„Väterchen Frost“

TV-Kritik zum „Tatort“ aus Münster: Es fehlt der letzte Schliff

+
Dieser geheimnisvolle Herr ist ein eiskalter Killer: David Bennent glänzt im neuen Münster-„Tatort“ mit dem Titel „Väterchen Frost“, in dem es – unter anderem – um Diamantenschmuggel geht.

Der Sonntags-Krimi in der ARD mit dem Titel „Väterchen Frost“ war wie ein Rohdiamant. Eine TV-Kritik zum „Tatort“ aus Münster von unserem TV-Redakteur Rudolf Ogiermann.

Rohdiamanten sind – Rohdiamanten, erst der Schliff macht Kunstwerke daraus. Eine Art Rohdiamant ist auch dieser „Tatort“ aus Münster, in dem sich viel schönes Material findet, der aber als Krimi nicht so richtig funkeln will.

Die vorweihnachtlich geschmückte Stadt bildet in „Väterchen Frost“ die aus Zuschauersicht topaktuelle Kulisse für eine Geschichte, in der eigentlich nicht viel zusammenpasst – das tödliche Ende einer (Männer-)Liebe, die Verzweiflungstat eines Russen, der mittels Kidnapping seinen Sohn retten will, und besagte Diamanten, mit denen sich viel Geld verdienen lässt, was wiederum zu allem bereite Typen anlockt.

Tatort aus Münster: Die Story zerfällt in zu viele Einzelteile

Die Drehbuchautoren Stephan Cantz und Jan Hinter versuchen dem Ganzen eine Fassung zu geben, aber die krude Story zerfällt in (zu) viele Einzelteile. Die allerdings sind sehr ansehnlich. Vor allem die Sequenzen, die eine für ein Entführungsopfer ziemlich kesse Nadeshda Krusenstern zeigen – Friederike Kempter endlich einmal wieder in einer Art Hauptrolle. Und die um den zum eiskalten Killer stilisierten Kindmann David Bennent.

Der Rest sind inszenatorische Glasperlen (Regie: Torsten C. Fischer), etwa die Albtraumszenen um Kommissar Thiel und die in Musik gegossene russische Seele, die diesen Film süß macht wie Billiglebkuchen. Sei’s drum – echter Thrill ist bekanntlich nicht Bedingung für den Erfolg der Münsteraner „Tatorte“. Da drücken die Fans sicher auch beim slapstickartigen Showdown in der Mühle ein Auge zu.

Spritzig wie immer ist das Ensemble um das ungleiche Paar Thiel und Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers mit großer Spielfreude), nicht zu vergessen Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann), deren kein Widerspruch duldende Einladung: „Glühwein?!“ allein schon mit der einen oder anderen matten Stelle in diesem Plot versöhnt.

Jetzt gibt es eine Umbesetzung beim Münster-„Tatort“: Ein Star steigt aus.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

In Zeiten des Coronavirus: Ex-Dschungelcamp-Kandidatin attackiert Fan nach Kritik an Hüllenlos-Bild
In Zeiten des Coronavirus: Ex-Dschungelcamp-Kandidatin attackiert Fan nach Kritik an Hüllenlos-Bild
„Unsere wunderbaren Jahre“: Täter, Mitläufer und Dauer-Nazis
„Unsere wunderbaren Jahre“: Täter, Mitläufer und Dauer-Nazis
GNTM 2020: Kandidatin Nadine (20) kommt aus Fürstenfeldbruck hat gefährlichen Lifestyle
GNTM 2020: Kandidatin Nadine (20) kommt aus Fürstenfeldbruck hat gefährlichen Lifestyle
GNTM 2020 (ProSieben): Julia P. wurde extrem in der Schule gemobbt  - und leidet noch heute darunter
GNTM 2020 (ProSieben): Julia P. wurde extrem in der Schule gemobbt  - und leidet noch heute darunter

Kommentare