Ein mutiger und berührender Film

Transgender-Film: Wenn aus Finn plötzlich Helen wird

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Als aus dem Sohn eine Tochter wird, steht der Vater erst mal unter Schock. In der Schule ist es für Helen, wie Finn nun heißt, auch nicht leicht. Mitschüler gehen ihr aus dem Weg.

München - "Mein Sohn Helen" heißt der Film, der am Freitagabend im Ersten läuft und bewegend, berührend und auch mutig die Geschichte von Finn und Helen erzählt.

Finn ist 17 Jahre alt und das, was man einen total normalen Teenager nennt. Er hängt mit seinen Freunden ab, fährt Skateboard, geht wohl oder übel zur Schule und hat zu seinem Vater Tobias, mit dem er nach dem Tod der Mutter alleine lebt, ein sehr gutes, sogar inniges Verhältnis. Beiden, Vater und Sohn, fällt der Abschied irrsinnig schwer, als Finn eines Tages als Austauschschüler in die USA geht. Nach San Francisco, das war sein großer Traum.

So weit. So gut. So gewöhnlich. Die dicke Überraschung kommt, als Tobias seinen Junior ein Jahr später am Flughafen wieder abholen möchte: Nicht Finn ist zurückgekehrt, sondern Helen – mit langen Haaren, Make-up und Mädchenklamotten. Finn beziehungsweise Helen hatte ein Leben lang das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Im fernen Amerika hat er / sie sich dann entschlossen, zu seinem / ihrem wahren Ich zu stehen und die Veränderung auch äußerlich zu zeigen – geplante Operation inklusive. Mein Sohn Helen (Drehbuch: Sarah Schnier) heißt der Film, der am Freitagabend im Ersten läuft und bewegend, berührend und auch mutig die Geschichte von Finn und Helen erzählt.

Jannik Schümann spielt die Hauptrolle, Heino Ferch den Vater. Beide überzeugen auf großartige Weise. Ferch gelingt es, dass man als Zuschauer jedes (!) Gefühl des Vaters nachvollziehen kann: das schwere Herz, als der Sohn zum ersten Mal für lange Zeit sein Zuhause verlässt, dann den Schock, als klar ist, Finn gibt es nicht mehr, dafür Helen. Fragen wie: Was habe ich falsch gemacht? Was wäre, wenn die geliebte Ehefrau noch da wäre? Hat sie etwas gewusst? Warum habe ich nichts gemerkt? Und schließlich den Mut, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und das Leben von Helen selbstverständlich zu nehmen. Das ist eine Bandbreite an Emotionen, die muss man erst mal darstellen. Ferch schafft es.

Finn (Jannik Schümann) und sein Vater (Heino Ferch) haben ein gutes Verhältnis zueinander.

Und dann Jannik Schümann. „Er ist ein toller junger Kollege“, sagt der „alte Hase“ Ferch im Gespräch mit der tz über den 1992 geborenen Hamburger. Schon bei der ersten Leseprobe habe er gemerkt: „Der weiß, wovon er redet. Der versteht sein Handwerk.“ Und genauso ist es: Schümann schafft die Gratwanderung. Seine Helen ist nie lächerlich oder überzogen. Er spielt die Figur mit ganz viel Würde. „Ich habe ­sofort zugesagt, als das Angebot zu diesem Film kam“, erzählt er der tz. „Wann bekommt man noch mal die Möglichkeit, so eine Rolle zu spielen?“ Allerdings habe er durchaus viel Respekt vor der Aufgabe gehabt. „Gott sei Dank kannte ich den Regisseur (Gregor Schnitzler, Anm. d. Red.), wir haben schon zusammen gearbeitet und haben Vertrauen zueinander. Das hat enorm ­geholfen.“

Vorbereitet hat er sich mit einem Coach und der Biografie eines Transgender. Eine direkte Vorlage für den Film sei deren Geschichte aber nicht gewesen. Und: Jannik Schümann hat vor den Dreharbeiten aufgehört, Sport zu machen. Denn: „Das Schlimmste für Gendermädchen ist ein gut trainierter Bizeps“, sagt der Schauspieler und lacht.

Heino Ferch hat sich von einem Psychologen erklären lassen, wie Eltern damit umgehen, wenn ihr Kind ein Transgender ist. „Bei einigen wird der Kontakt ganz abgebrochen“, weiß der 51-Jährige, selbst Vater von drei Kindern, und fügt hinzu: „Das kann ich nicht verstehen. Kind bleibt doch Kind.“ Aber er sagt auch: „Wie wir alle reagieren würden, das wissen wir erst, wenn es so weit ist.“

„Mein Sohn Helen“, Freitag, 20.15 Uhr, ARD

tz-Stichwort: Transgender

Transsexualität bezeichnet das Gefühl, mit dem ­falschen Geschlecht auf die Welt gekommen zu sein. Betroffene bevorzugen die Bezeichnung Transgender, da diese nicht den Anschein erweckt, es handele sich um ein sexuelles Problem.

Wie viele Transgender es gibt, lässt sich nicht sagen. Schätzungen gehen von 1 zu 1000 bis 1 zu 100.000 Transgender pro Anzahl der Geburten aus. Von den 682.000 im Jahr 2013 in Deutschland geborenen Kindern waren also zwischen sechs und 682 Transgender. Die Stadt München bietet im Rahmen der „Wir sind für dich da“-Aktion zahlreiche Informationen an (wirsindfuerdichda.org).

Stefanie Thyssen

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