„Was ist nur schief gelaufen?“

„Game of Thrones“ und „The Walking Dead“: Wenn Serien ihre Seele verlieren

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Jon Snow - hier als Kunstwerk auf einer Garage - wird von vielen „Game of Thrones“-Fans verehrt.

Spätestens seit „The Wire“ oder den „Sopranos“ sind komplexe,  vielschichtige Serien aus den Wohnzimmer in aller Welt nicht mehr wegzudenken. Nicht nur an einem Abend, sondern über viele Jahre hinweg begleiten Fans ihre Serien-Helden über viele Staffeln hinweg. Neue Maßstäbe setzten vor einigen Jahren „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“. Doch irgendwas läuft bei beiden Serien gerade schief: ein Hilferuf.

Mehr als sieben Jahre sind es mittlerweile. Sieben lange Jahre voller Emotionen, „Oh-mein-Gott“-Momente, Tränen, Staunen und Fürchten. Es ist ein wenig erschreckend, aber irgendwie auch sehr wahr: Die Beziehung zu einer Lieblingsserie steht einer „echten“ Beziehung aus Fleisch und Blut manchmal kaum nach.

Eingefleischte Serienjunkies pumpen ihr ganzes Herzblut in ihren TV-Liebling, lachen mit, weinen mit. Charaktere, die uns über Jahre begleiten, wachsen uns ans Herz. Aber dann ist sie plötzlich da, hat sich langsam angeschlichen und wirft uns völlig aus der Bahn: die Beziehungskrise. 

Irgendwann kann sie doch jede noch so glückliche Paarung ereilen. Ich stecke, wie viele meiner Gleichgesinnten, derzeit in einer heftigen Beziehungskrise mit dem Fantasyepos „Game of Thrones“ und dem Zombieformat „The Walking Dead“. Es tut weh, sehr weh. Unser jahrelanges inniges Verhältnis ist angeknackst. Und ich frage mich immer wieder, wie es nur so weit kommen konnte. 

Fünf Gründe für TWD - die heute kaum noch zu spüren sind:

Ich war all die Jahre treu, habe meine Bildschirmhelden über alles geliebt und konnte ein Wiedersehen nach jeder Staffel kaum abwarten. 

Doch sowohl bei „Game of Thrones“ als auch bei „The Walking Dead“ änderte sich mit der siebten Staffel alles. Klar: Beide sind immer noch so wunderschön anzusehen. Die Bilder sind toll, manchmal fast überwältigend. Aber Schönheit ist eben nicht alles. Unter der hübschen Fassade bröckelt es gewaltig. 

Bildgewaltige Drachen-Action reicht nicht

„Game of Thrones“ hat nicht nur immens unter der verkürzten Staffel mit bloß sieben statt zehn Folgen gelitten. Es wurde nur so durch die Handlung gehechelt, ohne Rücksicht auf zeitliche Logik oder interessante Entwicklungen von Charakteren. 

Hinzu kam, dass zwischenmenschliche Konflikte, hinterhältige Intrigen, packende Dialoge und unvorhersehbare Überraschungsmomente komplett verschütt gingen – für „Game of Thrones“, das wir genau für solche realistischen und unkonventionellen Dinge abseits des Mainstreams lieben gelernt haben, ein absolutes No-Go. 

Stattdessen marschierte die Serie voller Logiklöcher immer mehr in Richtung pure High Fantasy, in der coole Drachen-Action wichtiger ist als ein komplexes Script und schlüssige Charaktermotive. Dazu gab es dann noch die volle Ladung Fanservice, fertig war die siebte Staffel. 

Seit der sechsten Staffel müssen die GoT-Macher nahezu ohne inhaltliche Vorgaben von George RR Martin ihre Geschichte weitererzählen.

Bereits mit Staffel 6 hatten Showrunner David Benioff und D.B. Weiss die Buchvorlage von George RR Martin überholt. In der letzten Staffel zeigte sich dann eindeutig, wie arg überfordert die beiden mit dem komplexen literarischen Stoff sind, wenn sie auf sich allein gestellt etwas schaffen müssen. 

„The Walking Dead“ dreht sich im Kreis

Ähnlich kränkelt „The Walking Dead“. Die Handlung dreht sich seit Staffel 7 gemeinsam mit der aktuellen achten Staffel komplett im Kreis. Der nicht enden wollende Konflikt mit dem Oberschurken Negan und seinen ebenso abgrundtief bösen Saviors ist vor allem eins: ermüdend. 

In der siebten und achten Staffel von „The Walking Dead“ wird viel geschossen. Meistens allerdings auf Negan und seine Saviors.

Lange ist es her, seit „The Walking Dead“ mit dem punkten konnte, was es wirklich kann. Denn am besten war die Serie immer, als die Gruppe um Rick Grimes „on the road“ war, wenn an jeder Stelle Zombiegefahr lauerte und die Atmosphäre einer Apokalypse wirklich zu spüren war. 

Die derzeitige Story zieht sich wie zäher Kaugummi, der Krieg zwischen den „guten“ Communities und den „bösen“ Saviors wird zwanghaft über die achte Staffel ausgewalzt, was sich vor allem in dem dummdämlichen Verhalten vieler Charaktere widerspiegelt. Die Comicvorlage behandelt den Krieg um Negan da doch um einiges besser, Showrunner Scott Gimple und seine teils hanebüchenen Entscheidungen schaufeln „The Walking Dead“ allmählich sein Grab. 

Aufgeben ist auch keine Lösung

„Wenn du es nicht magst, warum guckst du es dann?“ Wie oft wollte ich bei diesem Satz aus den Fangemeinden beider Serien schon die Wand hochgehen. Das alles ist doch kein Grund, einen Schlussstrich zu ziehen und die Scheidung einzureichen. Denn ja: Ich liebe „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ noch immer. Man schmeißt eine so lange Beziehung nicht so einfach weg, wenn es einmal kriselt.

Es ist doch so: Man liebt seinen Partner, auch wenn er einen manchmal zur Weißglut bringt. Und man kann ihn kritisieren, obwohl man ihn liebt. Oder besser WEIL man ihn liebt. Ich möchte, dass es meinen beiden TV-Lieben gut geht. Ich weiß, dass es deutlich besser geht, weil es schonmal deutlich besser ging. 

Die achte Staffel von „The Walking Dead“ regt nicht unbedingt zu Freudenstürmen an.

Leider ist eine Paartherapie bei uns nicht möglich, also lehne ich mich zurück in der stillen Hoffnung, dass wir diese Krise irgendwie überstehen. Letzten Endes liebt man doch seinen Partner, mit all seinen Macken. Auch wenn die einen gelegentlich in den Wahnsinn treiben. 

Alte Liebe rostet auch auf dem Bildschirm nicht. Versuchen wir es doch noch einmal miteinander – bis dass das Serienfinale uns scheidet.

Britta Buntemeyer für kreiszeitung.de

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