tz-Interview

Rohde: Darum bin ich kein Tatort-Ermittler geworden

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Brilliert am Sonntag als Gauner im Kölner "Tatort": Armin Rohde.

Köln - Armin Rohde spielt im Kölner Tatort am Sonntag einen Ex-Knacki. Was ihm an der Rolle gefällt und warum eh nie "Tatort-Kommissar wurde, erklärt er im tz-Interview.

Auch wenn man bei Armin Rohde unwillkürlich an Bier und Currywurst denkt, ein bisschen was hat der Schauspieler aus Wuppertal von einem edlen Rotwein: Mit den Jahren ist er immer besser geworden. Wie gut, das beweist der 60-Jährige im Kölner Tatort: Dicker als Wasser, in dem er am Sonntag den Ex-Knacki Ralf Trimborn spielt. Eine Paraderolle für Rohde, der in diesem eher simpel gestrickten Kriminalfall funkelt und glitzert. Wieso man sich diesem Trimborn als Zuschauer nur schwer entziehen kann, weshalb ihn Dummheit wütend macht und warum er als Vater arbeitsunfähig gewesen wäre, erzählt Armin Rohde im tz-Interview.

Herr Rohde, dank Ihnen ist der „Tatort: Dicker als Wasser“ großes Kino. Als Gangster Ralf Trimborn geben Sie eine brillante Solovorstellung.

Armin Rohde: Vielen Dank. Als ich das Drehbuch gelesen habe, wusste ich sofort, wie ich diesen Trimborn spielen will: Ich wollte ihn mit einer ekelhaft guten Laune ausstatten. Das ist einer, der seine krummen Dinger dreht, gewohnheitsmäßig, so wie andere Leute Schach spielen gehen. Und für den das vollkommen in Ordnung ist. In seinem Wertesystem hakt nichts.

Ein fieser Typ, der aber durchaus auch sympathische Seiten zeigt …

Rohde: Ja, eine gefährliche Mischung. Ich kenne von früheren Dreharbeiten ein paar Leute vom Kiez und auch ein paar, die schon ihre Jährchen im Knast abgesessen haben. Und ich weiß, dass die „erfolgreichsten“ unter ihnen unglaubliche Charmebolzen sind, denen man sich nur schwer entziehen kann.

Ralf Trimborn ist ein unberechenbarer, impulsiver Mensch. Was macht Sie wütend?

Rohde: So schnell reißt mir nicht die Hutschnur, aber was mir chronisch auf den Geist geht, ist die Verbindung aus Dummheit und Großmäuligkeit. Die Weigerung, besseres Wissen zuzulassen. So wie bei der Pegida-Bewegung beispielsweise. Da wird immer so getan, als wäre Dummheit eine unheilbare Krankheit. Das nervt mich.

Sie sind Kommissar in der ZDF-Reihe „Nachtschicht“ und haben auch deshalb die Angebote der ARD abgelehnt, „Tatort“-Ermittler zu werden. Schade eigentlich, oder?

Rohde: Ach, ich weiß nicht. Ich liebe die Figur des Kommissar Erichsen in der Nachtschicht sehr. Ich hätte viele schöne andere Rollen in den letzten zehn Jahren nicht machen können, wäre ich Tatort-Ermittler gewesen. Meine Befürchtung war immer, dass man irgendwann hauptsächlich als Kommissar wahrgenommen wird und nicht mehr als Schauspieler, der alles Mögliche in der Wundertüte hat. Ich überrasche einfach wahnsinnig gern.

Aus Ihrer Wundertüte zaubern Sie mit zunehmendem Alter immer vielseitigere Rollen …

Rohde: Das ist schön, dass Sie das so sehen. Das entspricht nämlich auch meinem Empfinden. Ich habe das Gefühl, in den letzten Jahren etwas dazugewonnen zu haben, was mein Spiel vor der Kamera und die Auswahl der Rollen bereichert hat. Ich bin eben ein Spätzünder.

