Hier zählt wirklich nur die Stimme

The Voice: Die etwas andere ProSieben-Castingshow

Die Jury der sechsten Staffel "The Voice of Germany": Yvonne Catterfeld (l-r), Michi Beck, Samu Haber, Smudo und Andreas Bourani
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Bei „The Voice“ wählen Jurymitglieder die Kandidaten bei Blind Auditions nur aufgrund der Stimme aus.

The Voice gehört zu den erfolgreichsten Castingshows der Welt. Die deutsche Version The Voice of Germany blickt auf mittlerweile zehn Staffeln zurück und hat zwei Spin-offs geschaffen.

  • The Voice basiert auf einer Idee des niederländischen Fernsehproduzenten John de Mol.
  • Kandidaten werden bei Blind Auditions einzig aufgrund ihrer Stimme ausgewählt.
  • In Deutschland gab es bislang zehn Staffeln der beliebten Show.

Berlin – Sechs Coaches und ganz viel Spannung: Das verspricht The Voice, die Castingshow, die sich von Anfang an von vergleichbaren Formaten wie „The X-Factor“ und „Deutschland sucht den Superstar“ abheben wollte. Zu den erfolgreichsten Gewinnern der Show gehören Auftaktsiegerin Ivy Quainoo, Andreas Kümmert und die spätere ESC-Teilnehmerin Jamie-Lee Kriewitz.

The Voice: Von Holland um die Welt

Die Idee für die neue Show The Voice stammt aus den Niederlanden. Ausgedacht hat sie sich Produzent John de Mol, der in den 90er-Jahren bereits die erste große Reality-TV-Show „Big Brother“ erfunden hatte. Das Konzept basiert auf der Tatsache, dass sich die Kandidaten bei Castingshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ der Jury mit einem Vorsingen präsentierten. Dabei spielt die Optik naturgemäß eine große Rolle, hinter der die Sangeskünste häufig zurücktreten. Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, tun sich schwerer.

The Voice will es darum anders machen: Die erste Auswahl erfolgt bei sogenannten Blind Auditions. Die Jurymitglieder sitzen mit dem Rücken zu den Kandidaten und können diese nur hören. Ihr Erscheinungsbild spielt also keine Rolle. Auch im weiteren Verlauf unterscheidet sich die Show von anderen Formaten: Die Jurymitglieder fungieren als Coaches für die von ihnen ausgewählten Teilnehmer und stehen ihnen beratend zur Seite.

Das Konzept von The Voice schlug weltweit ein. Seit der ersten Ausstrahlung in den Niederlanden 2010 wurde es von Sendern in rund 150 Ländern übernommen. In Deutschland startete die Show unter dem Titel The Voice of Germany im November 2011 auf den beiden Sendern ProSieben und Sat.1. Die Mediengruppe aus München erhoffte sich damit ein Konkurrenzprodukt zu den ungemein erfolgreichen Castingshows von RTL.

The Voice: Der Ablauf der Show in Deutschland

Für die erste Runde der Blind Auditions werden rund 150 Kandidaten in regulären Castings ohne Kamerabegleitung ausgewählt. Die Teilnehmer dürfen sich dann im Fernsehen vor Studiopublikum der Jury präsentieren. Die Aufzeichnungen von The Voice finden im Studio Berlin in Berlin-Adlershof statt.

Die Jurymitglieder, die als Coaches aktiv sein werden, sitzen mit dem Rücken zur Bühne, auf der der Kandidat seinen Song vorträgt. Fühlt sich ein Jurymitglied von einer Gesangsdarbietung angesprochen, drückt es den „Buzzer“ genannten Knopf und dreht sich zur Bühne um. Wenn mehrere Coaches den Buzzer gedrückt haben, darf sich der Sänger seinen Lieblingscoach auswählen, um Teil dessen Teams zu werden. Am Ende sollten jedoch alle Coaches eine etwa gleich große Zahl an Kandidaten betreuen.

Battle Round, Sing Off und Liveshows

In den nächsten Runden verkleinert sich das Teilnehmerfeld allmählich. Zunächst sieben die Jurymitglieder in der Battle Round und beim Sing Off ihre eigenen Kandidaten aus, bis jeweils nur noch drei Teilnehmer pro Coach übrig sind. Diese qualifizieren sich für die Teilnahme an den Liveshows. Seit der sechsten Staffel 2016 bestimmen die Zuschauer zu Hause per Televoting, wer in die nächste Runde kommt. Erst im großen Finale treffen Kandidaten verschiedener Coaches aufeinander und streiten darum, wer sich in diesem Jahr The Voice nennen darf.

The Voice of Germany: die Gewinner bis heute

Nur wenigen Teilnehmern von The Voice of Germany ist nach der Show eine große Karriere gelungen. Ivy Quainoo, Gewinnerin der ersten Staffel, erreichte mit ihrem Debütalbum „Ivy“ den 5. Platz der deutschen Charts und wurde 2013 mit dem Musikpreis Echo als „Beste Künstlerin Rock/Pop national“ ausgezeichnet. Dennoch konnte sie nicht an die ersten Erfolge anknüpfen. Besser lief es für den Drittplatzierten Michael Schulte, der Deutschland 2018 beim Eurovision Song Contest vertrat. Mit seinem Lied „You Let Me Walk Alone“ gelang ihm ein beeindruckender vierter Platz. Auch Max Giesinger, der Viertplatzierte der ersten Staffel, konnte sich dauerhaft etablieren. Sein drittes Album „Die Reise“ erreichte 2018 sogar den zweiten Platz der deutschen Charts.

