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TV-Kritik zum „Tatort“ aus Frankfurt: Der Gute als der Böse

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Von: Stefanie Thyssen

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Auf eine Zigarette: Kommissarin Janneke (Margarita Broich) und Matzerath (Peter Lohmeyer). © HR/Degeto

Der ARD-„Tatort“ aus Frankfurt dreht sich um einen Mord, den ein Polizeihauptmeister begangen hat. In einem insgesamt starken Fall glänzt vor allem Peter Lohmeyer. Eine Kritik von TV-Redakteurin Stefanie Thyssen.

20 Jahre, so erzählte es Peter Lohmeyer kürzlich in einer Talkshow, habe er in keinem „Tatort“ mehr mitgewirkt. Damals spielte er die Episodenhauptrolle in der Lena-Odenthal-Folge „Der schwarze Ritter“. Jetzt hat ihn die Krimilust offenbar wieder einmal gepackt – und als Zuschauer kann man nur dankbar sein für diese Entscheidung. Wie Lohmeyer die Figur spielt, um die sich in der insgesamt starken Folge „Die Guten und die Bösen“ alles dreht, ist große Klasse.

Polizeihauptmeister Ansgar Matzerath (Lohmeyer) führt seine Kollegen Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) an den Ort eines Verbrechens – und legt dort ein Geständnis ab. Er behauptet, den Mann ermordet zu haben, der da nackt und gefesselt auf einem Stuhl sitzt. Sein Motiv: Rache. Der Tote habe vor sieben Jahren Matzeraths Frau entführt und mehrfach vergewaltigt.

ARD-Tatort aus Frankfurt: Zuschauer bleibt nur kurz im Ungewissen 

Die beiden Kommissare sind nicht nur angemessen verdutzt, sondern obendrein noch verkatert, weil sie die Nacht zuvor, man kann es nicht anders sagen, ganz wunderbar durchgefeiert und eben auch durchgesoffen haben. Die ernüchternde Ansage ihres Kollegen holt sie schnell auf den Boden der traurigen Tatsachen zurück.

Das Besondere an diesem Film von David Ungureit (Buch) und Petra K. Wagner (Regie): Er lässt den Zuschauer nur relativ kurz im Ungewissen. Bald wissen wir: Dieser Matzerath war es wirklich. Und will nach allen Regeln der Polizei- und juristischen Kunst belangt werden. Vor allem Brix will ihm helfen, baut Brücken für mildernde Umstände, kann nicht glauben, was hier vor sich geht. Um dieses Dilemma herum entspinnen sich kluge, besonnene, ja geradezu philosophische Dialoge über Sinn und Wesen der Arbeit als Kommissar. Die – nicht nur, weil das Frankfurter Kommissariat gerade umgebaut beziehungsweise abgerissen wird – ganz schön zermürbend sein kann. Das Haus zerfällt, es tropft vom Dach, die Fälle bleiben.

Dass dieser Fall mit einem Auftritt von Hannelore Elsner geadelt wird, passt da ganz wunderbar. Sie hatte den Mordfall einst als Kommissarin Elsa Bronski auf dem Tisch – und musste ihn ungelöst zu den Akten legen. Jetzt steht sie vor dem Täter von einst, den sie Tag für Tag im Dienst getroffen hatte. Am Ende eine innige Umarmung. Ein schöner Moment, der nicht nur Peter Lohmeyer in Erinnerung bleiben wird.

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