Einer, der aus dem Vollen schöpfen kann. Gelegentlich drehen Sie mehrere Filme gleichzeitig. Fällt es Ihnen leicht, zwischen verschiedenen Figuren zu springen?

Rohde: Zwischen den Rollen zu pendeln fällt mir wesentlich leichter als zwischen den Dreh­orten. Manchmal wache ich morgens auf und muss mir erst mal überlegen, ob ich jetzt in Berlin oder in Hamburg im Hotel liege. Aber das ist ja nicht geplant. Solche Überschneidungen ergeben sich, wenn es beim Dreh zu Verzögerungen kommt.

Sie haben sich vor einem Jahr einen Hund aus dem Tierheim geholt. Begleitet er Sie zu den Dreharbeiten?

Rohde: Nee, Ike bleibt bei meiner Frau, die er heiß und innig liebt und sie ihn. Es ist schön zu sehen, wie er sich freut, wenn ich nach Hause komme. Wenn er neben mir auf der Couch liegt und ruhig atmet, spüre ich sofort, wie auch ich runterkomme.

Er hat Ihr Leben sozusagen umgekrempelt?

Rohde: Nicht wirklich. Aber er hat dafür gesorgt – indirekt, weil er ja nicht sprechen kann, dass ich nichts mehr esse, was vier Beine hat. Wenn Fleisch, dann nur noch Fisch oder Geflügel.

Sie sind vor knapp zwei Wochen 60 geworden. Was ist heute besser als vor 30 Jahren?

Rohde: Ich glaube, ich habe eine gewisse Souveränität im Umgang mit dem Beruf, den Menschen und mit der Welt gewonnen. Aber die brauchte ich ja mit 30 auch noch nicht. Da hab ich einfach lichterloh gebrannt. Früher hätten mich Sachen wütend und laut werden lassen, bei denen ich heute denke: Da versucht jemand sein Bestes, aber mehr ist einfach nicht drin.

Klingt nach Altersmilde …

Rohde: Na ja, unnachsichtiger bin ich dagegen bei Leuten geworden, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie fast vorsätzlich den besseren Vorschlag boykottieren. Da kann ich zornig werden.

Der „Tatort“ am Sonntag erzählt vor allem eine spannende Vater-Sohn-Geschichte. Haben Sie nie bereut, keine Kinder zu haben?

Rohde: Nein, es hat nie zu meiner Lebensplanung gehört. Über zehn Jahre kam diese Frage fast vorwurfsvoll, warum ich denn bitte nicht Vater sei. Heute könnte man mich eher fragen, warum ich keine Enkel habe, aber das erklärt sich von selbst (lacht).

Vielleicht erwecken Sie den Eindruck, dass Sie ein guter Vater gewesen wären?

Rohde: Ja, anscheinend habe ich etwas Väterliches. Dabei wollte ich immer nur Schauspieler sein. Und ich bereue es bis heute nicht. Mein Leben ist sehr erfüllt. Natürlich freue ich mich, wenn Verwandte und Freunde mit ihren Kindern kommen. Ich finde das immer entzückend, aber ich finde es auch entzückend, wenn sie dann wieder gehen und ich keine Verantwortung tragen muss.

Aha, da liegt also, pardon, der Hund begraben …

Rohde: Wahrscheinlich. Ich war das älteste von vier Geschwistern und geradezu mit einem manischen Verantwortungsgefühl geschlagen. Das hat mich dazu gebracht, nachts aufzustehen und mein Ohr auf die Brust meiner Brüder zu legen, um zu kontrollieren, ob ihr Herzschlag noch funktioniert. Das war natürlich auch eine Art von Größenwahn, dass ich denen nicht zugetraut hab, ihr eigenes vegetatives Nervensystem im Griff zu haben (lacht). Nee, nee, ich wäre ein besessener Sorgenmacher und als Vater vermutlich arbeitsunfähig gewesen. Da hätte ich mich entscheiden müssen: Vater oder Schauspieler – beides hätte nicht hingehauen.

Interview: Astrid Kistner

„Tatort“, So., 20.15 Uhr, ARD

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