Für ordentliche Aufregung sorgte Andreas Kümmert, Gewinner der dritten Staffel von The Voice. Der Blues- und Soulsänger entschied das Finale souverän für sich und ging anschließend auf Deutschland-Tournee. Beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2015 in Wien gelang es ihm, mit seinem Lied „Heart of Stone“ 78,7 Prozent der Zuschauerstimmen zu holen. Dennoch lehnte er es ab, Deutschland beim ESC zu vertreten, und überließ sein Ticket für Wien der Zweitplatzierten Ann Sophie.

Mit Jamie-Lee Kriewitz schaffte es 2016 dann doch eine Gewinnerin von The Voice bis zum Eurovision Song Contest. Sie vertrat Deutschland in Stockholm mit dem Titel „Ghost“ und belegte (wie Ann Sophie vor ihr) den letzten Platz.

Alle Gewinner der deutschen Ausgabe von The Voice im Überblick:

JahrGewinnerWinning Coach
2011/12Ivy QuainooThe BossHoss
2012Nick HowardRea Garvey
2013Andreas KümmertMax Herre
2014Charley Ann SchmutzlerMichi & Smudo
2015Jamie-Lee KriewitzMichi & Smudo
2016Tay SchmedtmannAndreas Bourani
2017Natia ToduaSamu Haber
2018Samuel RöschMichael Patrick Kelly
2019Claudia Emmanuela SantosoAlice Merton

Spin-offs für Kinder und Senioren

Das Konzept von The Voice erwies sich als so erfolgreich, dass in den Niederlanden gleich zwei Spin-offs für Kinder und Senioren entstanden. Die Produktionsfirma erhoffte sich damit eine gezieltere Ansprache der drei Generationen. In Deutschland wurden die Spin-offs übernommen und bei Sat.1 ausgestrahlt.

The Voice Kids richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren. Der Zielgruppe entsprechend ist die Show vor allem online beliebt: Der YouTube-Kanal gehört zu den zehn meistabonnierten Kanälen Deutschlands. Seit der Erstausstrahlung 2013 wurden insgesamt acht Staffeln produziert.

2018 kam ein weiteres Spin-off mit dem Titel The Voice Senior für Teilnehmer ab 60 Jahren hinzu. Bislang entstanden zwei Staffeln.

The Voice: Die Coaches

Die Jurymitglieder bzw. Coaches von The Voice wechseln regelmäßig. Rekordhalter ist der Sänger Mark Forster mit insgesamt zehn Teilnahmen, die sowohl The Voice of Germany als auch die beiden Spin-offs umfassen.

Der Sänger Rea Garvey war dagegen am häufigsten bei der Hauptsendung präsent. Insgesamt sechsmal betreute er als Coach diverse Kandidaten. Dabei gelang ihm einmal der Sieg: In der zweiten Staffel setzte sich sein Schützling Nick Howard mit dem Lied „Unbreakable“ durch.

Die Coaches der Hauptsendung im Überblick:

CoachStaffeln
Nena1-3
The BossHoss1-3
Xavier Naidoo1-2
Rea Garvey1-2, 4-5, 9-10*
Max Herre3
Samu Haber3-4, 6-7, 10*
Stefanie Kloß4-5, 10**
Michi & Smudo4-8
Andreas Bourani5-6
Yvonne Catterfeld6-8, 10**
Mark Forster7-10
Michael Patrick Kelly8
Alice Merton9
Sido9
Nico Santos9-10***
Michael Schulte10***

*Rea Garvey und Samu Haber traten als Coach-Duo auf.

**Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß traten als Coach-Duo auf.

***Nico Santos und Michael Schulte waren in der 9. bzw. 10. Staffel als Comeback-Stage-Coaches dabei. Sie coachten Teams aus bereits ausgeschiedenen Teilnehmern, die noch eine Chance in der Show bekommen sollten.

The Voice: Die Moderator*innen

Das Moderationsteam besteht bei The Voice aus einem Moderator im Studio und einer weiteren Moderatorin, die Teilnehmer und Coaches backstage begleitet und interviewt. In der ersten Staffel waren dies Stefan Gödde und Doris Golpashin. Gödde stieg nach der ersten Staffel bereits aus und wurde durch Thore Schölermann ersetzt. Der gebürtige Iserlohner moderiert seither nicht nur The Voice of Germany, sondern auch die Spin-Offs The Voice Kids und The Voice Senior.

Doris Golpashin wurde ab der 5. Staffel durch Lena Gercke, erste Gewinnerin der Castingshow „Germany‘s Next Topmodel“, ersetzt. In der 10. Staffel, die ab Oktober 2020 im Fernsehen ausgestrahlt wird, übernimmt Annemarie Carpendale für ihre Kollegin, solange diese sich in Babypause befindet.

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