfer stecken geblieben sind, bringen die Ermittler Reto Reto Flückinger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) auf die Spur: Jedes ist mit einem Paragrafenzeichen versehen, dem Symbol des Rechts. Und waren nicht alle Opfer selbst Verbrecher, die der Justiz durch die Maschen schlüpfen konnten? Schläger, die einen jungen Mann zum Krüppel gemacht haben. Ein notorischer Raser, der schuld ist am Tod einer Mutter und ihres Kindes. Hier mordet also ein Serienkiller im Namen von Justitia. „Es gibt keine Gerechtigkeit, außer man sorgt für Gerechtigkeit“, erklärt der Rächer sein Tun. Trotz einiger Längen ein sehenswerter Krimi mit Action und Spannung.

„Tatort“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Es wird viel passieren

Die Sommerpause ist beendet. Was das Tatort-Jahr 2015/16 bereit hält – die tz gibt einen kurzen Überblick über Trends, Neueinsteiger und Höhepunkte:

Was hat Helene Fischer mit der neuen „Tatort“-Saison zu tun?

Laut Sonntagskrimi-Experte François Werner von tatort-fundus.de ist Schlagerstar Helene Fischer mit dem Hit „Atemlos“ zum Beispiel im Frankfurter Krimi Hinter dem Spiegel zu hören, dem zweiten mit Margarita Broich und Wolfram Koch (13. September). Außerdem läuft „Atemlos“ auch im Münchner Oktoberfest-Krimi Die letzte Wiesn (20. September). Nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist Helene Superstar beim Gastauftritt als Darstellerin in der Doppelfolge mit Til Schweiger als Ermittler Nick Tschiller, die an zwei Sonntagen hintereinander (voraussichtlich 22. und 29. November) läuft. Die Titel der Krimis: Schwarzer Ritter und Fegefeuer.

Was steht im Jahr 2016 an?

An Neujahr kommt wahrscheinlich der Kieler Tatort mit dem Comeback des Psychopathen Kai Korthals (Lars Eidinger). Er machte den Kommissaren Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) bereits 2012 in dem sensationell beklemmenden Film Borowski und der stille Gast bereits als mordender Postbote zu schaffen machte.

Außerdem soll der zweite Franken-Tatort mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs laufen sowie der dritte Weimar-„Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner. Außerdem wird wohl ein Militär-Tatort mit dem Titel Heimatfront mit Maria Furtwängler ins Programm genommen.

Wann kommt die nächste Krimikomödie aus Münster?

Auch wenn Til Schweiger eifrig dran sägt: Auf dem Quotenthron der aktuellen Ermittler sitzt das Münster-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers als Kommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne. Voraussichtlicher Sendetermin ihres nächsten Falls rund um eine Psychiatrie (Schwanensee): der 8. November.

Wird der „Tatort“ jetzt zu einem cineastischen Ereignis?

Zweimal wandert das Fernsehformat Tatort in den kommenden Monaten ins Kino. Laut NDR können Fans den Krimi Verbrannt mit Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller vor der für 11. Oktober geplanten Fernsehausstrahlung bereits am 30. September auf großer Leinwand in bundesweit etwa 160 Kinos ansehen. Anfang 2016 kommt dann der Kino-Tatort mit Til Schweiger („Tschiller außer Dienst“, englischer Titel: Nick Off Duty). Im Fernsehen soll er erst 2018 ausgestrahlt werden.

Welche Abschiede stehen an?

Im Laufe des Jahres 2016 wird das Bodensee-Team nach 14 Jahren abgeschafft. Noch drei Krimis mit Hauptdarstellerin Eva Mattes sind bis dahin zu sehen, der erste davon wohl am 13. Dezember (Côte d’Azur). Wann der letzte Konstanz-Tatort läuft, ist noch unklar.

Starten diese Saison neue Teams?

Das neue, junge, sehr weibliche Tatort-Team vom MDR – künftig in Dresden statt wie bisher in Leipzig – soll im ersten Halbjahr 2016 TV-Premiere haben: die Schauspielerinnen Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase. Den Kommissariatschef spielt Martin Brambach.

Zunächst einmalig und wahrscheinlich zu Ostern läuft wohl der kürzlich vom SWR angekündigte Event-Tatort aus Freiburg mit Heike Makatsch. Ihre Ermittlerfigur kehrt als „verlorene Tochter“ in ihre badische Heimatstadt zurück.

Welcher „Tatort“ wird der außergewöhnlichste der kommenden Monate?

Das Potenzial für besonders viel Aufsehen hat Wer bin ich? mit Ulrich Tukur als Felix Murot (voraussichtlich am 27. Dezember). Der Film wird ein Tatort im Tatort – sehr selbstbezüglich und amüsant. Die Handlung in Kurzform: Bei Tatort-Dreharbeiten kommt es zu einem Mord – und auch Tatort-Star Tukur gerät unter Verdacht. In dem an Fellinis Achteinhalb von 1963 angelehnten hessischen Krimi gibt es auch ein Wiedersehen mit Martin Wuttke, dessen Leipziger Tatort im April endete.

Gregor Tholl

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