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"Terror - Ihr Urteil": So funktioniert das interaktive TV-Ereignis

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Szene aus "Terror - Ihr Urteil".

München - Darf man 164 Menschen töten, um das Leben von 70.000 Personen zu retten? Darum geht es im Film "Terror", der am Montag in der ARD ausgestrahlt wird. Dabei ist das Urteil der Zuschauer gefragt. Unsere Zeitung erklärt, wie das interaktive TV-Ereignis funktioniert.

Update vom 17. Oktober 2016: Das Urteil der Zuschauer beim interaktiven ARD-Drama "Terror - Ihr Urteil" ist überraschend deutlich ausgefallen. 87 Prozent der Zuschauer plädierten auf unschuldig. Nur 13 Prozent der stimmten für eine Verurteilung des Piloten Lars Koch, der in dem Drama ein von Terroristen entführtes Flugzeug mit Kurs auf die vollbesetzte Allianz Arena abgeschossen hatte.

Ein von einem Terroristen gekapertes Passagierflugzeug steuert geradewegs aufs voll besetzte Münchner Fußballstadion zu. Gegen die ausdrückliche Anordnung seines Vorgesetzten feuert Bundeswehrpilot Lars Koch (Florian David Fitz) eine Rakete auf die Maschine. Er tötet 164 Menschen, um 70.000 zu retten. Darf man das? Leben gegen Leben aufwiegen? Diese Frage stellt Ferdinand von Schirach in seinem erfolgreichen Theaterstück Terror, das Regisseur Lars Kraume fürs Fernsehen adaptiert hat. Herausgekommen ist ein bewegendes ARD-Gerichtsdrama erster Güte, ein interaktives Kammerspiel, bei dem sich der Zuschauer sein eigenes Urteil bilden und auch abgeben kann. Wie das funktioniert – hier die wichtigsten Fakten zu Terror – Ihr Urteil.

Die Geschichte

Luftwaffenmajor Lars Koch (Fitz) steht vor dem Berliner Schwurgericht. Der Abschuss einer Passagiermaschine geht auf seine Rechnung. Denn er war es, der die Rakete gezündet hat, als der Entführer des Flugzeuges drohte, es im Münchner Fußballstadion abstürzen zu lassen. Sein Verteidiger (Lars Eidinger) plädiert auf Freispruch. Koch sei ein Held, einer, der in dieser dramatischen Situation Verantwortung übernommen habe, argumentiert er. Die Anklage der Staatsanwältin (Martina Gedeck) lautet dagegen auf Mord. 164 unschuldige Menschen wurden getötet. Koch habe sich zum Herrn über Leben und Tod gemacht, so ihr Vorwurf.

Die Macher

Ferdinand von Schirach hat mit "Terror - Ihr Urteil" sein erstes Theaterstück geschrieben. „Der Terrorismus ist die größte Herausforderung unserer Zeit, er verändert unser Leben, unsere Gesellschaft, unser Denken“, sagt der Münchner Strafverteidiger und Schriftsteller (Verbrechen; Schuld), den weniger die juristische Frage als die ethisch-moralische Entscheidung interessiert. Sein Theatererstling ist allein in Deutschland bereits an 39 Bühnen zu sehen gewesen. Die TV-Verfilmung hat Oliver Berben mit seiner Firma Moovie produziert.

Die TV-Abstimmung

Einen Abend mit ungewissem Ausgang verspricht die ARD ihren Zuschauern. Denn am Ende sollen sie entscheiden, ob Koch ins Gefängnis gehört oder den Freispruch verdient hat. Per Telefon oder online unter www.daserste.de/hartaberfair erfolgt die Abstimmung: Die Nummern: 0137 / 102 20 01 für schuldig; 0137 / 102 20 02 für unschuldig. Ein Anruf kostet 14 Cent aus dem deutschen Festnetz. Preise aus Mobilfunknetzen können abweichen.

Terror - Ihr Urteil: Zwei Schlussszenen wurden gedreht

Das Urteil

Die ARD hat zwei mögliche Schlussszenen gedreht: den Frei- und den Schuldspruch. Um 21.40 Uhr wird hart aber fair-Moderator Frank Plasberg das Ergebnis der Abstimmung bekannt geben. Die von den Zuschauern gewählte Variante wird um 21.50 Uhr ausgestrahlt. Dann folgt hart aber fair.

Die Diskussion

„Ich freue mich darauf, mit meiner Sendung den Rahmen für die Urteilsverkündung, aber auch für die anschließende Diskussion geben zu dürfen“, sagt Plasberg. Die Verknüpfung von Fiktion und Realität soll die Relevanz des Themas noch verstärken.

Die rechtliche Grundlage

Gut zu wissen: Das Luftsicherheitsgesetz ist ein deutsches Bundesgesetz, das Flugzeugentführungen und terroristische Anschläge verhindern und dadurch die Luftsicherheit erhöhen soll. Am 15. Februar 2006 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Abschuss ziviler Maschinen, der unter dem Eindruck der Ereignisse vom 11. September 2001 erlaubt sein sollte, verfassungswidrig sei. Leben gegen Leben aufzuwiegen, sei mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Menschenwürde ist unantastbar“) nicht vereinbar, so die Begründung.

Die Kritiker

Ferdinand von Schirachs Theaterstück stößt nicht nur auf Begeisterung. Die ehemaligen FDP-Politiker Gerhart Baum und Burkhard Hirsch forderten die ARD auf, das Projekt Terror – Ihr Urteil abzublasen. Ihr Vorwurf: Schirach verfälsche die Wirklichkeit und fordere die Zuschauer auf, Richter zu spielen in einer Sache, die sie für die Wirklichkeit halten, ohne die eigentliche Sachlage zu kennen. Schirach selbst hält den Piloten Lars Koch nach eigener Auffassung übrigens für schuldig.

"Terror - Ihr Urteil" in München

Terror läuft ab dem 10. November auch wieder im Münchner Metropoltheater (alle Termine und Karten unter 089 / 32 19 55 33). Besucher des Stückes müssen sich nach der Pause entscheiden, ob sie durch die „Schuldig“- oder „Unschuldig“-Tür an ihren Sitzplatz zurückkehren. Die Urteile der Theaterbesucher werden deutschlandweit dokumentiert. Das Ergebnis: 60 Prozent der Schöffen plädieren für einen Freispruch.

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