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tz-Interview: Das sagt Roberto Blanco zum "Neger"-Eklat

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Joachim Herrmann (l.) nannte Roberto Blanco einen "wunderbaren Neger"
Joachim Herrmann (l.) nannte Roberto Blanco einen "wunderbaren Neger". © dpa

Berlin - Die Entgleisung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sorgt nach wie vor für Diskussionen. Die tz sprach mit Roberto Blanco darüber.

Sensibel wie eine Planierraupe

Bis zu 800 000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Deutschland erwartet. Dass dies nicht unbedingt eine Belastung sein muss und die Flüchtlinge durchaus integriert werden können, darüber diskutierten am Montagabend in der ARD die Teilnehmer der Talkshow Hart aber fair. „Wir haben Aussiedler integriert, wir haben Hunderttausende von türkischen, griechischen und italienischen Arbeitsmigranten integriert, und Deutschland hat sich damit weiterentwickelt“, erklärte in diesem Zusammenhang Focus-Chef­redakteuer Ulrich Reitz, da platzte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dazwischen: „Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen gefallen hat.“ Moderator Frank Plasberg reagierte mit einem trockenen „Holla“, und der CSU-Minister fügte noch hinzu, beim FC Bayern spielten auch Sportler mit schwarzer Hautfarbe, und das fänden die Fans des Vereins auch gut.

Hart-aber-fair-Mittalker Ranga Yogeshwar meinte zu Herrmann: „Man hat zu mir auch schon mal Neger gesagt. Das ist einfach so. Wahrscheinlich sei das ein Mangel an Differenzierung. „Das kommt aber mit der Zeit.“

Ein Sturm der Kritik brach daraufhin los, der sich auch nicht legte, als sich Herrmann am Dienstagvormittag im ZDF-Morgenmagazin zu erklären versuchte: Er habe das Wort „Neger“ nur als Reaktion auf einen Einspieler benutzt. „Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht“, sagte er. „Wir haben auch wunderbare Mitbürger mit schwarzer Hautfarbe in Bayern.“

Der Vizefraktionschef der Linken im Bundestag, Jan Korte, und der bayerische Juso-Chef Tobias Afsali forderten gestern Herrmanns Rücktritt. Korte: „Wer rassistische Sprachmuster bedient, ist eines politischen Amtes nicht würdig.“ Jeder Ausländerfeind, der eine Flüchtlingsunterkunft angreife, werde von Herrmann bestärkt. „Bei diesem CSU-Mann treffen politische Einfalt und eine manifeste Abwehrhaltung gegen Flüchtlinge in einem besonderen Maße zusammen. Er ist in seinem Amt endgültig untragbar geworden.“ Bayerns SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher kritisierte Herrmanns Wortwahl als „ungeheuerliche Entgleisung.“ SPD-Vize Ralf Stegner attestierte dem Minister die „Sensibilität einer Planierraupe“.

Im Internet brach ein wahrer Shitstorm über Herrmann herein. Einer twitterte unter dem Hashtag #Herrmann sogar: „Läuft das CSU-Verbotsverfahren schon?“

Der Münchner Entertainer Ron Williams erklärte gegenüber der tz: „Ich bin entsetzt, dass Bayerns oberster Polizist – trotz der dringenden Notlage der Flüchtlinge – eine solche Sprache benutzt. Aber das ist ja nicht neu in der CSU, dass man Öl ins Feuer kippt.“ Mit einem Augenzwinkern Richtung CSU weist Williams darauf hin, dass es doch nur gut sei, wenn mehr Schwarze ins Land kämen. „Dann gibt es mehr Babys, und die Zukunft der Schwarzen in Bayern ist gesichert.“

Blanco: Ich bin nicht beleidigt

Herr Blanco, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat Sie in einer Talkshow als „wunderbaren Neger“ bezeichnet. Was halten Sie davon?

Blanco: Es ist offensichtlich, dass er das nicht böse gemeint hat, deshalb sollte man jetzt die Kirche im Dorf lassen. Ich fühle mich nicht beleidigt.

Aber glücklich sind Sie damit auch nicht?

Blanco: Wissen Sie, dieses Wort existiert nun einmal. Als ich in den 1950er-Jahren nach Deutschland kam und hörte, dass man hier von Negermusik und Negerküssen spricht, hab ich gefragt: Warum sagt ihr das?

Und die Antwort war?

Blanco: Das ist hier halt so!

Und Sie fühlten sich nicht diskriminiert?

Blanco: Nein, im Gegenteil: Für mich war meine Hautfarbe ein Vorteil. Sie machte mich einzigartig in der Showbranche. Mancher war sogar neidisch …

Wie?

Blanco (lacht): Als ich mit Vico Torriani mal am Flughafen unterwegs war und ich erkannt wurde und er nicht, meinte er: Ich glaube, ich habe die falsche Hautfarbe ...

Zurück zu Herrn Minister Herrmann … 

Blanco: Man sollte das Wort nicht benutzen, schon gar nicht, wenn man Minister ist ... Er hätte stattdessen Farbiger sagen sollen.

Und nun?

Blanco: Er wird daraus gelernt haben. Aber das soll sich jetzt bitte nicht streng anhören.

Interview: Wolfgang de Ponte

Darum ist „Neger“ ein Unwort

Der Begriff „Neger“ für Schwarze wurde erstmals im 17. Jahrhundert in Deutschland verwendet. Er stammt vom lateinischen „niger“ für schwarz ab. Besonders häufig – oft abschätzig – wurde das Wort ab dem 19. Jahrhundert gebraucht, in der Hochzeit von Kolonialismus und Rassentheorien. Gemeint waren Menschen, die man einer schwarzen Rasse, den Negriden, zuordnete und klischeehaft als primitiv ansah. Seiner Geschichte wegen wird der Ausdruck „Neger“ seit den 1970ern als diskriminierend angesehen. Mittlerweile wurde er auch in Kinderbüchern ersetzt: Pippi Langstrumpfs Papa ist nicht mehr Neger-, sondern Südseekönig.

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