19-Jährige offenbarte ihre Krankheit

tz-Interview mit Corinne: Reaktionen auf HIV-Outing der Bayerin im TV

+
Corinne (19) outete sich im ZDF als HIV-positiv.

Prien am Chiemsee - Am Dienstag strahlte das ZDF die Reportage über Corinne aus. Das Mädchen ist seit ihrer Geburt HIV-positiv. In der tz spricht sie über die Reaktionen danach.

Filmemacherin Maike Conway (r.) begleitete Corinne und ihre Familie zehn Jahre lang.

Seit Dienstag wissen es alle: die ehemaligen Mitschüler aus dem Gymnasium in Prien am Chiemsee, die Nachbarn, die Freunde. Corinne ist HIV-positiv. Und das seit ihrer Geburt, sie infizierte sich im Mutterleib. In der 37 Grad-Reportage vom vergangenen Dienstag brachen die 19-Jährige und ihre Pflegeeltern, die aus Angst vor Mobbing und Ausgrenzung die Krankheit immer verheimlicht hatten, ihr Schweigen. Allein Filmemacherin Maike Conway durfte die Familie in den letzten zehn Jahren begleiten. Ihr sehr persönlicher Einblick in das Leben von Corinne zeigt, wie schwer das Geheimnis auf dem Mädchen lastete. Im Gespräch mit der tz erzählt Corinne, wie sie ihr ­Coming-Out erlebt hat und was sie sich für die Zukunft wünscht.

Was ist das für ein Gefühl, sich selbst beim Erwachsenwerden zuzuschauen?

Corinne: Ein komisches. Klar wusste ich ungefähr, was über all die Jahre gedreht wurde, aber als ich den Film dann zum ersten Mal gesehen habe, hat mich das schon sehr berührt. Es ist einfach spannend zu sehen, wie man als kleines Mädchen war, was man so gemacht und gesagt hat.

Ihre Pflegeeltern haben sich schon früh entschieden, Ihre HIV-Erkrankung geheim zu halten. Können Sie die Beweggründe verstehen?

Corinne:  Ja, ich konnte immer verstehen, warum es besser ist, zu schweigen. Das hab ich an meinem Freundeskreis gemerkt: Wenn ich da gefragt hab, ob ich mal aus einem fremden Glas trinken darf, dann haben die oft gelacht und gesagt: ‚Klar, du wirst ja kein Aids haben‘. An den Reaktionen habe ich gemerkt, dass es besser ist, nicht darüber zu reden. Außerdem wusste ich ja, dass meine Eltern nur das Beste für mich wollen. Insofern habe ich ihnen da voll und ganz vertraut.

Manchmal sind Eltern aber auch überängstlich...

Corinne:  Wenn’s nach meinen Eltern gegangen wäre, hätten sie’s von Anfang an gesagt, aber sie wurden ja selbst von den Ärzten gebremst.

Sie sind in Prien am Chiemsee in die Schule gegangen und haben sich erst nach dem Abi geoutet. Wie haben Ihre Freunde reagiert?

Corinne:  Ich hab’s nicht allen gesagt, aber mein engster Freundeskreis hat gut reagiert. Dabei hab ich am Anfang ein ziemliches Drama daraus gemacht und rumgedruckst so nach dem Motto: ‚Ich muss dir was erzählen, aber ich hab Angst, dich zu verlieren‘. Am Ende war’s dann gar nicht so schlimm.

Waren nicht auch einige enttäuscht, dass Sie sich ihnen über all die Jahre nicht anvertraut haben?

Corinne:  Klar, die Reaktion gab’s auch. Gerade als ich schon hier auf Fuerteventura mit meiner Arbeit angefangen habe, hat mir der eine oder andere geschrieben, dass er nicht versteht, dass ich nicht schon viel früher was gesagt hab.

Was haben Sie geantwortet?

Corinne:  Ich glaube, man muss die lange Version des Films sehen (wird am Montag um 0.25 Uhr im ZDF gezeigt, Anm. d. Red.), um zu begreifen, wie schwer das für mich war. Nach meinem Outing haben sich auch noch einige Klassenkameraden auf HIV testen lassen. Auch das zeigt mir, dass da immer noch viel Angst ist.

Glauben Sie, dass wir als Gesellschaft immer noch so viele Vorurteile mit uns rumschleppen?

Corinne:  Ich glaube, dass sich in den letzten zehn Jahren extrem viel zum Guten verändert hat. Wenn ich mich vor zehn Jahren vor meine Klasse gestellt und alles erzählt hätte, wäre die Reaktion sicher nicht so positiv ausgefallen. Die letzten Tage aber habe ich so viel tolles Feedback bekommen. Die meisten Menschen sind zwar immer noch nicht vollständig aufgeklärt, was die Krankheit angeht, aber sie interessieren sich dafür und sind offen.

Auch Ihr Arbeitgeber auf Fuerteventura, wo Sie in einem Urlaubsclub als Kinderanimateurin arbeiten, steht voll hinter Ihnen. Vermissen Sie manchmal die bayerische Heimat?

Corinne:  Ich vermisse meine Familie, aber wir sind im engen Kontakt. Für mich war immer klar, dass ich mal raus will. Nicht, weil ich nicht an meinen Eltern hänge, sondern weil ich neugierig auf Neues bin. Und hier auf Fuerteventura fühle ich mich richtig wohl. Die Arbeit im Club ist abwechslungsreich und die Atmosphäre im Team super. Ich kann mir vorstellen, das noch eine ganze Weile zu machen.

Und dann? Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Corinne:  Irgendwann will ich studieren. Und dann hätte ich auch gern mal Familie und Kinder. Das ist ja in der heutigen Zeit auch kein Problem mehr mit meiner Krankheit. Man kann vor und nach der Geburt Medikamente nehmen und dem Kind einen Sirup geben, um sicherzugehen, dass es sich nicht infiziert. Ja, das wäre schon mein Traum: Irgendwann sesshaft zu werden und eine eigene Familie zu haben. 

Interview: Astrid Kistner

Auch interessant

Meistgelesen

„Die Reimanns“: TV-Kamerateam platzt in pikante Szene - Konny und Ehefrau empört
„Die Reimanns“: TV-Kamerateam platzt in pikante Szene - Konny und Ehefrau empört
Sat.1-Moderator massiert plötzlich im TV seinen Intimbereich - „Eklig“
Sat.1-Moderator massiert plötzlich im TV seinen Intimbereich - „Eklig“
TV-Sender aus Deutschland hört schon am 31. März auf - Seinen Namen kennt vermutlich jeder
TV-Sender aus Deutschland hört schon am 31. März auf - Seinen Namen kennt vermutlich jeder
DSDS: Grönemeyer-Lied bringt Jungs zum Heulen 
DSDS: Grönemeyer-Lied bringt Jungs zum Heulen 

Kommentare