“Die Angst wurde mir genommen“

ZDF zeigt emotionale Doku über Chiemgauerin - Sie lebt seit Geburt mit HIV

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„Das war eine sehr wichtige Zeit für mich“: Nach dem Abitur arbeitete Corinne einige Jahre in einem Ferienclub auf der Insel Fuerteventura. Mittlerweile macht sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in Mecklenburg-Vorpommern.

Corinne lernte schon in jungen Jahren, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen muss. Erst nach dem Abitur sprach sie öffentlich über ihre HIV-Infizierung. Nun zeigt eine ZDF-Doku den Weg der Chiemgauerin auf.

München - Schon als kleines Mädchen lernt Corinne, heute 23, ihr Geheimnis gut zu hüten. Sie darf mit niemandem über ihre HIV-Infektion sprechen. Zu groß ist die Sorge ihrer Pflegeeltern, dass sie in ihrer Schule in einem kleinen Ort im Chiemgau ausgegrenzt werden könnte.

Filmemacherin Maike Conway kennt und begleitet Corinne, deren leibliche Mutter früh an Aids starb, seit ihrem achten Lebensjahr. Im Jahr 2015 gab sie der damals 18-Jährigen in der „37-Grad“-Reportage „Niemand darf es wissen“ die Gelegenheit, sich nach dem Abitur zu outen. „Damit wurde mir eine Riesenlast von den Schultern genommen“, sagt Corinne im Gespräch mit unserer Zeitung.

Als Kinderbetreuerin suchte sie danach ihr Glück in einem Ferienclub auf Fuerteventura und fand dort ihre erste Liebe. „Ich lebe positiv“ heißt die neue „37-Grad“-Doku von Maike Conway, die Corinne auf dem Weg in ein neues Leben begleitet hat. Das ZDF zeigt den Film an diesem Dienstag um 22.15 Uhr.

Bereuen Sie es, mit der Wahrheit so lange gewartet zu haben?

Corinne: Nein. Ich würde es immer wieder so machen. Durch die lange Drehzeit im Vorfeld konnte ich mich mental auf die Situation vorbereiten. Das hat mir Ruhe und Sicherheit gegeben.

Sie sind noch vor der Ausstrahlung der ersten Doku nach Fuerteventura gegangen. Wie sieht Ihre Bilanz nach vier Jahren auf der Insel aus?

Corinne: Das war eine sehr wichtige Zeit für mich. Bis heute bin ich dem Robinson Club treu geblieben. Im Moment mache ich meine Ausbildung zur Hotelfachfrau in Mecklenburg-Vorpommern. Der Konzern hat mir von Anfang an gezeigt, dass er komplett hinter mir und meiner Krankheit steht. Ich hab’ mich verstanden und akzeptiert gefühlt, und das hat mir sehr viel bedeutet.

Hatten Sie Sorge, dass es anders laufen könnte?

Corinne: Klar. Mein Arbeitgeber hätte auch den Weg des geringsten Widerstands gehen können. Aber sie haben sich den Urlauberanfragen gestellt. Und auch alle Mitarbeiter informiert und aufgeklärt, dass ich nicht ansteckend bin. Die Offenheit und Loyalität - auch gegenüber Homosexualität - hat mir gut gefallen.

Sie leben mit HIV seit Ihrer Geburt. Wie sehr hadern Sie im Alltag noch mit Ihrer Erkrankung?

Corinne: Das ist für mich kein Thema mehr. Die Angst, die ich viele Jahre vor dem Outing hatte, wurde mir genommen. Heute führe ich ein Leben wie jeder andere mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze. Ich kann ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne jemanden anzustecken. Und ich kann ohne künstliche Befruchtung irgendwann mal Kinder bekommen.

Sie sind mit einem großen Verantwortungsbewusstsein aufgewachsen. Hat Sie die Krankheit schneller erwachsen werden lassen?

Corinne: Meine ganze Geschichte mit dem Tod meiner leiblichen Mutter, der Fürsorge meiner Pflegefamilie, den Einschränkungen - das alles hat mich natürlich geprägt. Viele dieser Punkte haben mich früher reif werden lassen.

War Fuerteventura eine Art Befreiung für Sie?

Corinne: Es war auf jeden Fall gut und wichtig, dass ich ins Ausland gegangen bin und mein Leben selbst in die Hand genommen habe. Durch die Arbeit mit Kindern und deren Eltern konnte ich meine eigene Familie wieder mehr wertschätzen. Mit ein bisschen Distanz wurde mir klar, dass ich eine wirklich tolle Kindheit im Chiemgau hatte.

Sie haben auf Fuerteventura auch Ihren ersten Freund kennengelernt und sich wieder getrennt. Welche Gefühle weckt die Doku in Ihnen?

Corinne: Ich hab sie noch gar nicht gesehen und bin schon sehr gespannt. Aber ich glaube, dass es emotional wird, weil viel Gefühl in dieser Zeit steckt. Die Beziehung zu meinem Ex-Freund Alexis, die Liebe zu dieser Insel, auf der ich so viel Glück erfahren habe. Da werden sicher vor dem Bildschirm noch mal ein paar Tränen fließen.

Interview: Astrid Kistner

Die Hoffnung wächst, dass Aids geheilt werden kann. Ein dritter HIV-Patient soll nach einer Stammzellen-Therapie virenfrei sein. Bei uns schilderte ein Betroffener, wie er mit Aids lebt.

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