Grandioser Milan Peschel als verzweifelter Vater

TV-Kritik zum ARD-Tatort aus Hamburg: Der Vater, der zum Mörder wird

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Innige Beziehung, geprägt von Sorge und Verzweiflung: Milan Peschel als Zollbeamter Steffen Thewes und Charlotte Lorenzen als seine kranke Tochter Sara.

Der ARD-Tatort „Querschläger“ aus Hamburg war mehr Sozialdrama als Krimi. Eine Kritik von TV-Redakteurin Stefanie Thyssen.

Wie weit würde man gehen? Wenn das eigene Kind infolge einer Wirbelsäulen-Verletzung gelähmt und ans Bett gefesselt ist. Wenn es Hunderttausende von Euros bräuchte, um ihm die rettende Operation in den USA zu ermöglichen. Wenn man die Summe aber – natürlich – nicht ohne Weiteres aufbringen kann. Erst recht nicht, wenn man ein durchschnittlich verdienender Zollbeamter ist und in guten, aber einfachen Verhältnissen lebt.

„Tatort“ aus Hamburg: Fall bringt die Ermittler an ihre Grenzen 

Steffen Thewes hat entschieden, sehr weit zu gehen, um seiner Tochter die Chance auf ein einigermaßen normales Leben zu geben. Am Ende kostet dieser Weg zwei unschuldige Menschen das Leben, er versetzt eine Familie in Todesangst – und bringt die LKA-Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) in ihrem jüngsten Fall, der gestern im Ersten lief, an ihre Grenzen.

Steffen Thewes feuert auf einem Rasthof auf die Ladung eines Lastwagens, ein Querschläger tötet einen unbeteiligten Fahrer. Der Zuschauer kennt den Täter also von Anfang an, hat einen Wissensvorsprung gegenüber den Kommissaren. Dadurch wird der Film von Oke Stielow (Buch) und Stephan Rick (Regie) mehr Sozialdrama als Krimi, die Spannung bleibt dennoch erhalten, weil von diesem Thewes eine ständige Bedrohung ausgeht. Nur, dass keiner weiß, was er als Nächstes tut.

„Querschläger“ funktioniert vor allem deswegen, weil die Rolle des Täters mit Milan Peschel besetzt wurde, der spätestens seit „Halt auf freier Strecke“ zu den ausdrucksstärksten Schauspielern überhaupt zählt. Sein Thewes wird von Minute zu Minute verzweifelter, kopfloser, wahnsinniger, skrupelloser – und man glaubt Peschel diese Rolle in jeder einzelnen Einstellung. Es ist sein Spiel, das dramaturgische Schwächen vergessen lässt. Wie Julia Grosz sich gleich mehrfach völlig unüberlegt und im Alleingang in Gefahr begibt, hätte sie im echten Leben den Job gekostet. Dass Kollege Falke sie deswegen zur Rede stellt, wirkt wie eine Rechtfertigung für solch schlichte Einfälle.

Sei’s drum. Diese 90 Minuten wirken nach, sie berühren und bedrücken, man leidet mit Thewes (und seiner Familie!) in dem Maße mit, wie seine Tat zu verachten ist. Allzu verständlich, dass Falke seinen bis unters Dach vollgekifften Sohn mit einem sehr wohlwollenden Lächeln in die kalte Dusche steckt. Sorgen sehen anders aus.

Lesen Sie auch: In seiner Rolle als „Rosenheim-Cop“ begeistert Joseph Hannesschläger Millionen ZDF-Zuschauer. Nun muss der 57-Jährige gegen den stärksten aller Gegner kämpfen. Bald ist der prominente CDU-Politiker Armin Laschet im „Tatort“ zu sehen.

und: TV-Kritik zum ARD-Tatort:

Dem Jubiläums-Fall von Ulrike Folkerts fehlt es an Spannung

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