Seltene Ausnahme

Kein Tatort: ARD warf Klassiker am Sonntag aus dem Programm

Feature 50 Jahre Tatort Archivbild
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Der Tatort ist seit über 50 Jahren eine feste Instanz im deutschen Fernsehen. Am Sonntagabend fliegt er jedoch aus dem Programm (Symbolbild).

Am Sonntagabend fiel der „Tatort“ im Ersten aus. Es ist das dritte Mal in dieser Saison, dass die beliebte Sendung aus dem Programm fliegt.

Berlin - Der „Tatort“ ist seit über 50 Jahren eine echte Instanz im Ersten Deutschen Fernsehen. Insgesamt 24 Teams ermitteln in verschiedenen Städten, darunter Köln, München, Mainz, Weimar, Münster und Zürich. Doch wer an diesem Sonntagabend um 20.15 Uhr das Erste einschaltete, bekam etwas ganz anderes zu sehen.

Tatort: Meistgesehene Sendung des Jahres

Nicht selten beginnt der Smalltalk im Büro am Montagmorgen mit der Frage: „Und? Hast du den Tatort gesehen?“ Die Einschaltquoten dieses Klassikers können sich auch nach 50 Jahren noch sehen lassen. Im Durchschnitt hat die Sendung rund 8,5 Millionen Zuschauer. 2020 war der „Tatort: Es lebe der König“ mit 13,78 Millionen Zuschauern die meistgesehene Sendung des Jahres. Der Fernsehklassiker überholte bei der Einschaltquote im Jahr 2021 sogar wichtige politische Formate wie etwa das Triell. Der Endstand: Den Tatort sahen über sieben Millionen Menschen, das Triell hatte etwa fünf Millionen Zuschauer.

Wenn man wissen will, wer genau zuschaut, lohnt ein Blick in die Altersgruppen. Die jüngere Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schaltete den Tatort etwas seltener ein: Jeder Vierte wollte das Triell sehen, den Tatort verfolgten hingegen nur 16 Prozent – und damit etwa jeder Fünfte. So oder so sind es jeden Sonntagabend Millionen Menschen, die den Kommissaren bei der Arbeit zusehen. Tatort-Fans wurden am letzten Wochenende allerdings enttäuscht.

Deshalb fliegt der Tatort am Sonntagabend aus dem Programm

Was ist eigentlich das Besondere am Tatort? Für jeden ist das wohl etwas anderes. Die Fälle sind spannend und die Kommissare kämpfen für Gerechtigkeit. Sie sind dabei nicht perfekt, sondern ringen oftmals mit eigenen Problemen. Doch wenn der Abspann läuft, ist der Fall gelöst und die Welt ein Stückchen besser. Meistens zumindest. In jedem Fall bringt der Tatort Routine und ein Stückchen Geborgenheit in deutsche Wohnzimmer. Das ergab auch eine Untersuchung des Forschers Stefan Scherer und eines Teams der Universität Göttingen. TV-Ritual statt TV-Sendung also.

Die Lieblingssendung der Deutschen fiel in dieser Saison bereits zweimal aus: Einmal für das Triell zwischen den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne). Ein zweites Mal nahm die ARD die Sendung für eine Berichterstattung über die Bundestagswahl aus dem Programm. Nun müssen sich Tatort-Fans erneut eine Woche länger gedulden, bis sie die Kommissarinnen Karin Gorniak und Leonie Winkler in Dresden wiedersehen.

Der Grund: Am 10. Oktober 2021 übertrug die ARD ab 20.15 Uhr das Finale der Nations League. Das Fußballspiel Spanien gegen Frankreich wurde um 20.45 Uhr angepfiffen, ab 20.15 Uhr begann die Vorberichterstattung. Es bleibt abzuwarten, ob die Einschaltquote einen normalen Tatort-Sonntag überbieten kann. Immerhin war die Partie geschichtsträchtig: Keine der Nationalmannschaften, die in der diesjährigen Finalrunde stehen, gewannen den noch recht neuen Wettbewerb bisher.

Die Tatort-Kommissarinnen aus Dresden ermitteln jedenfalls wieder am Sonntag, dem 17. Oktober. Ab 20.15 Uhr klären sie dann den Tod einer jungen Frau auf, die möglicherweise mit einem neuartigen Gift ermordet wurde.

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