Die tz-Analyse

TV-Duell um Uli Hoeneß: Die beiden Filme im Zweikampf

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Uwe Ochsenknecht als Udo Honig (l.), Uli Hoeneß im Original (Mitte) und Thomas Thieme als Hoeneß-Darsteller (r.).

München - Die tz sah beide Filme über Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß vorab und stellt sie bei einer großen Analyse gegenüber. Wer punktet im Zweikampf?

Gleich zwei Fernsehsender nähern sich dem Fall UIi Hoeneß. Während das ZDF am 27. August auf ein nüchternes Doku-Drama setzt, beschäftigt sich Sat.1 auf ­satirische Weise mit der Steueraffäre des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten (8.9., 20.15 Uhr). Die tz sah beide Filme vorab und stellt sie bei einer großen Analyse gegenüber. Wer punktet im Zweikampf um Uli Hoeneß?

Wer kann Uli Hoeneß besser?

Die Udo Honig Story: Nicht nur wir wurden stutzig, als es hieß: Uwe Ochsenknecht spielt den Hoeneß. Auch der Schauspieler sah zunächst keine Ähnlichkeit. Ganz anders dann im Film Die Udo Honig Story. Ochsenknecht spricht im selben bairisch-schwäbischen Dialekt, Mimik und Gestik sind verblüffend identisch. Grandios: die Wutrede auf der FCB-Jahreshauptversammlung.

Uli Hoeneß – Der Patriarch: Das ZDF setzt bei Uli Hoeneß – Der Patriarch auf das Innenleben seines Protagonisten. Und Darsteller Thomas Thieme gelingt es hervorragend, die Gefühlswelt des verurteilten Steuersünders nach außen zu kehren. ­Optisch kommt er dem Original zwar nahe, hat aber im Vergleich zu Kollege Uwe Ochsenknecht klar das Nachsehen.

Unterschiede und Parallelen

Die Udo Honig Story: Der markanteste Unterschied: Während sich das ZDF auf den Prozess fokussiert, beginnt die Handlung bei Sat.1 unmittelbar danach mit der Inhaftierung. Das Doku-Drama hangelt sich an den Fakten entlang, integriert Zeugen und enthält Originalmaterial. Die Satire liefert Stoff für Spekulationen. Könnte Hoeneß’ Knastalltag genau so ausgesehen haben?

Uli Hoeneß – Der Patriarch: In beiden Filmen gibt es Szenen aus der Jugendzeit von Uli Hoeneß. Im ZDF sieht man den Jung­spund in der familieneigenen Metzgerei, Sat.1 zeigt Hoeneß als eifrigen Mitarbeiter einer Schülerzeitung. Auch Gattin Susi spielt in beiden Formaten eine wichtige Rolle. Im Zentrum beider Filme steht auch die krankhafte Zockerei des Ex-Bayern-Präsidenten.

So lief‘s hinter den Kulissen

Die Udo Honig Story: Regisseur Uwe Janson erhielt in Bayern keine Drehgenehmigung in Gefängnissen. Deshalb stammen die Szenen aus der Zelle aus einem Berliner Knast. Die 90-minütige Satire war innerhalb von fünf Wochen im Kasten. An der Umsetzung waren Schauspieler in 45 Sprechrollen und 500 Komparsen beteiligt. Von der Idee bis zum fertigen Film verging ein knappes Jahr.

Uli Hoeneß – Der Patriarch: Das ZDF stützt seine Recherchen auf die Aussagen von Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung. Für die Szenen aus dem Privathaus von Uli Hoeneß in Bad Wiessee diente ein Interview aus der Zeit, das Hoeneß im Mai 2013 gemeinsam mit seinem Sohn ­Florian gegeben hatte. Auch die Staatsanwaltschaft lieferte Infos.

Satire oder doch Doku-Drama?

Die Udo Honig Story: Mit der Udo Honig Story von Sat.1 sind jene gut bedient, die gerne herzlich lachen und sich mit dem Fall Hoeneß auf eine andere Art beschäftigen wollen. Die Satire liefert aber kein verzerrtes Bild der Realität, vielmehr animiert Regisseur Uwe Janson den Zuschauer zum Mit- und Weiterdenken. Wichtig: Dieser Film ist keine Abrechnung mit Uli Hoeneß!

Uli Hoeneß – Der Patriarch: Ein Film, der sich an die Fakten hält. Und die sprechen für sich. Uli Hoeneß – Der Patriarch erzählt das Leben eines Mannes, der schon seit seiner Jugend von Macht getrieben ist: die glanzvolle Karriere des einstigen Saubermannes, die durch eine gigantische Steuerschuld erschüttert wurde. Wer nach Hintergründen sucht, findet hier Antworten!

Darum muss man beide sehen!

Die Udo Honig Story: Das Erfolgsgeheimnis der Udo Honig Story: Die Handlung ist fiktiv, jede noch so kleine Szene, die sich im Inneren des Gefängnisses abspielt, ist frei erfunden. Und doch haben es die Drehbuchautoren geschafft, dass man sich mit dem Dargebotenen auseinandersetzt. Man hat den Eindruck, ­gewisse Dinge könnten sich genau so zugetragen haben.

Uli Hoeneß – Der Patriarch: „Unser Ziel war es, dem wahren Uli Hoeneß so nah wie möglich zu kommen“, sagt Peter Arens vom ZDF. Und genau das ist dem Sender auch gelungen. Der Zuschauer fühlt sich, als säße er selbst im Gerichtssaal. Thomas Thieme hat sich mit der Figur Hoeneß auseinandergesetzt. ­Sogar das nervöse Zucken seines kleinen Fingers sitzt perfekt.

Johannes Heininger

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