"Schön, dass wir geredet haben ..."

TV-Kritik: ARDcheck nur eine artige Fragestunde

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Rede und Antwort standen die Intendanten Lutz Marmor (r.) und Tom Buhrow.

Hamburg - Der ARDcheck, in dem sich die beiden Intendanten Lutz Marmor (NDR) und Tom Buhrow (WDR) am Montagabend vor Live-Publikum stellten, entpuppte sich als artige Fragestunde. Unsere TV-Kritik.

Seit der Einführung der zwangsweise erhobenen Fernsehgebühr von 17,50 Euro monatlich schaut so mancher Zuschauer kritischer auf das Programm, das ihm die öffentlich-rechtlichen Sender servieren. Was passiert mit dem ganzen Geld? Eine Frage, der sich die beiden ARD-Intendanten Lutz Marmor (NDR) und Tom Buhrow (WDR) am Montagabend vor Live-Publikum stellten. Im ARDcheck ließen sie sich vom TV-Volk auf den Zahn fühlen. Heraus kam eine artige Fragestunde, die vor allem der Imagepflege des Senders diente und lediglich 1,62 Millionen Zuschauer interessierte.

„Todesmut, nackte Verzweiflung oder glauben Sie, dass keine kritischen Fragen kommen“, fragte Moderatorin Sandra Maischberger scheinbar kampflustig nach der Motivation der beiden ARD-Granden, die „ruhig ein wenig gegrillt werden dürften“. Ja, da wurde gleich zu Beginn der Diskussion viel gelacht und das häufig gebrauchte Schlagwort Transparenz heraufbeschworen. Das ausgesuchte Hamburger Studiopublikum wollte Lutz Marmor und Tom Buhrow wohl nicht die gute Laune verderben und ging recht pfleglich mit den rhetorisch geschulten Senderverantwortlichen um. Die weckten viel Sympathie, zeigten Verständnis für individuelle Wünsche, betonten aber auch, dass man es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch nicht allen recht machen könne. Selbstbewusst gaben die Intendanten die Stars in der Manege. Lediglich als Medienkritiker Hans Hoff zum Rededuell mit Marmor in den Ring stieg, geriet der NDR-Chef ins Schwitzen. „Wäre es nicht an der Zeit, konsequent auf etwas zu verzichten? Müssen wir für ein horrendes Geld mit einer mafia­ähnlichen Organisation wie der Fifa zusammenarbeiten?“, fragte Hoff und erhielt als magere Antwort, dass Fußball eben auf großes Interesse stoße und man „die Fifa in Reportagen und Recherchen durchaus kritisch sehe“.

Auch Schauspielerin ­Sabine Postel bekam auf ihre beharrliche Nachfrage, warum im Bereich Fiktion immer mehr eingespart werde, keine befriedigende Antwort. Die Kuchenstücke, da ließen Buhrow und Marmor keinen Zweifel, werden unter ihrer Regie nicht neu verteilt werden. „Wir brauchen mehr Geld“, lautete die Hauptbotschaft der beiden. Mehr Geld, um ein qualitativ hochwertiges Programm stemmen zu können, am Verwaltungsapparat werde dagegen wenig geschraubt.

Wozu am Ende Sportmoderator Mathias Opdenhövel und TV-Journalistin Anne Will auf dem Sofa saßen? „Sie waren dazu da, die Innenansicht darzustellen und die Unabhängigkeit, mit der sie in der ARD arbeiten“, erklärt Sendersprecherin Ilka Steinhausen auf Nachfrage der tz. Die kritischen Fragen sollen intern noch einmal aufbereitet werden. Oder wie Sandra Maischberger zusammenfasste: „Am Ende soll es nicht einfach nur heißen: Schön, dass wir drüber geredet haben …“.

Und so beantwortete die ARD noch Zuschauerfragen, die nach der Sendung gestellt wurden:

Warum zeigt man Werbung, wenn man monatlich Beiträge kassiert? Weil ohne Werbung der Rundfunkbeitrag höher ausfallen müsste. In der ARD beträgt die tägliche Fernsehwerbezeit nur 20 Minuten. An Sonn- und Feiertagen ist das Fernsehprogramm werbefrei.

Was kostet die Sendung mit Ihnen beiden den Beitragszahler? Die Kosten für die Sendung belaufen sich auf 170 000 Euro – 1900 Euro pro Sendeminute. Das sind normale Kosten für eine Livesendung.

Wieso hat Tom Buhrow ein höheres Jahresgehalt als Angela Merkel? Weil die Kanzlerin unterbezahlt ist (Zitat Buhrow). Der Dienstvertrag des Intendanten wird vom Verwaltungsrat beschlossen – dazu gehört auch die Festlegung der Konditionen. Tom Buhrow verdient zwar mehr als die Kanzlerin, aber auch nur die Hälfte von einem Sparkassendirektor.

Warum stehen bestimmte Sendungen nur für einen gewissen Zeitraum in der Mediathek zur Verfügung? Würden sie länger in der Mediathek stehen, würden die Lizenzgebühren dafür steigen – dann müsste der Rundfunkbeitrag steigen. Darum gibt es zeitliche Begrenzungen.

Wozu benötigt die ARD 64 Radiosender? Warum leistet sich fast jede Landesrundfunkanstalt einen eigenen INFO-Kanal? Die Radiowellen werden von den Landesrundfunkanstalten ausgestrahlt, bieten in jedem Fall regionale Information und Service und treffen den unterschiedlichen Musikgeschmack des Publikums.

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