„One Way Ticket“ - Senior wird zum Drogen-Schmuggler

TV-Kritik zum „Tatort“ aus München: Die Sozialkritik wirkt ein wenig aufgesetzt

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Wer war’s? Batic (Miro Nemec, li.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) rätseln.

Im ARD-“Tatort“ aus München „One Way Ticket“ wird ein Senior zum Drogen-Schmuggler. Aber der rüstige Rentner auf Abwegen hätte bessere Nerven mitbringen müssen. Eine Kritik von TV-Redakteur Rudolf Ogiermann.

Eine schwarze Schönheit wie aus dem (Urlaubs-)Prospekt, ein Weißer in einem afrikanischen Knast, verzweifelte Rentner im Verhörraum und eine graue Eminenz in der Designervilla – dieser Krimi zeigt in schnellen Szenenwechseln scharfe Kontraste. Und es ist ja auch so, dass man Kokain und unbescholtene ältere Herrschaften nicht so leicht zusammenbringt. Entsprechend weite Wege muss dieser Krimi zurücklegen vom Giftmord an einem jungen Entwicklungshelfer zum Drogenschmuggel, mit dem sich Millionen verdienen lassen.

“Tatort“ aus München fehlt das Schmutzige, das zum Drogenhandel gehört

Rupert Henning schrieb das Drehbuch für seinen ersten Münchner Tatort (ARD), den er auch selbst inszenierte. Und dabei zeigt, wie gut er sich mit den Ermittlercharakteren vertraut gemacht hat. Henning – das ist das Positive an diesem Fall – lässt die Assistenten (Ferdinand Hofer als Kalli Hammermann und Stefan Betz als Ritschy Semmler) aufblühen wie selten ein BR-Tatort-Autor, er spielt mit den Hierarchien, gewährt dem Gerichtsmediziner (Robert Joseph Bartl) einen Exkurs über seltene toxische Substanzen. Man ist mitten drin in diesem Kriminalerkosmos – umso weiter weg erscheint einem die eigentliche Geschichte.

Erwischt: In Martin Endlers (Siemen Rühaak) Koffer findet sich Drogengeld.

One Way Ticket fehlt – trotz der gut gefilmten Szenen aus dem Gefängnis (beeindruckend: Siemen Rühaak) – das Schmutzige, das dem Drogenhandel eigen ist, der Film spart schlicht aus, wo der Stoff landet und wer ihn weiterverkauft, stattdessen zeigt er steife Drahtzieher, die mit Rauschgift zu viel zu tun zu haben scheinen wie die DDR mit Bananen und Orangen. Die Stasi-Connection ist ganz klar der Dreh zuviel in diesem Plot, er beschert dem Zuschauer kryptische Dialoge über „Direktiven“ und „Schlussstriche“ und beschert ihm einen Showdown, bei dem sich die Kontrahenten minutenlang mit gezückter Waffe gegenüberstehen.

2016 hielt der Einkaufszentrum-Attentäter eine ganze Stadt in Atem. Der Fall hat sich nicht nur wegen der Toten in das kollektive Gedächtnis Münchens eingebrannt. Nun greift der „Tatort“ das auf.

In diesem zum Agententhriller hochgejazzten Film wirkt auch die Sozialkritik ein wenig aufgesetzt, trotz Katja Rupés virtuosem Solo über den Kurierdienst als Möglichkeit, der Altersarmut zu entkommen. Und überhaupt – ein bisschen nervenstärker als in diesem Film sollten die schmuggelnden Oldies schon sein. So bleiben Hennings Szenen rund um die Routiniers Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec Udo Wachtveitl) und ihr Team das Beste an dieser Geschichte. Schade.

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